Eishockey
Ewig grüsst das slowakische Murmeltier

Wenn die Schweizer Eishockeynationalmannschaft gegen die Slowakei spielt, ist Langeweile oft schon vorprogrammiert. Trotzdem gab es dieses Duell in den letzten gut 20 Jahren gleich 58-mal und ist mittlerweile so etwas wie ein Klassiker geworden.

Klaus Zaugg
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Die Schweiz duelliert sich zum gefühlten 100sten Mal mit der Slowakei

Die Schweiz duelliert sich zum gefühlten 100sten Mal mit der Slowakei

Keystone

Und jetzt also nach Neusohl. Unsere Verbandsgeneräle könnten sich für die Tätigkeit eines slowakischen Honrarkonsuls bewerben. Sie kennen dieses Land aus unzähligen Reisen besser als jede andere Hockeynation. Wir spielten in den letzten Jahren schon in Poprad, Skalinca, Trnava, Trencin, Piestany, Bratislava oder Kosice. Seit die Slowakei unabhängig geworden ist (1993) haben wir 58mal gegen die Slowakei gespielt, exakt doppelt so viele Male wie gegen Tschechien. Gegen kein anderes Land pflegt die Schweiz einen so intensiven Länderspielverkehr.

Ja, die Spiele gegen die Slowakei sind im 21. Jahrhundert zum ungeliebten Klassiker geworden.Warum ausgerechnet die Slowakei? Weil es keine Alternative gibt. Schweden, Tschechien, Russland und Finnland tragen seit 1996 während der Saison unter sich die «Euro Hockey Tour» aus. Damit stehen die «Grossen Vier» für Länderspiele nicht zur Verfügung. Erst in der WM-Vorbereitung, wenn allerorten noch die Playoffs im Gange sind, dürfen wir Testspiele gegen B- und C-Teams aus Schweden, Russland, Finnland oder Tschechien machen.

Stärkster zur Verfügung stehender Gegner

Die «Euro Hockey Tour» ist für diese vier Landesverbände ein vorzügliches Geschäft geworden. Alle Versuche, auch die anderen europäischen Topnationen wie die Slowakei (Weltmeister und WM-Finalist) oder die Schweiz (WM-Finalist) zu beteiligen, sind gescheitert. Für die Schweiz ist damit die Slowakei mit Abstand der stärkste zur Verfügung stehende Gegner – und umgekehrt. Die sportlich klar schwächeren Deutschen wären ja auch recht attraktiv. Doch die machen im Dezember nicht einmal mehr eine Länderspielpause.

So kommt es, dass wir gegen kein anderes Land so häufig spielen wie gegen die Slowakei. Und das wird auch so bleiben. Peter Zahner war vor seiner Tätigkeit als ZSC-Manager jahrelang Verbandsdirektor und sagt, es sei nicht möglich, an dieser bestehenden Ordnung etwas zu ändern: «Wir haben es jahrelang vergeblich versucht.» Inzwischen ist da und dort vorgeschlagen worden, auf eine oder zwei der drei Länderspielpausen (im November, Dezember und Februar) und damit auf ein paar Länderspiele gegen die Slowakei zu verzichten.

Alle Jahre die gleichen Spiele

Peter Zahner sagt, das sei undenkbar. «Die Länderspielpausen sind vom internationalen Verband festgelegt und die Klubs sind dazu verpflichtet, die Spieler für diese Termine freizustellen.» Da in der NLA Nationalspieler aus den europäischen Topnationen beschäftigt werden, müssten einzelne Klubs bei Meisterschaftsspielen während der Länderspielpausen ausgerechnet auf einige ihrer Ausländer verzichten.

So wie in der Filmkomödie «Und täglich grüsst das Murmeltier» ein TV-Wettefrosch jedes Jahr aus der Kleinstadt Punxsutasney über den Tag des Murmeltiers zu berichten hat, so spielen die Schweizer jedes Jahr mehrmals gegen die Slowaken. Mal sind es einzelne Spiele, mal ein Turnier. Weil die Spielanlage der Schweizer und der Slowaken ähnlich ist und weil sich beide Teams inzwischen so gut kennen, sind daraus die berechenbarsten, langweiligsten Spiele in der Geschichte der internationalen Länderspielgeschichte geworden. Wenigstens bringt diesmal der Austragungsort des Slowakei Cups (mit Spielen gegen die Slowakei und Deutschland) etwas Abwechslung. In Banska Bystrica (Neusohl) waren wir noch nie.