Deutschland-Cup

Goldenes Herbst-Hockey – die Schweiz verpasst den Turniersieg, überzeugt aber wie noch nie

Obwohl die Schweiz den Turniersieg verpasst, kann viel Positives mitgenommen werden vom Deutschland-Cup.

Die Schweizer verpassten beim Deutschland Cup im letzten Spiel gegen Russland (2:4) den Turniersieg. Sie haben trotzdem überzeugt wie noch nie im Herbst.

Der Herbst ist die Zeit der alljährlichen Hockey-Operette Deutschland Cup. Keine grosse Hockey-Oper wie die WM oder das Olympia-Turnier. Niemand reist mit der bestmöglichen Mannschaft an. Also unbedeutend. Eigentlich. Aber für die Schweizer hat der Deutschland-Cup seit der Gründung 1987 eine besondere Bedeutung. Jahrelang suchten wir hier die Bestätigung dafür, international doch tauglich zu sein. Die Resultate waren wichtig. Mit dem Ende der Ära Krueger (ab 2010) wurde das Turnier vor allem für die Nationaltrainer eine besondere Herausforderung. Kruegers Nachfolger standen unter besonderer Beobachtung. Es ging nebst den Resultaten immer um die Frage: Hat der neue Mann (Sean Simpson, Glen Hanlon, Patrick Fischer) alles im Griff?

Diese Frage stellt sich seit der Silber-WM 2018 nicht mehr. Die internationale sportliche Tauglichkeit steht längst nicht mehr zur Debatte. Die Position von Patrick Fischer auch nicht.
2001 und 2007 hat die Schweiz den Deutschland Cup gewonnen. Nun haben wir zum neunten Mal den zweiten Platz erreicht. Ein Deutschland Cup wie so viele andere also? Nicht ganz. Die Ausgabe 2018 hat eine besondere Bedeutung.

Die Schweiz: eine grosse Hockeynation

Die «Silber-Dividende» zahlt sich aus. Die Schweizer sind in Krefeld mit dem Selbstvertrauen, der Ruhe, Gelassenheit und Professionalität einer grossen Hockeynation aufgetreten. Die Aufgeregtheit der vergangenen Jahre hat sich gelegt. Niemand geht mehr der Frage nach, ob Patrick Fischer alles im Griff hat.

Der Deutschland Cup 2018 hat so eindrücklich wie die WM 2018 gezeigt: die Schweiz ist eine grosse Hockeynation. Ohne die Titanen aus Bern und Lugano, ohne die Besten aus Zürich und Zug, ohne die WM-Torhüter Nummer 1 und 2 und mit bloss fünf WM-Silberhelden – also eigentlich mit einem «Operetten-Aufgebot» – war die Schweiz dazu in der Lage, die Slowakei (3:2) und das halbe deutsche Olympia-Silberteam (4:3 n.P.) zu besiegen und Russland im Kampf um den Turniersieg im letzten Spiel herauszufordern (2:4). Die Schweizer sind als Winner-Team aufgetreten und haben in allen drei Partien das beste Herbst-Hockey unserer Geschichte gezeigt. Immer auf den Zehenspitzen, nie auf den Fersen stehend. Selbstsicher, bissig, mutig, offensiv und schnell.

Eine politische Botschaft

Fischers Mut zu unkonventionellen Aufgeboten zahlt sich aus. Auch im Hinblick auf die WM im Mai. Auf allen Positionen haben sich Spieler bewährt, die noch nie in einem WM-Aufgebot standen, die aber das Potenzial für eine WM-Nomination haben: Servettes Gauthier Descloux (Torhüter), Langnaus Andrea Glauser, Biels Samuel Kreis, Biels Jason Fuchs oder Zugs Dario Simion. Lausannes Christoph Bertschy hatte sogar einen so starken Auftritt, dass er in dieser Form einen Platz im WM-Aufgebot auf sicher hat.

Der überzeugende Auftritt hat auch eine politische Botschaft. Am Mittwoch stimmen die Klubs darüber ab, ob künftig sechs statt nur vier Ausländer zugelassen werden. Hätten wir jetzt schon sechs Ausländer, wären Glauser, Miranda, Karrer oder Bachofner nicht aufgeboten worden. Weil sie bei ihren Klubs nie zu einer wichtigen Rolle gekommen wären.

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