Ab kommender Saison wird der HCD die Vermarktung des Spengler-Cups selber übernehmen. Wieso?

Gaudenz Domenig: Früher war man als gewöhnlicher Sportverein auf eine Agentur – wie bei uns IMG – angewiesen, die gesagt hat: «Wir holen für Euch das Geld herein.» Mittlerweile sind wir als Unternehmen aber derart gewachsen, dass das Marketing und Eventmanagement neben dem Eishockey zu unseren Kernkompetenzen gehören. Wir mussten uns die Frage stellen, ob wir die Organisation des Spengler-Cups noch outsourcen wollen, oder nicht. Wir kamen zum Schluss, dass wir es von den Kompetenzen her auch selber können müssten. Kommt dazu, dass die Marketingagentur eigentlich immer zwischen den Sponsoren und uns gestanden ist. Die Partner signalisierten uns, dass sie direkt mit uns zusammenarbeiten möchten.

Entscheidend war sicher auch der finanzielle Mehraufwand, mit der Sie sich die Meisterschaftspause während des Spengler-Cups bei den anderen NLA-Klubs erkaufen mussten.

Ja, wir sagten uns, dass wir diese finanzielle Mehrbelastung (800 000 Franken pro Saison über zehn Jahre; Anm. der Red.) irgendwie auffangen müssen. Man hat es an unseren zuletzt defizitären Jahresabschlüssen gemerkt, dass uns dieses Geld in der Kasse fehlt.

In welchem Umfang rechnen Sie mit Mehrertrag?

Wir gehen davon aus, dass wir in etwa den Betrag zusätzlich hereinholen können, der uns durch den Ligavertrag verloren gegangen ist.

Wo sind die Risiken dieses Alleingangs?

Bis jetzt hatten wir jährlich eine von der IMG garantierte Summe auf dem Konto. Diese Garantie fällt nun weg. Und es stellt sich natürlich die Frage: Schaffen wir es operativ, diesen Event selber zu stemmen?

Wie sieht es mit den Hauptsponsoren aus?

Sehr erfreulich. Wir konnten mit dem bisherigen Presenting-Partner UBS sowie mit drei der bisherigen fünf Gold-Partner bereits wieder mehrjährige Verträge abschliessen. Beim vierten stehen wir kurz vor der Einigung. Wir sind viel weiter, als wir uns das vor einem Jahr erhofft hätten. Wenn wir alle fünf Hauptsponsoren zusammen haben, dann steht das Gerüst. Dann bin ich überzeugt, dass uns auch noch der Rest gelingen wird.

Wie viel der bestehenden Strukturen werden Sie von der IMG übernehmen?

Wir haben von der IMG die Eventmanagerin bei uns angestellt. Damit ist der grundlegende Know-how-Transfer schon einmal sichergestellt. Ansonsten ist für uns klar, dass wir im ersten Jahr der Selbstverwaltung grundsätzlich so wenig wie möglich verändern werden. Eventuelle Neuerungen werden dann gestaffelt eingeführt.

Der HCD ist finanziell stark abhängig vom Spengler-Cup, um sich das Budget eines ambitionierten NLA-Klubs leisten zu können. Gibt es Optionen, diese Abhängigkeit in Zukunft etwas zu lindern?

Unsere zusätzliche Säule, die wir aufgebaut haben, sind die Gönner- und Sponsorenklubs. Der Kristallclub und der Klub 89 generieren allein durch Mitgliederbeiträge 1,8 Millionen Franken. Zusammen mit dem Spengler-Cup bringt uns das budgetmässig zumindest in die Nähe der Spitzenklubs, die über ein grösseres Einzugsgebiet als wir verfügen und das grössere Sponsorenpotenzial haben. In Zürich hat man eine Liste von 100 Unternehmen, die alle potenzielle Hauptsponsoren sein könnten. Wir haben die Graubündner Kantonalbank in Chur, wofür wir sehr dankbar sind. Aber wenn die Bank mit ihren Kunden an eines unserer Spiele kommen will, dann muss sie pro Weg eine Stunde Reisezeit einplanen.

Der HCD hat gerade in der Nordwestschweiz eine grosse Fanbasis, kann aufgrund seiner peripheren Lage dieses enorme Potenzial jedoch nur bedingt ausschöpfen.

