Naltional-League-Playoffs

Drei Tore innert 144 Sekunden reichen: Luganos eiskalter Opportunismus

Volle Konzentration: Elien Paupe vor seinem Halbfinal-Einsatz.Keystone

Volle Konzentration: Elien Paupe vor seinem Halbfinal-Einsatz.Keystone

Der EHC Biel kann seine Talfahrt nicht bremsen und steht nach der 2:4-Heimniederlage gegen Lugano vor dem Playoff-Out. Die Seeländer haben ein mentales Problem - ob mit oder ohne Jonas Hiller im Tor.

Am Anfang dieser Geschichte geht es um ein Geheimnis. Ein solches machte nämlich der EHC Biel vor dem fünften Halbfinal-Duell gegen den HC Lugano daraus, ob nun Goalie Jonas Hiller zum Einsatz kommen würde oder nicht. Der Routinier hatte im vierten Spiel am Ostermontag einen Schuss an die Maske kassiert und war mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt worden. Hillers Ersatzmann Elien Paupe machte bei der 1:5-Niederlage in der Folge keine gute Figur.

Würde nun also wieder Paupe im Tor stehen, wenn die Bieler versuchen, ihre Playoff-Talfahrt zu bremsen? Bis die beiden Mannschaften zum Warm-up aufs Feld kamen, blieb diese Frage zunächst unbeantwortet. Doch dann war klar: Hiller würde nicht zum Einsatz kamen. Im Verlauf des Tages hatten die Bieler Coaches in Absprache mit dem Routinier entschieden, dass er für ein Comeback noch nicht bereit ist.

Paupe und der Bieler Einbruch

Also musste Elien Paupe ran. 22 Jahre alt, in der laufenden Saison Stammgoalie beim Swiss-Ligisten HC Ajoie und mit der Erfahrung von nur vier NLA-Einsätzen. Nun: Paupe machte seinen Job während der Hälfte des Spiels sehr gut, wehrte einige gefährliche Abschlüsse der Luganesi ab. Doch dann wurde er ein Opfer eines weiteren, unerklärlichen Einbruchs seiner Vorderleute.

Plötzlich verloren die Bieler total ihre defensive Zuordnung. Das ermöglichte Luganos Maxime Lapierre einen Konter, den er mit einem Schuss zwischen den Beinen Paupes erfolgreich zum 0:1 abschloss (34.). 44 Sekunden später wurde der Hiller-Ersatz wieder schmählich im Stich gelassen, als Romanenghi auf einen Abpraller am schnellsten reagierte und zum 0:2 traf. Und es kam aus Sicht der inferioren Bieler noch schlimmer. Hofmann erzielte weitere 100 Sekunden später im Powerplay den dritten Treffer für die Luganesi (Paupe chancenlos), die innert 144 Sekunden also für die entscheidende Differenz in diesem Spiel sorgten – trotz eines späten Aufbäumens der Bieler, die noch einmal auf 2:3 herankamen.

Es ist auf jeden Fall gleichermassen beeindruckend, mit welchem eiskalten Opportunismus die Bianconeri, die lange Zeit gegen die ungestüm anstürmenden Bieler kaum Land sahen, die Schwächen des Gegners ausnützten. Aber auch, wie schnell die Seeländer die Kontrolle über das Geschehen verloren und regelrecht dahinschmolzen.

Das fatale, dritte Spiel

Jetzt steht der EHC Biel also vor dem bitteren Halbfinal-Aus. Was angesichts der Dynamik in dieser Serie eigentlich unfassbar ist. Wir erinnern uns: Die Bieler gewannen die ersten beiden Partien und führten in der dritten Begegnung vor eigenem Publikum mit 3:0 – ehe sie in einem Powerplay einen Shorthander kassierten und damit den Weg zum unglaublichen Comeback des HC Lugano ebneten.

Noch ist der EHC Biel nicht geschlagen. Aber mit diesen mentalen Schwächephasen wird es schwierig gegen die kaltblütigen Luganesi. Da hilft es auch nicht, sollte Jonas Hiller am Samstag in der Resega wieder das Tor hüten.

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