Die alten Bauern wussten: «Novemberkatzen» haben kein langes Leben. Katzen, die im November das Licht der Welt erblickten, waren in der Regel zu schwach, um den Frühling zu erleben. In gewisser Weise gilt diese Bauernregel für viele Spieler, die im November zu den «Operetten-Länderspielen» aufgeboten werden. Nur wenige werden im Frühjahr bei der WM noch dabei sein. Doch hin und wieder gibt es «November-Katzen», die das Frühjahr erleben.

Zugs fleissiger Riese Dario Simion (179 cm/88 kg) könnte eine werden. Er hat gegen die Slowaken den Ausgleich zum 1:1 erzielt. Sein erstes Länderspieltor. Und am Ende ging er mit einer +1-Bilanz vom Eis. Aber eben: selbst diese formidable Statistik will im Hinblick auf ein Aufgebot für die WM 2019 in Bratislava wenig heissen. Es ist ja erst November.

Die Frage, ob er sich Chancen für ein WM-Aufgebot ausrechne, scheint ihn zu überraschen. «Das ist doch mein grosses Ziel.» Und dafür mache er alles. Wer dazu in der Lage ist, in Länderspielen Tore zu erzielen, hat bessere «Überlebenschancen». Das sieht der Zuger nicht unbedingt so. Zu einem guten Spiel gehöre mehr. Beispielsweise auch eine gute Defensivarbeit. Ja, in seiner freundlichen Bescheidenheit sagt er sogar: «Das war nicht mein bestes Spiel.» Aber ganz offensichtlich ist er besser als vor einem Jahr. Der Wechsel von Davos nach Zug hat sein Spiel befeuert. Und so ist er einer, der im November gekommen ist, um im Nationalteam zu bleiben.

Einer wie Patric Della Rossa

Nationaltrainer Patrick Fischer sagt, bei jedem Aufgebot gebe es gewisse Überlegungen. «Dario Simion erinnert mich ein wenig an Patric Della Rossa.» Der vielseitige kräftige Flügel brachte es einst zwischen 1995 und 2008 auf über 100 Länderspiele, acht WM- und zwei Olympiateilnahmen. Obwohl er im Laufe seiner Karriere in Kloten, beim ZSC, Zug, Basel, Davos und Olten nie ein charismatischer Star war. Aber er war vielseitig, konnte Powerplay- und Boxplay spielen und erfüllte verlässlich seine defensiven Pflichten. Das gilt auch für Dario Simion. Wer vielseitig verwendbar ist, für offensive und defensive Rollen wie Dario Simion, hat gute Chancen, als Ergänzungsspieler erstmals ins WM-Team zu kommen.

Zum Spiel gegen den häufigsten Länderspielgegner dieses Jahrhunderts ist zu sagen: die Schweizer gewannen gegen die Slowakei verdient. Sie brauchten etwas Zeit, um ihr Spiel zu sortieren. Aber der Sieg stand nie mehr in Gefahr und sie waren läuferisch klar überlegen. Und sie traten selbstsicher auf. Wie ein Winnerteam. So wie es sich für einen WM-Finalisten gehörte. Auch wenn nur vier WM-Silberhelden dabei waren (Michael Fora, Noah Rod, Lukas Frick, Damien Riat). Am Samstag trifft die Schweiz auf Deutschland (13.30 Uhr). Mit Lukas Flüeler im Tor.