Selbst wenn unter optimalen Umständen sogar das Punktemaximum möglich gewesen wäre. Aber das ist Mäkeln auf hohem Niveau. Denn unter normalen Bedingungen reicht den Schweizern ein Sieg im abschliessenden Gruppenspiel gegen Frankreich am kommenden Dienstag für die Viertelfinal-Qualifikation. Dieser Prozess könnte mit – nicht zu erwartenden – Punktgewinnen am Wochenende in den Partien gegen die stärksten Gruppengegner Russland (am Samstag) und Schweden (am Sonntag) beschleunigt werden.

So oder so steht nach den ersten vier WM-Auftritten fest: Diese Mannschaft macht Freude. Und sie ist auf dem besten Weg, sich für die dürftigen Vorstellungen an den Olympischen Spielen im Februar zu rehabilitieren. Ja, man rätselt dieser Tage in Kopenhagen, wie ein Team, das in der dänischen Kapitale durch seinen Mut, seine Leidenschaft und
seine kreative Spielweise zu gefallen weiss, vor drei Monaten in Südkorea derart gehemmt auftreten konnte. Die Tschechen, in Pyeongchang einer der Gegner der Schweizer und beim 4:1-Sieg die deutlich bessere Mannschaft, sahen am WM-Turnier gegen die Equipe von Patrick Fischer phasenweise kein Land und durften glücklich sein, am Ende
als Sieger vom Eis zu gehen. Kein Vergleich mehr zum olympischen Duell.

Die Unbeschwertheit als Schlüssel zum Erfolg

Wie dieser Wandel der Schweizer möglich wurde? Nun: Ein Faktor ist sicher die Tatsache, dass die Erwartungshaltung nach der Olympia-Enttäuschung eher bescheiden war. Klar: Die Viertelfinal-Qualifikation ist jedes Jahr das WM- Minimalziel. Aber die Mannschaft genoss vor dem Turnier nur wenig Kredit, man rechnete damit, dass nach der Vorrunde Schluss sein könnte. Zumal der Nationalcoach Patrick Fischer, wie so oft nach olympischen Turnieren, auf einige bewährte Kräfte verzichten musste und so zu einem personellen Umbruch gezwungen wurde, welche bekanntlich nicht ohne Risiken sind.

Aber: Dieser frische Wind hat dem Team gutgetan. Weil es eben mit einer gewissen Unbeschwertheit ans Werk geht, welche in Pyeongchang noch völlig gefehlt und zu einer wenig leistungsförderlichen Verkrampfung geführt hatte. Was letztlich eben auch mit der damals zu grossen Erwartungshaltung zusammenhängt. Auch wenn der Traum von einer Olympia-Medaille angesichts der besonderen Umstände mit den fehlenden NHL-Spielern nicht völlig irreal war, so hemmte er die Mannschaft. Besonders nach dem missglückten Auftakt mit der 1:5-Niederlage gegen Kanada.

Zweiter, positiver Faktor an dieser WM ist mit Sicherheit der Einfluss der NHL-Spieler. Man hat es in den ersten vier WM-Spielen deutlich gemerkt, welchen Unterschied NHL-Cracks wie Nino Niederreiter (4 Spiele, 3 Tore, 2 Assists, +3-Bilanz), Sven Andrighetto (3 Spiele, 1 Tor, 2 Assists), Mirco Müller (4 Spiele,1 Tor, 3 Assist, +6-Bilanz) und Timo Meier (1 Spiel, 1 Tor, 2 Assists, +1-Bilanz) ausmachen können. Sie bewegen sich punkto Klasse einfach noch einmal auf einem anderen Level und können so ihre Nebenleute besser machen. Man darf gar nicht daran denken, wie gut diese Mannschaft wäre, wenn auch Nico Hischier die WM-Freigabe erhalten hätte.

Spektakulär, aber immer noch mit Hängern

Man soll bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Noch können die Schweizer die Viertelfinals verpassen. So spektakulär ihre Auftritte in Kopenhagen bisweilen waren, so macht sich auch die Unerfahrenheit dieser jungen Mannschaft – vor allem in der Defensive – immer wieder bemerkbar. Noch ist das Gerüst nicht so stabil, dass man ganze Partien ohne Hänger über die Runden bringt.

Auf der anderen Seite hat die Fischer-Equipe auch gezeigt, dass sie die Qualität besitzt, sich aus schwierigen Situationen zu befreien. Und das ist auch ein Verdienst des Nationalcoachs, der nach der missglückten Olympia-Expedition arg unter Druck geraten war. Für Patrick Fischer könnte dieses Turnier zum erhofften Befreiungsschlag werden.