National League
Doch kein Kulturschock: Der EHC Biel bleibt weiterhin eine Hockeyfamilie

Der ehemalige SCB-Meistermacher Antti Törmänen (47) wird Biels neuer Cheftrainer bis Saisonende. Das erspart dem ganzen Hockey-Unternehmen einen Kulturschock.

Klaus Zaugg
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Der EHC Biel von Robbie Earl (links) fordert den SC Bern von Gaëtan Haas im Cup

Der EHC Biel von Robbie Earl (links) fordert den SC Bern von Gaëtan Haas im Cup

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Seine Verpflichtung hatte sich abgezeichnet. Antti Törmänen war von allem Anfang an aussichtsreichster Kandidat und in den letzten 24 Stunden hatte der sonst überaus kommunikative, freundliche Finne keine Anrufe mehr beantwortet.

Nach dem Scheitern von Mike McNamara schien ein Kulturschock in Biel unvermeidlich. Erstmals seit dem Wiederaufstieg von 2008 mit einem Trainer, der nicht aus der grossen Bieler Hockeyfamilie stammt.

Die familiäre Leistungskultur bleibt erhalten

Aber Sportchef Martin Steinegger hat einen Trainer gefunden, der zur ganz besonderen, familiären Leistungskultur passt: Antti Törmänen. Er ist zwar fordernd. Aber auch freundlich und verständnisvoll. Er gewährt den Spielern viele Freiheiten.

Seine Art ist nicht das Befehlen. Sondern das Aufzeigen von Lösungen. Mehr Ausbildner als Bandengeneral. Der Kulturschock, den ein autoritärer Nordamerikaner unweigerlich ausgelöst hätte, wird also ausbleiben.

Maximal zweieinhalb Jahre

Trotzdem kann Antti Törmänen Meister. Er verlor 2012 mit dem SC Bern den Titel erst im siebten Finalspiel und 2013 wurde er Schweizer Meister.

Biel kann sich nach wie vor keinen autoritären Bandengeneral wie Bob Hartley leisten. Sportchef Martin Steinegger ist darauf angewiesen, dass sein Trainer aus allen Spielern ein Maximum herausholt. Dass sein Trainer den Zugang zu allen findet.

Der EHC ist nach wie vor kein grosses Team. Die Bieler sind auf jeden angewiesen und sie haben auch kein Farmteam, um während der Saison beliebig Spieler auszutauschen. Der Schlüssel zum Erfolg ist der Mittelweg zwischen fordern und fördern.

Ein intaktes Team

Antti Törmänen war eine grosse Spielerpersönlichkeit. Er war Weltmeister 1995 und er strahlt eine natürliche Autorität aus. Sein freundliches Wesen mindert allerdings die Strahlkraft dieser Autorität etwas. Mit ziemlicher Sicherheit wird er in Biel nicht viel länger als zweieinhalb Jahre im Amt bleiben.

Törmänen übernimmt ein intaktes Team. Und anders als etwa Kevin Schläpfer in Kloten kann er vier Ausländer einsetzen. Das Minimalziel Playoffs müsste er erreichen. Und wenn nicht, wäre es kein Problem. Inzwischen sind in Biel Trainerwechsel sowieso kein Problem mehr.

Zügig, aber ohne Hast

Sportchef Martin Steinegger hat nach der Entlassung von Mike McNamara vier von fünf Partien gewonnen. Die Bieler können also selbst während der laufenden Saison zügig, aber ohne Hast den richtigen neuen Trainer finden.

Antti Törmänen passt mit seinem verständnisvollen Wesen und Wirken zu Biel. Der EHC Biel bleibt auch nach dem Trainerwechsel eine Hockeyfamilie.

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