Eishockey

Die Schweiz braucht für den Viertelfinal Punkte gegen Russland, Schweden oder Tschechien

Keiner schiesst öfter aufs gegnerische Tor als Nino Niederreiter.

Keiner schiesst öfter aufs gegnerische Tor als Nino Niederreiter.

Die Vertragsverlängerung bis 2018 hat Patrick Fischer nach den Siegen gegen Dänemark (3:2 n. V.) und Lettland (5:4) auf sicher. Nun bekommt er die Chance, in Russland den eigenen Mythos zu begründen wie einst Ralph Krueger.

Der Sieg gegen Lettland hat den Ligaerhalt gesichert. Aber für die Viertelfinals reicht es wahrscheinlich nur, wenn die Schweizer in den verbleibenden drei Partien gegen die Grossen punkten (heute Russland, morgen Schweden, am Dienstag Tschechien).

Ralph Krueger stand vor 16 Jahren in St. Petersburg vor einer noch etwas dramatischeren Ausgangslage: nur ein Sieg gegen das übermächtige Russland brachte die Schweizer in die Zwischenrunde. Jetzt gibt es immerhin mit den drei verbleibenden Partien drei Chancen.

Der SMS-Mythos von Krueger

Ralph Krueger schickte jedem ein Motivations-SMS und schaffte es. Wir besiegten Russland 3:2 und ein Mythos war begründet, der unserem ehemaligen Nationaltrainer (1998 bis 2010) zu einer Weltkarriere im Eishockey und im Fussball verholfen hat.



Patrick Fischer hat keine SMS-Botschaften verschickt. Er pflegt lediglich den historischen Bezug und hat die ganze Moskau-Mission unter das Motto «1291» gestellt. Den Gründungs-Mythos der Schweiz. Schaffen die Schweizer gegen die drei Grossen die Punkte für die Viertelfinals, dann beginnt die «Ära Fischer» so wie 2000 in St. Petersburg die «Ära Krueger». So gesehen wäre für die zweite WM-Hälfte eigentlich ein neues Motto fällig: «1848». Das Gründungsjahr der modernen Schweiz. Der Anfang eines neuen Zeitalters. Der Anfang der «Ära Fischer».

Der Nationaltrainer verändert für diese zweite WM-Hälfte nichts. Nicht das Motto. Nicht den offensiven Schmetterlingsstil. Er sagt: «Wir spielen weiterhin vorwärts.» Die Schweizer waren bisher das offensiv fleissigste Team. Sie schossen sogar öfter als die Kanadier und die Russen. Was noch nichts über die Qualität der Abschlussversuche sagt. Aber immerhin etwas über den Mut und die Leidenschaft der Spieler.

Können wir so gegen die Grossen punkten? Weltklasse-Stürmer sind eine Voraussetzung. Wir haben mit Nino Niederreiter nur einen Stürmer, der ganz nahe an die Weltklasse herankommt. In der aktuellen Form ist er wahrscheinlich der beste Schweizer Stürmer an einer WM seit 1998. Aber er ist kein «Sniper». Kein eiskalter Vollstrecker. Eher ein unermüdlicher Energie- und Powerstürmer.

Gemessen an seinen Abschlussversuchen einer der fleissigsten an diesem Turnier. Unsere Stürmer sind auf WM-Niveau ganz einfach zu wenig produktiv. Ohne die Treffer der Verteidiger (DuBois, Blum) würden wir jetzt gegen den Abstieg spielen. Topskorer des Teams ist immer noch Verteidiger Rafael Diaz. Team Schweiz als Offensivmaschine mit Heckmotor.

Ist es mit diesem wilden Offensivhockey überhaupt möglich, die Titanen herauszufordern? Es ist möglich. Schliesslich haben wir seit 1998 schon 23-mal gegen die Grossen gepunktet. Aus einer gewöhnlichen WM – Pflicht erfüllt, Ligaerhalt gesichert – kann eine aussergewöhnliche WM werden. Wir dürfen uns auf eines der interessantesten, aufregendsten Experimente unserer neueren Hockeygeschichte freuen.

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