Aber es ist der Anfang einer endlosen Geschichte, die unsere Hockeyfunktionäre und mit ziemlicher Sicherheit eine schöne Schar von Juristen von nun an auf Trab halten wird: Die KHL hat offiziell die Aufnahme einer Mannschaft aus der Schweiz vermeldet: Ab 2014/15 spielen die «Helvetics» in der KHL mit. Das Projekt wird so diskret vorangetrieben, dass alle Beteiligten Geheimhaltungserklärungen unterschreiben mussten. Jetzt gibt es das erste Lebenszeichen mit dieser Meldung.

Die Verbände wehren sich

Dr. René Fasel, der Präsident des Eishockey-Weltverbandes (IIHF) ist beunruhigt. Einerseits ist KHL-Präsident Alex Medwedew sein Freund und sitzt auch im IIHF-Direktorat. Andererseits fürchtet Fasel die Expansionspläne der KHL wie der Teufel das geweihte Wasser: Die nationalen Verbände wehren sich gegen diese Konkurrenz und setzen die IIHF dagegen in Marsch. Dr. Fasel sagt denn auch: «Ich gehe davon aus, dass der Schweizerische Eishockeyverband kein KHL-Team in der Schweiz will und wir werden in diesem Falle alles unternehmen, dass es kein KHL-Team in der Schweiz gibt. Wir werden Druck machen. Notfalls drohen wir der KHL den Ausschluss aus dem Weltverband an.»

Das wird Dr. Fasel nicht wagen. Nicht so kurz vor den Olympischen Winterspielen in Russland (Sotschi 2014). Es ist eine leere Drohung. Normalerweise genügt es, dass ein Landesverband einem Team der Ausschluss aus der Meisterschaft angedroht wird und schon werden alle KHL-Pläne obsolet. Würde der SCB solche Pläne hegen, würde die Drohung eines Ausschlusses aus der NLA genügen. Aber diese Drohung wird gegen die «Helvetics» nicht greifen.

Was diese Geschichte so brisant macht: Die «Helvetics» beteiligen sich noch an keiner Meisterschaft. Sie können nirgendwo ausgeschlossen werden. Aber sie verfügen bereits über ein Stadion und Investoren, die offenbar bereit sind, ein 20-Millionen-Budget zu stemmen. Die «Helvetics» sind als «Flugzeugträger» vorgesehen: Als Plattform, um die Geschäfte zwischen Russland und Westeuropa zu fördern. Auch die Geschäfte von Alex Medwedew.

Der KHL-General ist nämlich auch der Boss von Gazprom, dem grössten Erdgasförderungsunternehmen der Erde. Das neue Hockeyunternehmen «Helvetics» (mit der Rechtsform einer AG) ist nur ein Teil eines wirtschaftlichen und sportlichen Gesamtpakets, an dem Investoren aus Russland grösstes Interesse haben. Doch wer steckt dahinter?

Die Männerrunde aus dem Bernbiet

Es ist eine Männerrunde aus dem Bernbiet. Vier Herren halten die Aktien des Unternehmens. Einer aus diesem Quartett ist der Langenthaler Unternehmer Markus Bösiger (54). Er besitzt in Huttwil (BE) bereits das Nationale Sport- und Kulturzentrum mit einem Eisstadion. Für diese Anlage hat er kürzlich ein Baugesuch für Erweiterungen im Gesamtumfang von 20 Millionen eingereicht.

In den Schubladen liegen Pläne für den Bau eines 70-Millionen-Stadions. Von der KHL haben die «Helvetics» die Bewilligung, anfänglich im Nationalen Sportzentrum in Huttwil zu spielen. Bösiger hat mit seinen «Huttwil Falcons» im letzten Frühjahr sportlich den Aufstieg in die NLB geschafft. Aber die Liga hat ihm wegen Formalitäten den Aufstieg verweigert. Deshalb hat er die «Falcons» aufgelöst und das Eisstadion geschlossen. Und arbeitet seither unter grösster Geheimhaltung am Projekt «Helvetics.»

Juristische Auseinandersetzung

Der ehemalige Lakers-Trainer Igor Pawlos zieht die sportlichen und sportpolitischen Fäden. Die «Helvetics» brauchen bis im Sommer 2014 ein Kader von rund 25 Spielern. Sie haben von der KHL bei der Ausländerregelung einen Sonderstatus erhalten: Als Ausländer gelten nicht –- wie bei den anderen KHL-Teams – Spieler die keinen russischen Pass haben. Sondern Spieler, die keinen Schweizer Pass haben. Will heissen: Die Mannschaft wird aus Schweizern plus vier Ausländer zusammengestellt. Die «Helvetics» bieten also einem Schweizer die Möglichkeit, in der KHL zu spielen und in der Schweiz zu wohnen.

Mit dieser kleinen Meldung in russischer Sprache auf der offiziellen KHL-Website beginnt eine endlose Geschichte. Die Spieler für die «Helvetics» zu finden ist noch die einfachste Sache. Viel interessanter werden die juristischen Auseinandersetzungen sein. Wenn unsere Hockeyfunktionäre den Kampf gegen dieses Projekt aufnehmen. Fest steht: So einfach wie die «Falcons» werden sie die «Helvetics» nicht versenken können.