Eishockey
Furrer erfüllt sich seinen Traum: Lugano steht im Playoff-Final

Der HC Lugano steht erstmals seit zehn Jahren wieder im Playoff-Final. Im sechsten Spiel der Halbfinal-Serie gegen Servette Genf entscheidet der Penalty vom zuvor gefoulten Philippe Furrer in der Overtime zugunsten der Tessiner.

Marcel Kuchta
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Der HC Lugano bezwingt Servette Genf in der Overtime und steht im Playoff-Finale.

Der HC Lugano bezwingt Servette Genf in der Overtime und steht im Playoff-Finale.

KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

14 Jahre spielte Philippe Furrer immer für ein und denselben Klub: den SC Bern. Im vergangenen Sommer brach der Nationalverteidiger erstmals in seiner Karriere zu neuen Ufern auf und wechselte ins Tessin zum HC Lugano.

In einem Interview sagte er vor dem Beginn der laufenden Saison, dass er davon träume, mit seinem neuen Klub im Playoff-Final auf seinen Stammverein SCB zu treffen. Sechs Monate später hat er sich seinen Traum erfüllt – und zwar höchstpersönlich.
Ausgerechnet Philippe Furrer war es, der im sechsten Halbfinalduell zwischen dem HC Lugano und Servette Genf in der Verlängerung für die Entscheidung sorgte – und das erst noch per verwandeltem Penalty. Furrer war bei einem Konter von Servettes Topskorer Kevin Romy im letzten Moment irregulär am Abschluss gehindert worden.

Der 31-jährige prallte mit voller Wucht ins Servette-Tor und musste das Eis mit schmerzverzerrtem Gesicht verlassen. Würde er den fälligen Penalty wirklich selber schiessen können? Furrer konnte. Er lief an, täuschte Servette-Goalie Robert Mayer gekonnt und versorgte den Puck eiskalt im Lattenkreuz.

«Als ob er den ganzen Tag lang nichts anderes tun würde», wie Furrers Teamkollege Damien Brunner staunend feststellte. «Nachdem die Schmerzen etwas abklangen, musste ich diesen Penalty schiessen. Ich wollte mich der Verantwortung stellen», erklärte der ungewöhnliche Schütze später.

Erinnerungen an 2006

Philippe Furrer stürzte die wie immer äusserst stimmungsvolle Resega in einen kollektiven Freudentaumel sondergleichen. Die «Bianconeri» stehen erstmals seit genau zehn Jahren wieder in einem Playoff-Final. Zuletzt holten sie 2006 in der Endspielserie gegen den HC Davos ihren bis dato letzten Meistertitel.

Bis in diesen Frühling hatten sie keine einzige Playoff-Serie mehr zu ihren Gunsten entscheiden können. Und jetzt kämpft der HC Lugano ab kommenden Samstag gegen den SC Bern sogar um den Titelgewinn.
Auch für Luganos Trainer Doug Shedden ist dieser Einzug in den Playoff-Final etwas ganz Besonderes. Als Headcoach des EV Zug war er fünfmal im Halbfinal gestanden – und jedes Mal gescheitert. Für den Kanadier, der den aktuellen Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer im vergangenen November als Headcoach bei den Tessinern abgelöst hatte, ist die Genugtuung besonders gross.

Zumal er mit Servette-Zampano Chris McSorley denjenigen gegnerischen Trainer aus dem Playoff-Rennen geworfen hat, der den Luganesi mit seiner Mannschaft in den letzten beiden Saisons stets vor der Sonne gestanden hatte.

Quali-Sechster gegen Quali-Achter

Bemerkenswert an der Final-Affiche zwischen dem Sechsten (!) der Qualifikation Lugano und dem Achten (!) der Qualifikation Bern ist, dass beide Mannschaften im vergangenen Herbst ihre Trainer entlassen haben und nun mit den beiden «Notnägeln» um den Meistertitel kämpfen.

Während der Kanadier Shedden seinen Vertrag in Lugano längst um zwei Jahre verlängern durfte, muss Berns Trainer Lars Leuenberger Ende Saison gehen – egal, ob er nun Meister wird, oder nicht.
Insgesamt stehen sich die beiden Traditionsteams zum fünften Mal in einer Finalserie gegenüber. Aus den bisherigen vier Duellen ging der SC Bern dreimal als Sieger hervor. Zuletzt siegten die Berner 2004 dank Marc Webers Treffer in der Verlängerung des fünften und entscheidenden Finalspiels in der Resega. Ein Mann, der sich gerne an damals zurückerinnert, obwohl er verletzt zuschauen musste, heisst? Richtig: Philippe Furrer.