Eishockey

Ein bisschen wie Arno Del Curto: Christian Wohlwend, das grosse Trainertalent

Der U20-Nationalcoach Christian Wohlwend.

Christian Wohlwend hat die Schweizer U20-Nationalmannschaft sensationell in den WM-Halbfinal gecoacht. Der Bündner gilt als grosses Trainertalent.

Sandro Schmid wusste gar nicht, wie ihm geschieht. Der Stürmer der Schweizer U20-Nationalmannschaft wurde auf der Spielerbank von seinem Trainer fürchterlich zusammengefaltet. Was war passiert? Christian Wohlwend war sauer auf seinen Schützling, weil dieser in der Schlussphase des Viertelfinals gegen Schweden (2:0) ein unnötiges Offside provoziert hatte und sich somit das Geschehen wieder vor das Tor der Schweizer verlagerte.

Die Highlights des Spiels Schweden - Schweiz.

Das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche

Wenn man Christian Wohlwend in diesem Moment beobachtete, dann fühlte man sich sofort an einen der grössten Schweizer Eishockey-Trainer erinnert: Arno Del Curto. Der Ende November nach über 22 Jahren von seinem Amt als HC-Davos-Trainer zurückgetretene Engadiner konnte, wenn es die Situation erforderte, auch zur emotionalen Furie mutieren.

Aber genauso, wie Del Curto seine Spieler nach einer verbalen Abreibung wieder in die Arme schliessen konnte, beherrscht auch Christian Wohlwend das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche perfekt. Hart sein, aber gleichzeitig auch viel Liebe geben. Das ist die grosse Kunst des Coachings. Vor allem bei der Zusammenarbeit mit jungen Spielern.

Der Akribiker

Wohlwend stammt – und das ist noch eine Parallele – wie Arno Del Curto aus dem Engadin. Doch die Gemeinsamkeiten hören bei Charakter, Leidenschaft und Herkunft auf. War die Davoser Trainerlegende kraft seiner Erfolge und seines Wesens mehrheitlich ein Alleinunterhalter, der in seinem eigenen Universum bestens funktionierte, so betont Christian Wohlwend bei jeder Gelegenheit, wie wichtig ihm der Teamgedanke ist. Wie sehr er seine Energie auf seine Kernkompetenz, die taktische Akribie, konzentrieren möchte.

Das grosse Erfolgsgeheimnis der aktuellen Schweizer U20-Auswahl ist, dass nicht nur die Spieler auf dem Eis perfekt funktionieren, sondern auch der Trainerstaff. Wohlwends Assistenten Tommy Albelin und Paul Di Pietro kümmern sich um Unterzahl- und Überzahlspiel. Goalietrainer Peter Mettler sorgt dafür, dass überragende Leistungen wie jene von Luca Hollenstein im Viertelfinal gegen die Schweden möglich sind. Und dazu kommt noch der Off-Ice-Coach, Ex-Bachelor Janosch Nietlispach, der die Spieler mental perfekt einzustellen vermag.

Schweizer Freude nach dem Sieg gegen Schweden.

Gerade punkto mentaler Vorbereitung zeigt sich die Lernfähigkeit und Flexibilität von Christian Wohlwend. Er vermag aus schlechten Erfahrungen die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Vor zwei Jahren zeigte die Mannschaft nach dem entscheidenden 5:4-Sieg gegen Dänemark im letzten Gruppenspiel gegen die bereits eliminierten Finnen eine fürchterliche Leistung, weil die Spieler im Kopf nicht mehr bereit waren. Die Folge? Man beschloss, einen Off-Ice-Coach zu engagieren.

Christian Wohlwend wird hierzulande immer noch ein wenig unterschätzt. Dabei ist sein Erfahrungsrucksack schon beträchtlich gefüllt. Aktuell steht der 41-Jährige bereits zum achten Mal (!) an einem Titelturnier hinter der Schweizer Bande. Er ist als Assistent ein integraler Bestandteil des Coachingteams der A-Nationalmannschaft unter Cheftrainer Patrick Fischer. Es überrascht nicht, dass er in der Szene als grosses Trainertalent gehandelt wird, das bald mal auch für ein Klubteam interessant werden könnte.

Momentan steht aber die aktuelle U20-WM im Fokus. In der Nacht auf Samstag (2 Uhr) kommt es zum Halbfinal-Duell gegen Finnland. Emotionale Feuerwerke inklusive.

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