Eishockey-WM
Eishockey-Spieler nach Niederlage: «Wir sind selber schuld»

Die Schweiz, der WM-Finalist von 2013, braucht nach dem 3:4 gegen Weissrussland ein Hockey-Wunder, um 2014 überhaupt noch die Viertelfinals zu erreichen. Jetzt muss zuerst einmal der Klassenerhalt sichergestellt werden.

Klaus Zaugg, Minsk
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Enttäuschte Mienen bei den Schweizer Spielern nach der 3:4-Niederlage gegen WM-Gastgeber Weissrussland.

Enttäuschte Mienen bei den Schweizer Spielern nach der 3:4-Niederlage gegen WM-Gastgeber Weissrussland.

Keystone

Die wochenlange Unruhe, ausgelöst durch das Theater rund um Sean Simpson und dessen Nachfolgeregelung und durch verschiedene WM-Absagen, hat sich nun auch auf dem Eis in einem fehlerhaften Spiel ausgewirkt. Die Schweizer haben gestern gegen Weissrussland mehr Fehler gemacht als während der ganzen Silber-WM von Stockholm.

Zu viele Fehler

Durch alle drei WM-Partien zieht sich, wie ein roter Faden, nicht nur fehlendes Glück. Sondern auch eine Serie von Fehlern, die auf diesem Niveau verhängnisvolle Folgen hat. Das frühe Gegentor gegen die Russen nach 13 Sekunden, das bereits die Lichter löschte (Schlussresultat: 0:5). Dann die zwei zu Unrecht annullierten Tore, die uns beim 2:3 gegen die USA wohl den Sieg kosteten. Und jetzt als Krönung dieses 3:4 gegen die Weissrussen.

Voller Einsatz: Suri schiesst im Fallen auf das Tor der Weissrussen.
8 Bilder
Hart umkämpft: Schweiz gegen Weissrussland.
Kampf um jeden Puck: Andres Ambühl (rechts).
ZSC-Meister Reto Schäppi schiesst in Unterzahl das 2:1 für die Schweiz.
Schweiz gegen Weissrussland.
Tor gegen Weissrussland. Aber am Schluss gabs nichts mehr zu jubeln.
Schweiz drängt auf das erneute Führungstor.
Schweiz-Trainer Simpson erlebt Auf und Ab im Spiel gegen Weissrussland.

Voller Einsatz: Suri schiesst im Fallen auf das Tor der Weissrussen.

Keystone

Wie ist das bloss möglich? Keiner sagt es so deutsch und deutlich wie Damien Brunner. «Wir sind selber schuld. Es gibt keine Ausreden. Hätten wir clever gespielt und uns ans System gehalten, wäre nach dem 3:2 nichts mehr passiert.» Captain Mathias Seger beschreibt die Gefühlslage so: «Ich habe schon viele bittere Niederlagen erlebt. Aber im Augenblick habe ich das Gefühl, dass dies die bitterste ist.»

Dabei war es ein dramatisches, emotionsgeladenes Spiel, das den Stoff für so viele Heldengeschichten hergegeben hätte. Etienne Froidevaux, der WM-Neuling, kommt im letzten Drittel für Benjamin Plüss zum Zuge und trifft gleich bei seinem zweiten Einsatz grandios zum 3:2 (44.). Und erst Reto Schäppi! Auch er ein WM-Neuling. Stürmt im ersten Drittel im Boxplay auf und davon und versenkt eiskalt zum 2:1 (18.). Sein erstes Länderspieltor. Noch eine Heldengeschichte. Aber auch sie wird nicht geschrieben.

Reto Schäppis und Etienne Froidevaux’ grosse Taten bleiben unbesungen und werden bald vergessen sein. Das Thema sind nach diesem 3:4 gegen Weissrussland die tragischen Helden. Matthias Seger, der bei drei Gegentreffern auf dem Eis steht und am 3:3 mitschuldig ist (50.). Reto Berra, dem die grossen Paraden, anders als vor einem Jahr, nicht gelingen, und dem beim Siegestreffer von Michail Grabowsky 126 Sekunden vor Schluss der Puck via Pfosten ins Tor rutscht. Er hat nur 82,61 Prozent der Schüsse gehalten.

Kevin Romy, der Andrej Stas aus der Ecke entkommen lässt. Yannick Weber, der den weissrussischen Stürmer auch nicht aufhalten und das 2:2 nicht verhindern kann (24.). So konnte Grabowsky zusammenfassend sagen: «Die Schweizer haben mehr Fehler gemacht als wir.»

Abstieg wird zum Thema

Sean Simpson räumt ein, «dass wir auch selber schuld sind». Und wahrt seinen trockenen Humor. Auf die Frage, was der Unterschied zur Silber-WM sei, sagt er: «In Stockholm haben wir alle Spiele gewonnen.» Und dann fragt ein Radio-Chronist aus der Runde, ob jetzt der Abstieg ein Thema sei. «Abstieg? Ja, das könnte sein», entgegnet Simpson.

So weit ist es also gekommen: Ein Jahr nach dem Silber-Wunder und ein Tag vor dem Spiel gegen die Deutschen (Mittwoch, 15.30) wird der Abstieg thematisiert. Der Gruppenletzte steigt ab. Wenigstens Aufsteiger Kasachstan sollten wir am Samstag also besiegen.