Eishockey

Genoni und die NHL? Del Curto: «Ich habe keine Zweifel»

Leonardo Genoni lässt lieber Taten statt Worte sprechen

Leonardo Genoni lässt lieber Taten statt Worte sprechen

Leonardo Genoni ist hierzu lande in Sachen Torhüter derzeit das Mass aller Dinge – und hat das Potenzial, eine Karriere wie sein Davoser Vorgänger Jonas Hiller zu machen.

«Ich gebe bis zum Ende der Playoffs keine Interviews. Danke für das Verständnis.» Leonardo Genonis Absage betreffend einer kurzen Frage- und Antwort-Runde kommt per SMS. Bestimmt, aber höflich.

Der Goalie des HC Davos hat sich in Absprache mit Coach Arno Del Curto und Torhütertrainer Marcel Kull zu dieser strikten Massnahme entschlossen. Öffentlichkeitsarbeit ist dieser Tage tabu. Nur der sportliche Erfolg in den Playoffs zählt, das blanke Resultat auf dem Eis.

Fangquote von 95,9 Prozent

Leonardo Genoni will Taten statt Worte sprechen lassen. Und das tut er derzeit auf überzeugende Art und Weise. In den acht Playoffspielen, die der HCD bisher bestritten hat, ging Genoni achtmal zusammen mit seinem Team als Sieger vom Eis und kassierte dabei lediglich zehn Gegentore, oder 1,25 pro Spiel. Ein super Wert.

Genauso unglaublich wie die Fangquote, welche sagenhafte 95,9 Prozent beträgt. 236 von 246 Schüssen auf sein Tor wehrte der 23-Jährige ab. Dies, nachdem er bereits in der Qualifikation rekordverdächtige Statistiken ablieferte (1,92 Gegentore pro Spiel, 93,5 Prozent Fangquote, 7 Shutouts in 50 Spielen).

Kein Wunder sagt selbst der mit öffentlichem Lob für seine Spieler sonst eher zurückhaltende Del Curto: «Genoni ist so gut wie noch nie.»

Nach dem für die erfolgsverwöhnten Davoser enttäuschenden Ausscheiden im Viertelfinal gegen die Kloten Flyers in den letzten Playoffs begann für Leonardo Genoni eine Art Zeitreise. Zusammen mit Del Curto und Kull wurden der Status quo und das entsprechende Steigerungspotenzial analysiert. «Wir haben zusammen die NHL-Playoffs angeschaut und das Verhalten der Goalies studiert», erinnert sich Del Curto.

Der extrem lernbegierige und ebenso aufnahmefähige Student feilte konsequent an seinen Fähigkeiten. Jetzt, zwölf Monate später, ist selbst der Davoser Trainer erstaunt, welch «grossen Zacken» Genoni zugelegt hat. Das müssen inzwischen auch die gegnerischen Coaches anerkennen.

Zugs Trainer Doug Shedden zeigte sich nach der klar verlorenen Halbfinalserie seiner Mannschaft gegen den HCD beeindruckt: «Ich habe bisher nicht so viel von Genoni gehalten. Doch nach dem, was er gegen uns gezeigt hat, muss ich meine Meinung ändern.»

Mentale Stärke als Lösung

Oft hat man den Eindruck, dass die gegnerischen Spieler Genoni einfach anschiessen würden, dass eher deren Abschlussschwäche für die sagenhafte Fangquote des HCD-Goalies verantwortlich sei.

Dabei ist das stark verbesserte Stellungsspiel des Kilchbergers, der in der Nachwuchs-Organisation der ZSC Lions gross geworden ist, der Grund für die fehlende Treffsicherheit der Gegner. Kassiert er doch mal ein «faules» Tor, dann hilft Genoni seine extreme mentale Stärke: «Ich kenne kaum einen Goalie, der solche Gegentreffer besser wegsteckt als er», schwärmt Del Curto.

Genoni und NHL? «Ich habe keine Zweifel»

Angesichts der Entwicklung, die Leonardo Genoni in seinen inzwischen vier Saisons in Davos gemacht hat, sind Parallelen zu seinem Vorgänger Jonas Hiller nicht mehr von der Hand zu weisen. Hiller verliess den HCD am Ende der Saison 2006/2007 in Richtung Nordamerika und hat sich bei den Anaheim Ducks in der NHL inzwischen als Stammgoalie mit millionenschwerem Vertrag etabliert.

Noch im Vorjahr war für Arno Del Curto eine NHL-Karriere Genonis kaum denkbar. «Ich hatte Bedenken wegen seiner Körpergrösse. Im Vergleich zu Jonas ist Leo doch einige Zentimeter kleiner.» Doch diese Vorbehalte hat der 1,80 Meter grosse HCD-Goalie mit seinen konstant starken Leistungen ausgeräumt. «Ich habe inzwischen keine Zweifel mehr, dass er in der NHL bestehen kann», sagt Del Curto.

Auch Marcel Kull, der schon Hiller vom NLA-Neuling zum Weltklasse-Goalie formte, sieht eine NHL-Karriere seines Schützlings absolut im Bereich des Möglichen. Unter anderem auch deshalb, weil Genoni dank seines exzellenten Stellungsspiels und seiner Haltung die fehlende Körpergrösse optimal zu kompensieren vermag.

Vorderhand gilt jedoch die vollste Konzentration aller Beteiligten den laufenden Playoffs. Die Davoser brauchen vier weitere Siege für den Meistertitel. Momentan ist nur schwer vorstellbar, dass sie sich von der Erfolgsspur abbringen lassen. Vor allem dann, wenn weiterhin kaum ein Weg an Leonardo Genoni vorbeiführt.

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