Eishockey NLA Playoffs
Freispruch nach Schiri-Rempler: Keine weitere Spielsperre gegen ZSC-Verteidiger Blindenbacher

Die Liga-Justiz spricht nach der Matchsperre keine weitere Strafe gegen Severin Blindenbacher aus. Der ZSC-Verteidiger hatte in einer Szene den Schiedsrichter angerempelt. Die Szene gab viel zu reden.

Klaus Zaugg
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Keine weitere Spielsperre gegen Severin Blindenbacher von den ZSC Lions.

Keine weitere Spielsperre gegen Severin Blindenbacher von den ZSC Lions.

KEYSTONE

Die ZSC Lions dürfen in Lugano ihren Verteidigungsminister Severin Blindenbacher wieder einsetzen. Der Zusammenstoss mit Linienrichter Roger Bürgi im vierten Spiel der Viertelfinalserie zieht keine weiteren Sperren nach sich.

Der Freispruch hat sich bereits am Donnerstag abgezeichnet. Ein Schiedsrichter sagte mit Resignation in der Stimme: «Es wäre das Beste, wenn Blindenbacher freigesprochen würde. Dann ist das Theater endlich vorbei und wir sind aus der Schusslinie...» So ist das also: Die Schiedsrichter sind bereits so zermürbt, dass sie nicht mehr mit dem Schutz der Hockey-Justiz rechnen. Nur aus der Schusslinie. Kopf einziehen. Die Mächtigen machen lassen.

Severin Blindenbacher stösst Linienrichter Roger Bürgi um:

Dieser Freispruch ist kein Skandal. Es ist bloss ein Spiegelbild des Sittenzerfalls. Wenn die ZSC Lions in der ersten Runde eine Niederlage vor dem Ausscheiden stehen, dann kann es sich die Verbandsjustiz nicht leisten, den wichtigsten ZSC-Verteidiger aus dem Verkehr zu ziehen. Das populistische Argument von ZSC-Sportchef Edgar Salis, ein Spiel solle auf dem Eis und nicht neben dem Rink entschieden werden, kommt beim Volk gut an. Reglemente, Gesetze sind ausser Kraft zu setzen, wenn wir es wünschen. Der Wille der ZSC Lions geschehe.

Die guten Sitten missachtet

Die Verbandsjustiz konnte, durfte, wollte keine weiteren Sperren aussprechen. Es ist unerheblich, ob Victor Stancescu bei der Beurteilung dieses Falles den Ausstand genommen hat. Er konnte so oder so seinen Einfluss geltend machen.

Die rote Linie ist überschritten. Die Schiedsrichter sind Freiwild. Noch im Januar 2015 kassierte Fabrice Herzog für einen praktisch identischen Fall sieben Spielsperren. Nun gilt ein neuer Massstab. Die Schiedsrichter/Linienrichter sind berührbar geworden. Sorry, war ein Reflex. Sorry, war nicht so gemeint.

Das Problem ist nicht die Hockey-Justiz. Unser System funktioniert. Das Problem ist die Besetzung der entscheidenden Positionen. Einzelrichter Victor Stancescu ist nach wie vor zu nahe bei den Spielern.

Er hat seine Karriere in Kloten erst im Frühjahr 2015 beendet, war Initiator einer Operetten-Spielergewerkschaft und ist darüber hinaus mit Spielern geschäftlich verbandelt. Das ist alles nicht strafbar. Aber eine grobe Verletzung der guten Sitten. Würden wir über solche Zustände im italienischen Hockey berichten, so würden wir uns über solche «mafiösen» Zustände amüsieren. Wir würden auch sagen: Bei uns ist so etwas nicht möglich. Nun wissen wir: es ist möglich.