Wir haben beispielsweise im Fricktal einen fantastischen Fanklub. Man kann aber nicht von allzu vielen Anhängern erwarten, dass sie sich jedes mal vier Stunden in einen Bus setzen, um ein HCD-Heimspiel zu besuchen. Da ist das Potenzial beschränkt. Wir haben einige Gönner und Sponsoren aus diesem Gebiet und sind im Bereich Merchandising recht stark. Aber die Distanz ist und bleibt ein Problem für uns.

Wäre es keine Option, «unattraktive» Heimspiele an Dienstagen – gerade gegen Teams aus der Westschweiz – auszulagern, zum Beispiel nach Olten?

Warum nicht? Solche Gedanken haben wir uns schon gemacht. Einzelspiele an einem anderen Ort zu veranstalten, ist ein Thema, das immer so ein bisschen unter der Oberfläche köchelt. Ernsthaft geplant haben wir es aber noch nicht.

Der HCD wird von vielen Klubs als Lieblingsgegner bezeichnet, da er attraktiv spielt und ein Zuschauermagnet ist. Auf der anderen Seite hat der politische Gegenwind – gerade in der Causa Spengler-Cup – aus dem Unterland zugenommen. Fühlen Sie sich manchmal ein wenig ausgenutzt?

Wir bringen in jedem Stadion am meisten Zuschauer mit – zum Teil mit grossem Abstand. Das haben wir den anderen Teams schon zu vermitteln versucht und gesagt: «Ihr habt auch dank dem HCD eine attraktivere Liga und solltet deshalb etwas dankbarer sein.» Wir haben einen Weg gefunden, uns als Bergklub zu finanzieren, was beispielsweise Arosa nicht gelungen ist. Generell fördern wir mit dem Spengler-Cup die Popularität des Eishockeys in der Schweiz. Das wird von den anderen Klubs zwar anerkannt, aber letztlich ist doch jedem das eigene Hemd am nächsten.

Könnte der Spengler-Cup existieren, wenn die Meisterschaft weiterlaufen würde?

Jein. Der Event könnte zuschauermässig grundsätzlich existieren. Das Team Canada hätte Schwierigkeiten bei der Rekrutierung seiner Spieler, aber die haben sie auch jetzt schon. Da versuchen wir, mit der AHL eine engere Zusammenarbeit zu finden. Das Problem wäre wohl die Fernsehpräsenz. Besonders die Produktion wäre angesichts von fünf parallel laufenden Meisterschaftsspielen nicht einfach. Das Schweizer Fernsehen ist deshalb der Option «Durchspielen» nicht freundlich gesinnt.

Wie geht es weiter mit Arno Del Curto?

Ich gehe davon aus, dass wir mit ihm eine Lösung finden. Ich hoffe, dass er bis 2021 bei uns bleibt, wenn der HCD sein hundertjähriges Jubiläum feiert (lacht). Informell haben wir schon miteinander gesprochen. Während des Spengler-Cups werden wir uns nun konkreter mit der Zukunft auseinandersetzen. Für ihn ist immer auch entscheidend, wie das Team aussieht. Auch da werden wir in den nächsten Tagen klarer sehen.

Ist der HCD schon fast zu stark abhängig von Arno Del Curto?

Der HCD hat 25 Titel ohne ihn und fünf mit ihm gewonnen. Es muss einen HCD ohne Arno geben und es wird ihn auch dereinst geben. Es ist auch meine Aufgabe als VR-Präsident, das Unternehmen so aufzustellen, dass es ohne ein Genie wie Del Curto existieren kann.

Haben Sie überhaupt einen Plan B?

Ich hoffe, dass wir noch ein paar Jahre mit ihm erleben dürfen. Wir haben auch nicht ernsthaft nach Alternativen gesucht.

Ist es eine Frage des Geldes?

Am Geld wird es nicht scheitern. So, wie ich Arno verstehe, möchte er einfach so viel verdienen wie die anderen gut entlöhnten NLA-Trainer. Und er gehört natürlich völlig zurecht zur Gruppe der Spitzenverdiener unter den Coaches.