National League

Genoni noch nicht in Form – na und? Titelfavorit EV Zug ist auf dem richtigen Weg

Goalie Leonardo Genoni ist statistisch gesehen aktuell nur die Nummer 10 der Liga. Doch das spielt weder für ihn noch für den EV Zug eine Rolle.

Nur mühselige Siege gegen Ambri und die ZSC Lions – und doch ist der EV Zug wie ein Titelfavorit in die Saison gestartet.

Kann die Konkurrenz aufatmen? Ist der Titelfavorit Zug doch nicht so stark wie befürchtet? Auf den ersten Blick scheint es so. Torhütertitan Leonardo Genoni ist nach zwei Runden mit einer Fangquote von 88,52 Prozent statistisch bloss die Nummer 10 der Liga und hat in zwei Partien bereits sieben Gegentreffer kassiert. Drei davon beim knappen 4:3-Sieg gegen den Tabellenletzten Ambri. Und nur mit Mühe und Not ist es den Zugern am Samstag gelungen, gegen die ZSC Lions, vergangene Saison nicht in den Playoffs, eine schmähliche Heimpleite abzuwenden (5:4 n. V.). Wahrlich, die Zuger sind nicht wie ein Titelfavorit gestartet.

Aber auf den zweiten Blick erkennen wir ein starkes Zug, das drauf und dran ist, die Schwächen zu überwinden, die seit 1998 zum «ewigen» Scheitern im Titelkampf geführt haben.

Das war in Bern auch nicht anders

Torhüter Leonardo Genoni ist tatsächlich noch nicht in Hochform. Die Statistik lügt nicht, und wer sagt, er sei noch nicht ganz in Zug angekommen, sucht keine billige Polemik. Er strahlt noch nicht die Sicherheit aus wie in Davos und Bern. Er sagt, er brauche Zeit, um sich an seine neuen Vorderleute zu gewöhnen, und umgekehrt. «Das war am Anfang in Bern auch nicht anders.»

Diese Aussage ist keine wohlfeile Ausrede. Damals, im Herbst 2016, musste er beim ersten Auswärtsspiel mit dem SCB gleich eine schmähliche 0:4-Pleite mit einer Fangquote von 86,21 Prozent gegen Kloten hinnehmen. Im Frühjahr hexte er den SCB zum Titel.

Es ist durchaus logisch, dass er Zeit braucht. Genoni ist der smarteste Torhüter der Liga. Die Kombination aus Spielintelligenz, der Fähigkeit, das Spiel zu lesen und die Abwehr zu dirigieren, und Reflexen macht ihn zu einem grossen Goalie. Bis alles in seinem Sinne geordnet und geregelt ist, braucht es seine Zeit. Gut Ding will Weile haben.

Ein Jürgen Klopp des Eishockeys

Und noch etwas spricht für die Zuger. Nicht oft trägt aktives Coaching so reiche Früchte wie beim Heimsieg gegen die ZSC Lions. Dan Tangnes wird mehr und mehr ein Jürgen Klopp des Eishockeys. Der Norweger gibt seiner Mannschaft den entscheidenden Impuls. Das 3:4 und das 4:4 erzielen die Zuger mit sechs Feldspielern und ohne Torhüter.

«Manchmal funktioniert’s, manchmal nicht», wird Tangnes hinterher sagen. Wenn man die Energie auf der Bank spüre, könne man das Wagnis eingehen. «Ich wollte auch ein Zeichen setzen: Hey, wir haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen.» Diese dramatische Wende war die grosse Stunde des Strategen an der Bande.

Die Disziplin stimmt

Dieser Dramasieg ist ein kleiner Schritt auf dem langen Weg von einer guten zu einer grossen, meisterlichen Mannschaft. Die Disziplin stimmte beim EVZ vom missglückten Anfang bis zum dramatischen Happy End: keine Strafe, keine Frustrationsfouls, als es nicht lief, keine negative Körpersprache. Und bereits in Ambri waren es nur vier Strafminuten gewesen. Die Zuger sind das am wenigsten bestrafte Team des ersten Saisonwochenendes. Grosse Teams wahren in allen Gefühlslagen Disziplin. Disziplin als eine gute Gewohnheit. Siegermentalität ist die Summe guter Gewohnheiten.

Die Wende gegen die ZSC Lions war für die Zuger auch deshalb möglich, weil sie das bessere ausländische Personal haben. Die ausländischen Stürmer machten mit vier von fünf Toren die Differenz und dominierten die dramatischen letzten Minuten: Jan Kovar machte aus dem 2:4 ein 4:4, und Oscar Lindberg traf in der Verlängerung mit einem Kunstschuss zum 5:4. So muss es sein. Wer Meister werden will, braucht vier gute Ausländer. Wenn Geld keine Rolle spielt wie in Zug, dann gibt es für den Sportchef keine Ausreden bei den Ausländern.

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