Werfen wir zuerst einen Blick auf die Statistik: Der EHC Kloten hat von seinen total 68 Saisonspielen deren 47 verloren. Die Rapperswil-Jona Lakers haben von 67 Partien deren 51 gewonnen. Die sportliche Gerechtigkeit hat mit dem Aufstieg
der Rapperswiler also gesiegt.

Wer während einer ganzen Saison eine derartige Konstanz an den Tag legt und am Ende auch noch vier Playoff-Runden gewinnt, der hat die Promotion in die höchste Spielklasse mehr als verdient. Ohne wenn und aber.

Womit wir beim eigentlichen Problem sind. Die Lakers mussten, um diesen Aufstieg am Ende zu schaffen, einen wahnsinnigen Effort leisten. Auf der anderen Seite hätte den Fliegern beinahe eine Handvoll ordentlicher Darbietungen während zweier Wochen ganz am Ende der Saison gereicht, um den Ligaerhalt zu schaffen.

Was zeigt, wie ungerecht dieser Modus ist. Wie schwierig es ist, den Aufstieg
zu schaffen. Und wie einfach es trotz allem eigentlich wäre, nicht abzusteigen. Das muss sich endlich wieder ändern.

Kloten steigt im eigenen Stadion ab

Kloten steigt im eigenen Stadion ab

Dieses Nadelöhr zwischen NLA (National League) und NLB (Swiss League) muss weg. So spannend und dramatisch diese Ligaqualifikation zwischen Kloten und Rapperswil auch gewesen sein mag: Es ist Zeit, dass man hierzulande wieder zur sportlichen Vernunft zurückfindet und den direkten Aufstieg und Abstieg wieder einführt. Es geht dabei vor allem um drei Aspekte.

Der Abstieg darf kein Horrorszenario mehr sein

1.) Die Angst der Klubs aus der National League vor dem Abstieg muss endlich kleiner werden. Die Relegation darf kein absolutes Horrorszenario mehr sein. Die Angst vor dem Abstieg entsteht aus dem Wissen, dass die Rückkehr ins Oberhaus zu einer Mammutaufgabe werden könnte.

Wer absteigt und die Perspektive hat, als B-Meister sofort wieder die Rückkehr ins Oberhaus zu schaffen, der kann anders planen. Und kann den sportlichen Rückschritt auch in seinem Umfeld besser verkaufen. Mit der Liga-Qualifikation steht (in der Regel) eine zu hohe Hürde im Weg.

2.) Die Attraktivität der Swiss League muss gesteigert werden. Es ist (und war) für die ambitionierten B-Klubs wie Rapperswil, Olten, Visp, Langenthal, Ajoie und La Chaux-de-Fonds schon schwierig genug, sich in einem durch die Farmteams unattraktiven Umfeld über Wasser zu halten. Wer schon einmal an einem Dienstagabend in Biasca ein Heimspiel der Ticino Rockets vor 50 Zuschauern erlebt hat, wird nicht glauben, dass es sich hier um die zweithöchste Spielklasse der Schweiz handelt.

Rein sportlich betrachtet ist das Konzept mit diesen Ausbildungs-Mannschaften hervorragend. Aber es macht die Liga finanziell wie prinzipiell kaputt. Zumal in Visp und Pruntrut (Ajoie) mit dem Bau neuer Eishallen auch die sportlichen Zielsetzungen grösser werden. Die Schere zwischen ambitionierten und ausbildenden Klubs wird mittelfristig noch weiter aufgehen. Die finanzielle Kluft zwischen den Ligen ist zu gross

3.) Der finanzielle Aspekt hängt direkt mit der Attraktivität zusammen. Aus dem lukrativen TV-Deal mit MySports (welcher für die Swiss League dank der vielen Live-Übertragungen schon so Gold wert ist) müsste ein grösserer Anteil an die B-Ligisten fliessen. Stand jetzt erhält jeder oberklassige Klub 1,48 Millionen Franken pro Saison, die unterklassigen nur je 145 000 Franken.

Enorme Budget-Unterschiede

Auch deshalb sind die Budget-Unterschiede zwischen den beiden Ligen enorm. Während ein ambitionierter B-Klub im Rahmen von sechs Millionen Franken wirtschaftet, verdoppelt sich diese Summe bei den «ärmsten» A-Klubs. Das macht den Sprung nach oben für jeden B-Ligisten zur riesigen, finanziellen Herausforderung.

So oder so: Der Abstieg ist für den EHC Kloten nicht das Ende aller Tage. Ein Traditionsklub funktioniert auch in der Swiss League gut, wenn man richtig an die Aufgabe herangeht. Eine viel billigere Mannschaft mit vielen Eigengewächsen, mit denen sich die Fans identifizieren können. Dazu wieder mehr Siege als Niederlagen. Das Rezept, die geplagten Zuschauer wieder in den Schluefweg zu locken, ist einfach. Erst recht, wenn das Nadelöhr nach oben weg ist.