Eishockey
Eisgenossen wollen heute dem Fluch der ersten Niederlage entgehen

Sean Simpson trifft erstmals zum WM-Auftakt auf einen Grossen. Damit steigt auch die Gefahr einer Niederlage. Die Statistik zeigt: In der Ära Simpson war nach der ersten Niederlage an der WM jeweils bald Lichterlöschen.

Klaus Zaugg, Stockholm
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Goalie Martin Gerber kommt im Startspiel gegen Schweden zu seinem ersten WM-Einsatz seit 2010.Keystone

Goalie Martin Gerber kommt im Startspiel gegen Schweden zu seinem ersten WM-Einsatz seit 2010.Keystone

Eine Niederlage im Startspiel gegen Schweden (20.15, live SRF 2) wäre im Normalfall noch kein Unglück. Wenn da nur nicht dieser Fluch der ersten Niederlage wäre. Wie ein roter Faden zieht sich nämlich durch alle drei bisherigen WM-Turniere mit Sean Simpson ein Fluch: Nach der ersten Niederlage war Lichterlöschen. Ja, nach der ersten Niederlage haben die Schweizer anschliessend nur noch ein einziges Spiel gewonnen – das bedeutungslose letzte Zwischenrundenspiel gegen die USA bei der WM 2011.

2010 hat Sean Simpson mit vier Siegen in Serie (Lettland, Italien, Kanada und Tschechien) begonnen. Nach dem 2:3 gegen Norwegen folgten nur noch Niederlagen und das «Aus» im Viertelfinal gegen Deutschland (0:1). 2011 war nach zwei Siegen (Frankreich, Weissrussland) bereits Lichterlöschen: Ein Sieg gelang nur noch im letzten, bereits bedeutungslosen Spiel gegen die USA. 2012 gingen nach zwei Siegen (Kasachstan, Weissrussland) die restlichen fünf Partien verloren.

Ein Blick zurück sagt also, dass eine Niederlage im Startspiel gegen Schweden ein sehr schlechtes Omen für die WM wäre. Auch wenn Statistiken letztlich nur Zahlen sind: Sie zeigen doch ein zentrales Problem der «Ära Simpson». Für den Nationaltrainer und seine ganze Entourage ist es nicht einfach, nach Niederlagen die Zuversicht zu behalten. Wenn wir so wollen, war die Nationalmannschaft bei den drei WM-Turnieren unter Sean Simpson volatil («veränderlich, beweglich»). Will heissen: Den Stimmungsschwankungen ausgeliefert. Mental nicht eben robust. Der Coach war nicht dazu in der Lage, die Eigendynamik umzukehren. Bei sieben Spielen in zwölf Tagen kann es verhängnisvoll sein, wenn es nicht gelingt, die Stimmung nach einer Niederlage hochzuhalten.

Die bisherigen WM-Startpartien unter Sean Simpson waren Freilose: 2010 ein 3:1 gegen Lettland, 2011 ein 2:1 n.V. gegen Frankreich und 2012 ein 5:1 gegen Kasachstan. Zum ersten Mal wartet nun mit Schweden zum WM-Auftakt ein grosser Gegner. Zuletzt haben wir 2008 gegen Schweden an einer WM gewonnen (4:2). Seither folgten drei Pleiten. 1:4 in Bern (2009), 0:5 in Mannheim (2010) und 0:2 in Kosice (2011).

Der Nationaltrainer setzt im Startspiel auf seinen Goalie-Saurier Martin Gerber (39): «Er kennt das schwedische Hockey und hier fühlt er sich wie zu Hause. Wir haben bereits viele Neulinge im Team und so ist seine Erfahrung noch wertvoller.» Es ist Gerbers erster WM-Einsatz seit dem 0:1 gegen Deutschland im WM-Viertelfinal von 2010.

Stockholm 2013 ist die neunte WM für den neuen Torhüter der Kloten Flyers. Reto Berra (26), neu bei den Calgary Flames, ist im Startspiel die Nummer 2 und Tobias Stephan (29) sitzt auf der Tribüne. Noch ist offen, welche zwei Feldspieler auf der Tribüne Platz nehmen müssen. Reto Suri trainierte neben Ryan Gardner und Andres Ambühl ist gesetzt. Eric Blum, Robin Grossmann, Thibaut Monnet, Dario Bürgler und Julian Walker gelten als Tribünen-Kandidaten – das mag die Ausgeglichenheit des Teams zeigen. Aber eben auch bei sieben Neulingen eine gewisse taktische Verletzlichkeit und das Fehlen einer klaren Rollenverteilung.

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