NLA

Für die ZSC Lions ist jetzt «Knüppel aus dem Sack» gefragt

ZSC liegt 0:2 in Rückstand gegen Bern.

ZSC liegt 0:2 in Rückstand gegen Bern.

Die ZSC Lions sind noch nicht im Playoff-Modus. Spieler wie Chris Baltisberger müssen nun vorangehen, und die Härte des SC Bern mit eigener Härte neutralisieren.

Schon von weitem hört man die hohe, heisere Stimme schreien. ZSC-Lions-Headcoach Marc Crawford jagt seine Spieler über die Eisfläche des «Stadiönlis» in Oerlikon.

«Move, move, move» brüllt der Kanadier immer wieder, während die ZSC-Cracks versuchen, mit der gebotenen Intensität die Übungen zu absolvieren.

Die Stossrichtung ist klar: Angesichts des 0:2-Rückstands in der Viertelfinalserie gegen den SC Bern ist man beim Qualifikationssieger bemüht, endlich auf Playoff-Betriebstemperatur zu kommen.

«Move, move, move»

Marc Crawford, Trainer ZSC-Lions

«Move, move, move»

In den ersten beiden Partien (3:4 nach Penaltys und 1:2) waren die Zürcher spielerisch zwar die bessere Mannschaft, mussten sich letztlich jedoch der Kampfkraft der Berner beugen.

Spätestens jetzt ist man sich bei den Lions bewusst, dass sich der Erfolg nicht mehr nur mit Eleganz und sturem Festhalten am in der Qualifikation erfolgsträchtigen System erzwingen lässt.

«Wissen, was es geschlagen hat»

«Wir wissen, was es geschlagen hat. Alle müssen das kämpferische Element reinbringen und in dieser Beziehung auf dasselbe Niveau kommen wie die Berner», sagt Chris Baltisberger.

Der Stürmer gehört zusammen mit Fabrice Herzog und Reto Schäppi zur «Rumpelfraktion» der Zürcher. Also zu den Spielern, die auch mal den «Knüppel aus dem Sack» nehmen.

Baltisberger ist sich bewusst, dass es an Spielern wie ihm liegt, die Emotionen ins Spiel zu bringen, die bisher so gefehlt haben.

«Wir wissen, wie man das Publikum wecken kann. Gradliniges Spiel, viele Schüsse. Am besten ist es, wenn man einen Gegenspieler in der ersten Minute an die Bande knallen kann. Jeder in unserer Mannschaft hat eine Rolle. Ich bin der, der das physische Element reinbringen muss.»

Für Baltisberger ist vor allem der Start wichtig. Der war zwar schon in der ersten Begegnung am vergangenen Donnerstag optimal. Ryan Shannon traf bereits nach 37 Sekunden zum 1:0.

Enttäuschte Zürcher nach der zweiten Niederlage im PO-Viertelfinal gegen den SC Bern.

Enttäuschte Zürcher nach der zweiten Niederlage im PO-Viertelfinal gegen den SC Bern.

Doch danach gelang es den Lions nicht, den Schwung konsequent mitzunehmen. «Wir spielen zu Hause. Das ist ein Vorteil. Und dann müssen wir diesen Level halten. Das ist uns in den ersten beiden Spielen nicht gelungen.»

Auch ZSC-Verteidiger Patrick Geering hat den Ernst der Lage erkannt – und das Steigerungspotenzial am richtigen Ort ausgemacht: «Wir müssen die Challenge annehmen und die Intensität der Berner erreichen», unterstreicht er und fügt an: «Auch wenn es wie eine Floskel tönt: Wir müssen dorthin gehen, wo es wehtut. Wenn man, wie wir, 0:2 hinten liegt, spricht das für sich. Das allein muss für jeden Spieler Motivation genug sein, sich voll reinzuhängen.»

Es ist absehbar, dass Marc Crawford seiner Mannschaft mit einer Rochade auf der Ausländerposition neues Leben einzuhauchen versucht.

Ryan Keller, der in den ersten beiden Partien überzähliger Ausländer war, dürfte an der Seite von Roman Wick und von Ryan Shannon zum Einsatz kommen.

Schlägerei vor ZSC-Torhüter Lukas Flüeler.

Schlägerei vor ZSC-Torhüter Lukas Flüeler.

Der Kanadier ist bekannt dafür, in den Playoffs die wichtigen Tore zu erzielen. Für Keller muss vermutlich der schwedische Verteidiger David Rundblad weichen.

Es ist kaum anzunehmen, dass Crawford seinen Landsmann Marc-André Bergeron opfert, obwohl der in der Defensive ein wesentlich grösserer Unsicherheitsfaktor ist als der Schwede.

SCB: Blums Rückkehr

Interessantes tut sich derweilen an der Personalfront in Bern. Dort trainierte Nationalverteidiger Eric Blum nach seiner mehrwöchigen Verletzungspause erstmals wieder regulär mit der Mannschaft mit und dürfte damit heute Abend sein Comeback geben.

Auch Captain Martin Plüss sollte nach überstandener Krankheit im Line-up stehen. Für den SCB ist vor allem Blums Rückkehr von entscheidender Bedeutung.

Er ist der Verteidiger im Berner Ensemble mit dem grössten spielerischen Einfluss. Die Lions sind also gewarnt: Nur «Knüppel aus dem Sack» wird nicht reichen.

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