Nach Einzelrichter Reto Steinmann hat nun auch Liga-Direktor Ueli Schwarz sein Amt niedergelegt. Wenn Trainer oder Manager gehen, rauscht es im Medienwald. Wenn hingegen Funktionäre abdanken, sagt das Publikum: Na und? Dabei haben Trainer- und Managerwechsel keinen oder nur geringen Einfluss auf den Gang der Hockeygeschichte. Wenn hingegen Männer in Schlüsselfunktionen des Verbandes gehen, sollten wir genauer hinsehen und hinhören. Denn dann wird Hockeygeschichte geschrieben. Und so ist es bei den Rücktritten von Reto Steinmann und Ueli Schwarz.

Der Ligadirektor und der Einzelrichter waren die letzten Aufrechten und Gerechten des Hockeys. Sozusagen die letzten Funktionäre der «Belle Époque», der guten alten Zeit, die nun mit ihrem Rücktritt untergegangen ist. Diese alte Welt war eine Welt des Eishockeys, des Sportes, der Sorge um die Ausbildung der Nachwuchsspieler, der Rücksicht auf sportlichen Notwendigkeiten. Kurzum: im Zentrum stand dieses unberechenbare Spiel auf glatter Unterlage.

Die Welt von heute ist eine andere: Sie dreht sich um Geld. Alles, was dem Zweck Geldbeschaffung dient, heiligt die Mittel. Aussendarstellung, Vermarktung, Postenschacher, Kungeln mit den Klubmanagern, Kuschen vor diesen Managern, Machtspiele, gezielte Beeinflussung der öffentlichen Wahrnehmung durch Manipulation der Medien – halt all das, was so zum 21. Jahrhundert gehört, hat Eingang in die Arbeit der «Verbandsmänätscher» gefunden. Es ist nicht mehr die Welt von Reto Steinmann und Ueli Schwarz. Es ist die Welt
von Verbandsdirektor Florian Kohler, dem Gatten der TV-Moderatorin Steffi Buchli.

Gesucht ist eine starke, im Denken unabhängige Person

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass der Rücktritt von Reto Steinmann untrennbar mit dem Abgang von Ueli Schwarz verbunden ist. Im ehrlichen Bemühen, ja alles richtig zu machen, hat sich Ueli Schwarz in die Verbandsgerichtsbarkeit und damit ins Revier von Steinmann eingemischt. Was wiederum den Zorn von SCB-General Marc Lüthi erregt hat. Er zeigte Ueli Schwarz verbandsintern an und nun läuft eine Untersuchung, die bestätigen wird, dass sich Ueli Schwarz tatsächlich eingemischt hat – weil er es gut gemeint hat. Aber gut gemeint ist in diesem Fall das Gegenteil von gut. Ueli Schwarz ist durch den Rücktritt seiner Entlassung zuvorgekommen.

Für unser Hockey ist es von grösster Bedeutung, dass der neue Liga-Direktor ein «Anti-Kohler» sein wird wie Ueli Schwarz. Also nicht ein weiterer Jünger des rassigen Kapitalisten und Liga-CEO Florian Kohler oder ein Abgesandter von ZSC-Manager Peter Zahner wie beispielsweise Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer einer ist. Der neue Ligadirektor muss ein Mann sein, der für die sportlichen Belange kämpft wie ein Löwe und dabei die Auseinandersetzung mit seinem Chef nicht scheut.

Um Florian Kohler die Stange zu halten, braucht es eine starke, im Denken unabhängige Persönlichkeit. Im Idealfall finden wir einen Liga-Direktor mit der Leidenschaft fürs Hockey wie sie Ueli Schwarz hatte – aber mit der streitbaren Persönlichkeit, wie sie SCB-General Marc Lüthi eigen ist. So einen Mann zu finden wird schwierig sein. Die sportliche Gestaltungskraft des neuen Liga-Direktors ist viel grösser als jene des Nationaltrainers. Deshalb ist die Besetzung der Position des Liga-Direktors wichtiger als die Wahl des Nationaltrainers.

Wichtig ist indes auch, dass es nicht bei der Neuwahl eines Liga-Direktors bleibt. Missstände im Inneren des Verbands-Fuchsbaus sind ebenfalls aufzuarbeiten. Die sofortige Absetzung des unseligen TV-Chefanklägers Stephane Auger ist vordringlich. Und auch die Nachfolgeregelung von Einzelrichter Steinmann ist ein heikles Geschäft. Der Abgang von Ueli Schwarz ist zu bedauern. Doch jede Wette, dass er bald eine zentrale Position bei der Organisation der WM 2010 oder eine Stabstelle in einer anderen Sportorganisation übernehmen wird.