Eishockey
Entscheidet ein Aargauer für Biel das Playoff-Rennen?

Er ist der vergessene Kandidat für die Auszeichnung «Neuling des Jahres» und vielleicht entscheidet er gar den Kampf um die Playoffs: Biels Stürmer Matthias Rossi (24).

Klaus Zaugg
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Der Aargauer Matthias Rossi (links) feiert mit seinen Mitspieler einen Bieler Treffer.

Der Aargauer Matthias Rossi (links) feiert mit seinen Mitspieler einen Bieler Treffer.

KEYSTONE

Gleich im ersten Angriff trifft er nur den Pfosten. Dann sorgt Matthias Rossi zuletzt mit den Treffern zum 2:2 und zum 3:3 dafür, dass Biel gegen Servette bis weit ins Schlussdrittel hinein auf einen Punktgewinn hoffen darf.

Wäre Basel nicht dem Konkurs verfallen, dann würde die NLA Matthias Rossi nicht kennen. Der Menziker hat seine Karriere im Wynental beim SC Reinach angefangen und kam mit 15 Jahren in die Nachwuchsabteilung des EV Zug, spielte noch als Junior zwischen 2008 und 2010 mit Erfolg bei Luzern in der 2. Liga (17 Spiele/17 Punkte). Er stürmte bei der U18-WM 2009, aber bei Zug konnte er sich nicht durchsetzen. «Ich kam aufs Matchblatt, aber Doug Shedden hat mir einfach keine Chance gegeben. Deshalb entschied ich mich für den Umweg über die NLB.»

Die Basler Konkurs-Dividende

Im Frühjahr 2013 wechselte der kräftige Powerstürmer (185 cm/103 kg) zu Basel und würde heute noch dort die Aussenbahnen rocken, wenn der Klub im letzten Sommer nicht aufgelöst worden wäre. So ist Matthias Rossi so etwas wie eine «Konkurs-Dividende» für den EHC Biel geworden. Er habe bereits am Tag, als Basel die Bilanz deponiert habe, einen Anruf von Biels Sportchef Martin Steinegger bekommen. «Es ging alles sehr schnell und Biel ist für mich zum Glücksfall geworden.» Auch die Lakers, die ihn im letzten Frühjahr schon mal im Abstiegskampf getestet hatten, wollten ihn haben – aber Steinegger hatten ihn davon überzeugt, dass es besser ist, nach Biel zu kommen.

Bei Zug war Matthias Rossi in 54 NLA-Partien gerade mal auf drei Assists gekommen. Bei Biel spielt er diese Saison erstmals regelmässig in der höchsten Liga und hat inzwischen in 45 Partien 9 Tore und 11 Assists produziert. Wie sehr er mit seinen konstanten Leistungen auch die Bieler überrascht, mag sich daran zeigen, dass sich der Chronist des «Journal du Jura» erst am letzten Samstag nach dem 3:6 gegen Servette um ein Interview mit dem Aargauer bemühte – und einen Übersetzer brauchte. Matthias Rossi ist der französischen Sprache noch nicht mächtig ––und der Abgesandte des «Schurnal» versteht kein Deutsch.

Matthias Rossi hat die Bieler schnell überzeugt und deshalb schon im November eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2017 bekommen – was intern nicht ganz unumstritten war.

Die Rolex auf dem Wühltisch

Nun zeigt sich: Er ist in der NLA eine der grossen, vielleicht sogar die grösste Stürmer-Entdeckung dieser Saison. Er hat sein Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft und verkörpert eine gute Kombination von Tempo, Kraft, Postur, Spielintelligenz und Abschlussqualitäten.

Er mahnt vom Stil her ein bisschen an eine schnelle Version des ehemaligen Bieler Meisterstürmers Urs Bärtschi. Die Zuger dürften längst bereut haben, dass sie dieses Talent übersehen haben – und Biels Sportchef hat seine Hausaufgaben gemacht, sich auch um die NLB gekümmert und dort diese Rolex auf dem Transferwühltisch gefunden.