SC Bern

Grosse Hoffnungen an Arcobello: Zukünftiger Leitwolf von Lugano weckt Erinnerungen an 1999

Ab in den Süden: Berns Mark Arcobello wechselt im nächsten Sommer nach Lugano.

Ab in den Süden: Berns Mark Arcobello wechselt im nächsten Sommer nach Lugano.

Lugano hat zum ersten Mal seit zwanzig Jahren dem SC Bern mit Mark Arcobello wieder den meisterlichen Leitwolf «abgekauft». Damals führte Neuzugang Gaetano Orlando die Luganesi zum Meistertitel. Es versteht sich daher von selbst, dass sich die Bianconeri nun eine Wiederholung der Geschichte erhoffen.

Drei Königswege führen bei einem Kanadier, Amerikaner, Skandinavier oder Osteuropäer zu einem Vermögen. Der erste ist der schwierigste: ein Einwegvertrag in der nordamerikanischen National Hockey League NHL. Der zweite ist sehr oft mit Einbussen der Lebensqualität verbunden: ein Vertrag in der grossrussischen KHL.

Beim dritten lässt sich ein schönes Einkommen mit unübertroffener Lebensqualität verbinden: Wenn ein ausländischer Spieler in unserer National League so gut ist, dass er von einem anderen Klub aus der gleichen Liga abgeworben wird. Weil in der Schweiz Nettogehälter bezahlt werden (das Einkommen ist also steuerfrei), die Wohnung, die Flugtickets und das Auto bezahlt sind und bei geschicktem Verhandeln auch noch die Schulbildung der Kinder auf Kosten des Klubs geht, ist dieser dritte Königsweg überaus attraktiv.

Mark Arcobello ist der konstanteste ausländische Stürmer der National League.

Mark Arcobello ist der konstanteste ausländische Stürmer der National League.

Der konstanteste ausländische Stürmer

Aber eben: Es muss einer zuerst so gut sein, dass er innerhalb der National League abgeworben wird. Mark Arcobello ist dieses Kunststück soeben gelungen. Er hat schon beim SC Bern gut verdient (mehr als 300'000 Franken netto) und nun wechselt er Ende Saison für drei Jahre und noch mehr Gehalt nach Lugano. Wenn er im nächsten Sommer in Lugano eintrifft, wird er bereits 32 Jahre alt sein.

Mark Arcobello ist der konstanteste ausländische Stürmer der Liga. Er hat in drei Jahren in der Qualifikation nur fünf Partien verpasst, dreimal inklusive Playoffs über 50 Punkte gebucht und den SCB zu zwei Titeln (2018, 2019) geführt.

Wunderbare Stadt und grossartiger Klub

Hätten die Berner die Offerte des HC Lugano kontern sollen? Nein. Anders als ein Schweizer kann ein ausländischer Spieler gleichwertig ersetzt werden. Ist der Amerikaner ein «Verräter», wenn er innerhalb der Liga wechselt? Nein. Ein Profi spielt dort, wo er am meisten verdienen kann.

Lugano und Bern verbindet die älteste Titel-Rivalität seit der Einführung der Playoffs.

Lugano und Bern verbindet die älteste Titel-Rivalität seit der Einführung der Playoffs.

Wenn Mark Arcobello sagte, Bern sei eine wunderbare Stadt und der SCB ein grossartiger Klub, so meinte er das auch so. Er meint es aber auch so, wenn er sagt, Lugano sei eine wunderbare Stadt und der HCL ein grossartiger Klub. Niemand weiss besser als ein nordamerikanischer Musterprofi: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Macht der Transfer für Lugano Sinn? Ja. Lugano und Bern verbindet die älteste Titel-Rivalität seit Einführung der Playoffs. Der SC Bern hat 1989 die Ära «Grande Lugano» beendet und sich als Spitzenteam immer wieder erneuert. Was sich allein an den Titeln ablesen lässt: 1989, 1991, 1992, 1997, 2004, 2010, 2013, 1016, 1017, 2019. Dreissig Jahre meisterlich.

Ein Stück der meisterlichen SCB-DNA nach Lugano

Luganos heimlicher Traum: werden wie der SCB. Inzwischen warten die Tessiner seit der Saison 2005/06 auf den nächsten Titel. Mit Mark Arcobello holt der HC Lugano nicht nur einen formidablen ausländischen Stürmer. Sondern auch etwas von der meisterlichen SCB-DNA.

Schon einmal hat so ein Transfer wunderbar funktioniert. Im Sommer 1998 hat Lugano dem SCB zum bisher letzten Mal den meisterlichen ausländischen Leitwolf «abgekauft»: den damals bereits 36-jährigen Gaetano Orlando (der 2012 verpflichtete Brett McLean hatte beim SCB nie die Rolle von Orlando oder Arcobello).

Seit der Saison 2005/06 wartet der HC Lugano auf einen Meistertitel.

Seit der Saison 2005/06 wartet der HC Lugano auf einen Meistertitel.

Und siehe da: Gaetano Orlando führte den HC Lugano auf Anhieb zur nächsten Meisterschaft nach 1990, zum bis heute wichtigsten Meistertitel im Playoff-Final von 1999 gegen den HC Ambri-Piotta. Mark Arcobello nächste Saison wie Gaetano Orlando 1999? Warum nicht? Aber wenn es bis in den Playoff-Final 2020 reichen sollte, wird der Gegner voraussichtlich nicht Ambri heissen.

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