3:0 gegen die USA. Die Schweiz spielt heute zum ersten Mal seit dem olympischen Fussballendspiel von 1924 wieder um Gold in einer wichtigen Mannschaftssportart. Mit einem grossen Unterschied. Damals waren die Schweizer bei einem Turnier, das auch als inoffizielle WM galt, krasse Aussenseiter und verloren gegen Uruguay 0:3.

Warum sind die schweizer die Favoriten? Ganz einfach: Sie haben neunmal hintereinander gewonnen und bereits im WM-Startspiel die Schweden 3:2 besiegt. Auch wenn Schweden inzwischen mit den Sedin-Zwillingen nachgerüstet hat: Ein neutraler Beobachter kommt zum Schluss: Die Schweden sind Aussenseiter. Es ist die verrückte Situation entstanden, dass sie in einem WM-Final versuchen müssen, mit dem gleichen Beton-Hockey, mit dem wir einst die Titanen zu bodigen versuchten, die spielerisch besseren Schweizer zu stoppen.

Nach der vorzeitigen Sicherung der ersten WM-Medaille seit 1953 (Bronze) sind alle Hockey-Sünden seit der Verbandsgründung von 1908 vergeben. Alle Polemiken Psalmen und alle kritischen Worte Lobpreisungen. Ein paar Szenen sagen, warum die Schweizer so gut sind.

Simpson typischer Schweizer?

Sean Simpson analysiert vor den internationalen Medien den gewonnenen Halbfinal nahezu emotionslos. Er hat sich selbst und alles im Griff. Er hat den Schweizer Pass beantragt. Vielleicht ist er mit seiner bärbeissigen Nüchternheit und Sachlichkeit beinahe ein bis zur Karikatur überzeichneter typischer Schweizer.

In diesem Augenblick wird verständlich, wie es dieser Mann schafft, seine Spieler beim unfassbaren Steigerungslauf in den WM-Final davor zu bewahren, euphorisch zu werden und die Konzentration zu verlieren. Wahrlich, ein grosser Bandengeneral. Ralph Krueger war ein Hexen- und Grossmeister der Kommunikation und Selbstdarstellung. Sean Simpson ist es in der Wirkung nach innen.

Historisch gesehen ist dieser Hockey-WM-Final der grösste Erfolg seit dem Fussball-Olympiafinal von 1924. Und in den Dimensionen, in der Bedeutung sogar noch grösser.

Doch dieser märchenhafte Sieg ist nur für 24 Stunden das Ende unserer Sportgeschichte. Bereits heute Abend ist noch mehr möglich. Mit dem WM-Titel. Dann kann das bisher spektakulärste, dramatischste, aufwühlendste, spannendste, wunderbarste, unglaublichste, denkwürdigste, schönste Spiel aller Zeiten schon wieder übertroffen werden.