Eishockey

Die NHL und das lächerliche Leiterlispiel

Eine verlorene Saison wird wohl NHL-General Gary Bettman aus dem Amt fegen.

Eine verlorene Saison wird wohl NHL-General Gary Bettman aus dem Amt fegen.

Mit einem Knall ging die letzte Verhandlungsrunde zwischen NHL und NHLPA zu Ende. Ein neuer Gesamtarbeitsvertrag und damit der Start zur NHL-Saison schienen in Griffnähe. Letztendlich scheiterte die Einigung an fast lächerlich anmutenden Details.

Alles schien bereit, dass der unsägliche Knatsch zwischen den NHL-Teambesitzern und der Spielergewerkschaft NHLPA ein Ende findet. Man träumte manchenorts schon von einem Start in die NHL-Saison rund um die Weihnachtstage.

Doch nach einer dramatischen, negativen Entwicklung der Verhandlungen gingen die zerstrittenen Parteien in der Nacht auf Freitag mit einem Knall auseinander.

Die NHL und ihr Boss Gary Bettman lehnte ein letztes Angebot der NHLPA ab und griff danach Gewerkschaftsboss Don Fehr heftig an.

Blickt man auf diese 72 Stunden dauernde, intensive Verhandlungsrunde zurück, dann wickelte sich das Ganze ab wie beim bei Kindern so beliebten Leiterlispiel. Am Dienstag war die Stimmung extrem positiv, die beiden Parteien schienen jedes Schlupfloch nach oben erwischt zu haben und standen schon vor dem Ziel.

Am Mittwoch kam der ganze Prozess ins Stocken. Man würfelte, doch die nötige Zahl, um das letzte Feld zu erreichen, kam nie. Die Stimmung wurde schlechter.

Am Donnerstag schliesslich fielen die Würfel derart unglücklich, dass man eine Falle nach der anderen erwischte und schliesslich wieder auf dem Startfeld landete.

Während im realen Leiterspiel Glück und Pech über Sieg und Niederlage entscheiden, war der Absturz der NHL-Verhandlungen selbst verschuldet. Die beiden Parteien hätten es in der Hand gehabt, die Würfel so zu steuern, dass sie das Zielfeld erreichen.

Eine Einigung scheiterte letztlich an Details wie der Gesamtdauer des neuen Gesamtarbeitsvertrags, maximale Dauer von Spielerverträgen oder vergleichsweise geringen Millionenbeträgen bei der Aufteilung der Einnahmen.

Jetzt ist die Stimmung wieder so schlecht wie zuvor. Die NHL hat alle Zugeständnisse, die man den Spielern gemacht hatte, wieder zurückgezogen.

Die Fronten sind so verhärtet wie zuvor. Mag sein, dass viele der nach dem Scheitern der Verhandlungen gemachten, negativen Äusserungen der Kategorie «taktische Rhetorik» zuzuordnen sind. Wenn dem so ist, dann ist das Gebaren umso kindischer und verwerflicher.

NLA: Kommt es nun zur Star-Flutwelle?

Wie geht es nun weiter? Die NHL wird in den kommenden Tagen die Spiele bis Ende Jahr absagen.

Wann die beiden Parteien wieder zusammen verhandeln, steht in den Sternen. Für die NLA könnten die neusten Entwicklungen in Nordamerika einen nachhaltigen Einfluss haben.

Einerseits werden die schon jetzt engagierten NHL-Spieler vorderhand in Europa bleiben. Auf der anderen Seite könnte nun eine Star-Flutwelle nach Europa herüberschwappen.

Die Agenten von Superstars wie Sidney Crosby, Steve Stamkos oder Jonathan Toews werden nun mit Nachdruck versuchen, ihre Klienten in Europa bei einem Team zu platzieren. Die Schweiz zählt dabei zu den bevorzugten Destinationen.

Spengler Cup mit Staraufgebot?

Nun ist auch absehbar, dass der Spengler Cup in Davos (26. bis 31. Dezember) durch die Präsenz von vielen NHL-Stars massiv aufgewertet wird. Es würde nicht erstaunen, wenn sich Team-Canada-Coach Doug Shedden vor lauter Angeboten von NHL-Stars kaum retten kann.

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