Der Sport folgt bisweilen überhaupt keiner Logik. Der SC Bern Schweizer Meister? Vor etwas mehr als einem Monat ein schlicht undenkbares Szenario. Doch der Koloss, der sich schwer atmend und strauchelnd durch die Qualifikation kämpfte und mit Ach und Krach für die Playoffs qualifizierte, steht nun ganz oben auf dem Thron. Wie das möglich ist? Dazu noch mit Trainer Lars Leuenberger, dem kaum jemand Kredit gab und der sogar von seinen eigenen Vorgesetzten schon vor Beginn der Playoffs als nicht gut genug befunden wurde?

Nun: Die Berner haben ein Meisterstück in Sachen Sportpsychologie abgeliefert. Aus einer Mannschaft, die geschwächt durch Verletzungen und verunsichert durch einen sturen und gedanklich abwesenden Trainer (Guy Boucher, der im letzten Sommer mit einem Wechsel in die NHL liebäugelte) während der Qualifikation nie ihr gewohntes Rendement erreichte, wurde in den Playoffs eine verschworene Gemeinschaft, die zu Beginn alle überraschte, an Selbstvertrauen gewann und sich schliesslich durch nichts und niemanden mehr vom Erfolgsweg abbringen liess. Das Bild vom mythischen Vogel Phoenix, der am Ende seines Lebenszyklus verbrennt, um aus seiner Asche wieder neu zu erstehen, passt perfekt.

Der SC Bern hat somit als erstes Team geschafft, was hierzulande in der 30-jährigen Playoff-Ära vorher noch keiner Mannschaft gelungen ist: Er wurde von Platz 8 aus Meister und besiegte auf dem Weg zum Titel der Reihe nach den Qualifikationssieger ZSC Lions, Titelverteidiger HC Davos und zuletzt noch einen HC Lugano, der nach zehn Jahren Misere wieder bereit schien für den Gewinn der Meisterschaft. Wer diesen Hindernisparcours erfolgreich überwunden hat, der ist ein verdienter Meister. Ohne Wenn und Aber.