Eishockey

Für einen Finnen lacht Lindgren zu viel

So gut wie noch nie: Perttu Lindgren führt die NLA-Skorerliste an.

So gut wie noch nie: Perttu Lindgren führt die NLA-Skorerliste an.

Perttu Lindgren ist in der Form seines Lebens und führt in dieser Saison die NLA-Topskorerliste an. Beim HC Davos fühlt sich der lachende Finne zu Hause. So sehr, dass es sogar das typisch finnische «Mürrischsein» abgelegt hat.

Perttu Lindgren, welches war Ihr schönstes Weihnachtsgeschenk?
Perttu Lindgren: Das beste Geschenk war vermutlich, dass wir zwei Tage frei hatten (lacht). In den letzten Jahren mussten wir am 25. Dezember bereits wieder trainieren. Ich habe die Zeit mit meiner Familie sehr genossen.

Wie erholen Sie sich während solchen Tagen?
Ich versuchte, ein wenig zu relaxen. Ich ging nach draussen, um mit den Kindern zu spielen. Das Wetter ist ja derzeit wunderbar.

Sie haben drei Kinder. Kann man sich da wirklich erholen?
(lacht) Es ist nicht eine Erholung im herkömmlichen Sinne. Ich kann nicht auf der Couch sitzen und ein wenig fernsehen. Mir reicht als Erholung schon, wenn ich keine Pflichten habe und nichts Spezielles machen muss.

Sind Sie eigentlich ein typischer Finne?
Das müssen Sie jemanden anderen fragen! (lacht)

Wie ist denn Ihrer Meinung nach ein typischer Finne?
Eher etwas mürrisch (lacht). Er lacht nicht allzu oft.

In dem Fall sind Sie aber kein typischer Finne.
Ich kann schon auch mürrisch sein (lacht). Aber ich denke, dass ich mich über die letzten Jahre etwas verändert habe. Besonders in Davos mit der vielen Sonne. Das Licht hilft enorm. In Finnland ist es während des Winters so lange dunkel. Wenn man morgens zur Arbeit geht, ist es dunkel. Und wenn man abends nach Hause kommt, ist es immer noch so.

Schlägt das fehlende Tageslicht wirklich aufs Gemüt?
Ja, das kann schon sein. Ich habe aber im Ausland gelernt, offener zu sein. Wir Finnen sind generell eher ruhig. Erst nach ein paar Bier wachen wir auf (lacht).

Sie sind jetzt schon in Ihrer dritten Saison beim HCD und haben auch noch einen Vertrag für die kommende. Was gefällt Ihnen an Davos so gut?
Ich mag den Dorfcharakter und vor allem die Berge. Das Wetter ist ein grosser Faktor. Das Sonnenlicht ist wunderbar. Man kann Skifahren, Schlitteln, Langlaufen.

Es ist in Davos recht ungewöhnlich, dass sich ein ausländischer Spieler so lange bindet.
Zuerst hatte ich ja nur einen Einjahresvertrag und unterschrieb dann für drei weitere Jahre. Ich habe mich hier in Davos eigentlich von Anfang heimisch gefühlt. Und wenn Dir von Arno Del Curto ein Dreijahresvertrag angeboten wird, dann kannst Du davon ausgehen, dass er Dich ein wenig mag (schmunzelt). Wichtig war für mich natürlich auch, dass sich meine Familie, meine Kinder hier wohlfühlen. Deshalb war es für mich eine einfache Entscheidung.

Brauchten Sie lange, bis Sie sich an Arno Del Curto gewöhnt haben?
Die grosse Schwierigkeit war mehr das Spielsystem. Das zu lernen, ist für einen Center wirklich anspruchsvoll. Da hatte ich zu Beginn grosse Mühe. Aber wenn man es mal begriffen hat, macht es unheimlich Spass. Ich liebe diese Art von Eishockey.

Man sieht es Ihren Leistungen an. Sie spielen in dieser Saison so stark wie noch nie, führen inzwischen sogar die NLA-Skorerliste an. Woher kommt diese offensive Explosion, die für einen HCD-Center eher ungewöhnlich ist?
Ich denke, dass vor allem das Zusammenspiel mit Marc Wieser dafür verantwortlich ist. Auch mit Axelsson und Paulsson hat es gut gepasst. Zufall ist es sicher nicht, weil wir sehr hart für unsere Tore arbeiten. Und in dieser Saison geht es auf.

Sind Sie nicht überrascht über das Ausmass ihres Outputs?
Ja, das schon. Ich habe erst vor ein paar Jahren in Finnland etwas Vergleichbares erlebt. Dazu hatte ich unmittelbar nach der Finalserie gegen die ZSC Lions im letzten April eine Hüftoperation und verpasste dadurch im Sommer die gesamte Vorbereitung. Das war in mentaler Hinsicht nicht immer einfach.

Was kann man als Eishockey-Profi tun, damit die Formkurve nicht wieder nach unten zeigt?
Man sollte generell nicht zu weit nach vorne schauen. Ich denke, dass ich und meine Teamkollegen über genügend Selbstvertrauen verfügen, damit wir unseren Level halten können.

Der HCD wurde im vergangenen Monat immer wieder von Verletzungen heimgesucht. Sie wurden verschont, mussten dafür umso mehr Eiszeit «fressen». Sind Sie nach diesem Riesenpensum nicht langsam müde?
Es geht. Wir hatten immer mal wieder freie Tage, die ich zur Erholung nutzen konnte.

Und in mentaler Hinsicht?
Ich kann ausserhalb der Eishalle sehr gut abschalten und denke dann kaum ans Eishockey. Ich versuche, mich wirklich nur auf die Trainings und die Spiele zu konzentrieren. Wenn ich das nicht könnte, würde ich wohl in der Klapsmühle landen (lacht).

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