Eishockey
Ein NHL-Tempel – aber wer bezahlt die Rechnungen?

Die Langnauer sind stolz auf ihr neues Hockeystadion. Die Langnauer haben in 33 Monaten eine neue Arena für 30 Millionen gebaut. Aber die alten Sorgen sind sie nicht losgeworden.

klaus zaugg, langnau
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Die Innenansicht der modernisierten Ilfis-Halle.hans wüthrich

Die Innenansicht der modernisierten Ilfis-Halle.hans wüthrich

Gemeindepräsident Bernhard Antener sagt es so: «Früher sagten wir mit einem Blick aufs Ilfisstadion: Es brennt noch Licht in der Scheune. Heute sagen wir: Es brennt Licht im Tempel und binden die Krawatte.»
Rund 15 Millionen haben Langnaus Stimmbürger mit DDR-Mehrheit (77 Prozent) bewilligt, die zweiten 15 Millionen kommen von privaten Investoren, allen voran von Präsident Peter Jakob. Der international erfolgreiche Drahtseilunternehmer hat auch das feine Drahtgeflecht fürs Affenhaus im Basler Zoo entwickelt. Nicht ohne Ironie weist er darauf hin, dass das Affenhaus 35 Millionen kostet.

Nur eine Sanierung

Eigentlich haben die Langnauer ja nicht ein neues Stadion gebaut. Das Ilfisstadion ist lediglich saniert worden. Und es steht noch am genau gleichen Ort an der Ilfis. Aber die optische Wirkung auf den Stadionbesucher ist schlichtweg überwältigend. Der Charme der hölzernen, 1975 gebauten «Scheune» ist geblieben.
Aber die Einrichtung ist so modern, dass ein Hauch von NHL durchs heimelige Emmental weht. Das neue Dach ist um vier Meter angehoben worden und dadurch wird der Innenraum auch optisch viel grösser und es entsteht der Eindruck eines neuen Stadions. Vom Dach hängt jetzt auch, wie überall, ein schöner Videowürfel. Das Fassungsvermögen bleibt praktisch gleich: 6500 Zuschauer (davon 2550 Sitzplätze) waren es in der alten, 6050 (davon 3000 Sitzplätze) sind es in der neuen Arena.

Doppelt so viel Strom

Aber auch im neuen Tempel bleiben die alten Sorgen: Bringt die neue Arena, deren Betrieb jetzt doppelt so viel Strom verbraucht und wohl alles gerechnet um eine Million Betriebskosten pro Saison verschlingen wird, tatsächlich den erhofften Mehrertrag? Mehrere Sponsoren sind jetzt Investoren geworden und fallen künftig als Sponsoren aus. Deshalb fehlen in der Jahresrechnung 2012/13 nach wie vor rund 700000 Franken Werbeeinnahmen. Ein siebenstelliger Betriebsverlust ist für die laufende Saison programmiert und der «Defizit-Götti» hat bereits klar gesagt, dass er das Loch in der Kasse im nächsten Frühjahr zum letzten Mal stopft. Die Langnauer haben jetzt zwar einen NHL-Tempel. Aber die bange Frage bleibt: Wer bezahlt am Ende die Rechnungen fürs Hockey-Business?

Eine historische Leistung

Der neue Hockeytempel an der Ilfis wird so oder so auch von späteren Generationen als eine historische Leistung der Langnauer bewertet werden. 80 Prozent der Arbeiten werden von heimischen Unternehmern ausgeführt, und wer über die Baustelle geht, spürt den Stolz jedes einzelnen «Büezers», ein Teil dieses Jahrhundertprojektes zu sein. So oder ähnlich wird es gewesen sein, als die Brasilianer für die WM 1950 das Maracana-Stadion gebaut haben. Und wie es auch kommen mag: Der Tempel steht und bleibt stehen – so wie im Leukerbad nach der Pleite alle Prachtbauten.

Am 17. Oktober (Mittwoch) wird das erste offizielle Meisterschaftsspiel in der neuen Arena ausgetragen: Um 19.45 Uhr spielen Langnaus Elite-Junioren gegen Elite-Meister GCK Lions. Diese Partie ist öffentlich und die Hauptprobe für die Ouvertüre am 20. Oktober (Samstag) gegen Servette. Und am 3. Juni 2013 ist schon der erste Nicht-Sport-Anlass gebucht: die Ehrung von Gemeindepräsident Bernhard Antener. Der SP-Grossrat wird 2013 als höchster Berner den Grossen Rat präsidieren.