Eishockey
HC Davos: Gefährlich wie ein stumpfes Messer

NLA Der HC Davos verliert gegen die ZSC Lions 1:3 und rutscht in der Tabelle auf Platz zehn ab - mitten in die Playout-Zone.

Marcel Kuchta, Davos
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Der Zürcher Daniel Schnyder (rechts) räumt den Davoser Dino Wieser aus dem Weg.JÜrgen Staiger/Keystone

Der Zürcher Daniel Schnyder (rechts) räumt den Davoser Dino Wieser aus dem Weg.JÜrgen Staiger/Keystone

Die ungemütliche Situation des HC Davos hat sich weiter verschärft. Nach der 1:3-Heimniederlage gegen die ZSC Lions sind die Bündner wieder mitten in die Playout-Zone abgesackt. Kurz vor Hälfte der Qualifikationsphase steht der HCD in der Tabelle auf dem ungewohnten zehnten Platz. Die gestrige Darbietung gegen die Zürcher lieferte im Hinblick auf die kommenden Wochen keine Gründe, dass sich im Landwassertal übertriebener Optimismus ausbreiten wird. Die Davoser agierten ungefähr so gefährlich wie ein stumpfes Messer. Was natürlich hauptsächlich auch an der Personalsituation lag: Mit Rick Nash und Petr Sykora fielen zwei der drei besten Torschützen des HCD verletzungshalber aus.

Dass es ohne die beiden treffsicheren Söldner schwierig werden würde, dem war man sich bei der Mannschaft von Trainer Arno Del Curto bewusst. Umso gravierender waren die Auswirkungen, die der frühe Treffer der ZSC Lions hatte. Andres Ambühl verwertete bereits nach 21 Sekunden einen Abpraller zum 0:1. Ein Gegentor, welches für die Davoser wie eine Narkose wirkte. Die Bündner brachten im ersten Drittel kaum ein Bein vor das andere. Vorne kamen sie gegen die gut gestaffelte Defensive der Lions kaum zu Torchancen. Und auf der anderen Seite produzierten sie immer wieder haarsträubende Fehler. So servierte HCD-Verteidiger Noah Schneeberger Dustin Brown als hinterster Mann die Scheibe auf den Stock. Der NHL-Star liess sich die Chance nicht entgehen und bezwang Genoni sicher zum 0:2 (14.). «Wir haben dem ZSC im ersten Drittel zwei Tore geschenkt. Das können wir uns in unserem derzeitigen Zustand ganz einfach nicht leisten», fand Arno Del Curto kritische Worte und fügte an: «Wir brechen im Moment schnell zusammen. Das gefällt mir nicht, ist aber in unserer Situation normal.»

Der Davoser Trainer sah dann immerhin, dass sich seine Mannschaft zusammenraufte und im Mitteldrittel etwas mehr Druck zu erzeugen vermochte. Belohnt wurde der Davoser Kampfgeist durch den Anschlusstreffer von Josef Marha (34.). Den Assist gab übrigens Lockout-Gast Joe Thornton, der sich damit erstmals nach sieben Spielen wieder einen Skorerpunkt gutschreiben lassen konnte.

Mehr lag für die Davoser, bei denen viele Spieler momentan zu sehr mit sich selbst beschäftigt scheinen, nicht drin. Cédric Hächler zog dem HCD mit seinem ersten NLA-Treffer im Powerplay (44.) sprichwörtlich den Stecker raus. Die ZSC Lions, die für die drei Punkte in Davos kaum an ihre Grenzen gehen mussten, schaukelten den Vorsprung problemlos über die Runden und dürfen der direkten Revanche am heutigen Abend im Hallenstadion entspannt entgegenblicken. Anders die Davoser: «Wenn wir die drei Punkte geholt hätten, dann hätten wir wieder eine Woche Ruhe gehabt», sagte Del Curto mit einem Blick auf die Tabelle. Der HCD ist nach der Nationalmannschaftspause wieder ins alte Fahrwasser geraten (ein Sieg gegen Ambri, Niederlagen in Bern und gegen den ZSC) und muss aufpassen, dass er den Anschluss an die Playoff-Plätze nicht verpasst. Normalerweise ist der Dezember für die Davoser mit dem Spengler-Cup ein festlicher Eishockeymonat. Heuer sieht es eher danach aus, als ob er zu einer pickelharten Angelegenheit wird. Vor allem, wenn sich die Lage an der Verletztenfront nicht bessert.