Danach? Sieben Duelle. Siebenmal gingen die Finnen als Sieger vom Eis. Der Blick auf die aktuelle WMBilanz ist nicht minder entmutigend. Finnland stellt den besten Skorer des Turniers (Sebastian Aho/17 Punkte), den besten Goalie (Harri Säteri/95,4 Prozent Fangquote), weist die beste Trefferquote auf (15,9 Prozent), das viertbeste Powerplay (29 Prozent) und das zweitbeste Boxplay (88 Prozent). Schwächen? Fehlanzeige. Trotzdem gibt es fünf Gründe, die für einen Schweizer Sensationssieg sprechen:

1 Die Schweizer haben nichts mehr zu verlieren

Das WM-Minimalziel haben die Schweizer mit der Viertelfinal-Qualifikation erreicht. Alles, was jetzt noch kommt, ist für sie ein Bonus. Die Mannschaft, die schon im Verlauf der vergangenen zehn Tage mit einer erfrischenden Lockerheit ans Werk ging, kann noch unbelasteter auftreten.

Einen Sieg erwartet gegen Finnland niemand mehr. Aber der Ehrgeiz der Mannschaft von Patrick Fischer ist riesig. Auf der anderen Seite wäre eine Niederlage für die Finnen eine grosse Blamage. Sie stehen unter Druck.

2 Die Schweizer NHL-Spieler sind heiss auf einen Exploit

Mit Timo Meier, Roman Josi und Kevin Fiala stiessen drei Spieler, die nach der zweiten Runde der NHL-Playoffs ausgeschieden sind, spät zu den Schweizern. Was zeigt, dass die Motivation bei den Nordamerika-Söldnern enorm gross ist. Sie wollen, so wie Nino Niederreiter, Sven Andrighetto oder Mirco Müller beweisen, dass die Schweiz eine ernstzunehmende Hockey-Nation geworden ist, die auch den Grossen in einem Playoff-Spiel ein Bein stellen kann. Die NHL-Spieler wollen und können den Weg zum Sieg weisen.

3 Der richtige Mix aus offensivem Mut und defensiver Vorsicht

Die Schweizer haben die Zuschauer in der Vorrunde mit ihrer offensiven, energiegeladenen Spielweise erfreut. Früher gewann man Spiele vor allem dank einer defensiven Grundordnung, an der sich die Gegner die Zähne ausbissen. Mittlerweile ist die Schweiz in der Lage, Partien dank ihrer Feuerkraft im Sturm zu ihren Gunsten zu entscheiden. Gegen Finnland muss man nun aber wieder etwas zurück zu den Wurzeln.

Eine fehlerfreie Leistung in der Defensive bildet die Basis für einen Coup gegen die gefährlichen Finnen. Wichtig ist ebenso, dass man sie mit physischem, giftigem Spiel aus der Reserve lockt, ohne dabei Strafen zu kassieren. Genau das schafften übrigens Dänemark und Deutschland bei ihren VorrundenSiegen gegen Finnland.

4 Der Schweizer Goalie muss einen grossen Tag einziehen

Es ist eine alte Eishockey-Weisheit, die besagt, dass man alle taktischen und spielerischen Kniffe und Tricks vergessen kann, wenn hinten im Tor der eigene Goalie nicht dichthält. Wer also auch immer heute Abend in Herning im Schweizer Gehäuse steht, Leonardo Genoni oder Reto Berra, muss in der Lage sein, für ihre Mannschaft den Sieg zu stehlen. Der Druck der Finnen wird enorm sein. Vor allem in der Startphase. Ein früher Gegentreffer wäre Gift für die Schweizer Ambitionen.

5 «Glaube an das Unmögliche, und das Unmögliche wird wahr»

Das stand im berühmten SMS, das Ex-Nationaltrainer Ralph Krueger seinen Spielern an der WM 2000 vor dem Spiel gegen den übermächtigen Gastgeber Russland geschickt hatte.

Die Schweizer gewannen sensationell 3:2. An einem Tag, an dem alles passte und die Hockeygötter dafür sorgten, dass den Russen wenig gelang. Göttlichen Beistand brauchen die Schweizer heuer nicht mehr. Sie sind besser. Aber sie brauchen eine grosse Portion Glück, damit das Unmögliche wahr wird.