Diesmal ist auch er machtlos. Zum ersten Mal. André Rufener (47) geniesst in der NHL-Agentenszene einen legendären Ruf, seit er es 2013 wagte, für seinen Klienten Nino Niederreiter (26) öffentlich bei den New York Islanders einen Transfer einzufordern. Der WM-Silberheld wurde tatsächlich in einem Tauschgeschäft nach Minnesota geschickt. Und dann hatte er nochmals Glück: als diese Saison die Karriere in Minnesota stockte, folgte der Transfer zu Carolina.

Es ist ihm im Laufe der Jahre auch gelungen, Sven Bärtschi (26), Sven Andrighetto (25) und Luca Sbisa (29) zu Dollar-Millionären zu machen. Er hat Dean Kukan (23) und Yannick Rathgeb (23) zu Verträgen mit NHL-Organisationen verholfen. Die vorerst letzte grosse Tat: ein Vertrag über 1,5 Millionen Dollar und ein Jahr für Sbisa bei den NY Islanders.

Klubwechsel zur Neulancierung

Aber jetzt ist er am Ende seines Agenten-Lateins. Luca Sbisa ist fit und darf doch nicht spielen. Er hat diese Saison bloss neun Partien bestritten. Sein Schicksal: «Healthy Scratch» («gesund, aber nicht eingesetzt»). Mit dem Team mitreisen und adrett gekleidet oben auf der Medientribüne sitzen. Wenn mal eine Frage von einem Chronisten kommt, brav sagen, das Team stehe im Vordergrund, kein Problem. Man müsse jeden Tag hart arbeiten. Es sei wichtig, bereit zu sein, wenn die Chance komme. Wer etwas anderes erzählt oder gar aufbegehrt – wie das in der Schweiz in so einer Situation gang und gäbe ist –, beendet seine Karriere.

Luca Sbisa braucht einen Klubwechsel zur Neulancierung der Karriere. Der ehemalige EVZ-Junior steht in seiner neunten NHL-Saison und mit Las Vegas kam er im letzten Frühjahr bis in den Stanley-Cup-Final. Dann wurde er ausgemustert. Erst im Trainingscamp erkämpfte er sich bei den Islanders einen neuen Vertrag. Und so sitzt André Rufener ein wenig ratlos in Newark im Café des Wyndham Hotels, schaut gen Himmel und sagt: «Mögen uns die Hockeygötter noch einmal helfen.» Er könne diesmal nicht beim General Manager um einen Trade fragen. «Lou Lamoriello lässt sich nicht dreinreden.»

Optionen: NHL oder Rückkehr

Der einflussreichste Schweizer NHL-Agent ist am letzten Dienstag nach New York geflogen und bleibt bis am 26. Februar, dem Tag nach dem NHL-Transferschluss. So ist er vor Ort, wenn er gebraucht wird. Schliesslich hat er mit Luca Sbisa, Mirco Müller und Yannick Rathgeb gleich drei Klienten im Raum New York.

Eigentlich müsste er der meistgesuchte Mann aller Sportchefs in der Schweiz sein. Denn mit Luca Sbisa, Sven Andrighetto und Mirco Müller vertritt er drei Schweizer, deren Verträge auslaufen. Und könnten nicht Dean Kukan und Yannick Rathgeb trotz weiterlaufenden Kontrakten zu einer Heimkehr überredet werden? Natürlich muss André Rufener sagen, dass keiner zurückkehren wird. Käme bloss das Gerücht auf, dass einer an die Heimat denkt – die NHL-Karriere wäre ruiniert.

In «seinen» Fällen sind es keine leeren Worte. Auch nicht bei Luca Sbisa. Rufener sagt: «Die einzigen Optionen heissen NHL oder Rücktritt.» Und wenn er wider Erwarten doch keinen neuen Vertrag mehr kriege, dann beginne eben ein bisschen früher als vorgesehen seine zweite Karriere. «Luca Sbisa würde nach Newport Beach zurückkehren und ins Immobiliengeschäft einsteigen.»

Die Schweizer Dollarmillionäre

Auch für Mirco Müller gibt es keine Rückkehr. Logisch. Er hat inzwischen bei New Jersey mehr als 20 Minuten Eiszeit. Er verdient 925 000 Dollar brutto und wird nächste Saison der nächste Schweizer Dollarmillionär.

Bleibt Sven Andrighetto, der bei Colorado 1,550 Millionen Dollar brutto verdient, aber inzwischen oft bloss fünf Minuten Eiszeit kommt. Aber auch hier schliesst André Rufener eine Heimkehr aus. «Unter gar keinen Umständen will er zurück.» Die Ausgangslage sei gar nicht so schlecht. Falls es nicht noch zu einem Transfer komme, werde Colorado keine bindende Offerte machen – und dann könne jeder NHL-Club Sven Andrighetto ohne Kompensation unter Vertrag nehmen. «Da werden wir eine Lösung finden.»

Vorzeitige Rückkehr? Ausgeschlossen!

Die Verträge von Dean Kukan und Yannick Rathgeb laufen noch eine weitere Saison. Aber beide kommen in der NHL nur sporadisch oder gar nicht zum Zuge. Warum also nicht eine vorzeitige Rückkehr? «Ausgeschlossen», sagt André Rufener. «Sie halten ihre Verträge ein.»

Ab und an schaut er auf sein Smartphone. Bis zum Transferschluss am 25. Februar kann nun jederzeit und unverhofft etwas passieren. Nino Niederreiter sei bei Minnesota um 14.30 Uhr über seinen Wechsel nach Carolina informiert worden. Mit der Anweisung, um 17 Uhr in Minneapolis nach Raleigh zu seinem neuen Klub abzufliegen.