HC-Davos-Trainer Arno Del Curto trat am Dienstag nach einem über 22 Jahre dauernden Engagement beim Rekordmeister zurück. Er zog in einer schwierigen sportlichen Situation aus eigenem Antrieb einen Schlussstrich und ersparte damit seinen Vorgesetzten eine unpopuläre Massnahme. Denn die Entlassung eines derart verdienten Mitarbeiters ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Das zeigt auch ein Blick auf andere berühmte Trainerpersönlichkeiten, die in ihren Teams als unverrückbare Institutionen galten. Als einzige Option für einen würdigen Abschluss gibt es nur den Rücktritt. So war es in den Fällen von Arsène Wenger (22 Jahre Arsenal), Alex Ferguson (27 Jahre Manchester United) und Guy Roux (44 Jahre Auxerre). Eine Ausnahme gibt es: Der russische Eishockey-Trainer Viktor Tichonow (28 Jahre ZSKA Moskau) wurde entlassen.

HC Davos 1996 bis 2018

Arno Del Curto (Eishockey)

HC Davos 1996 bis 2018

Arno Del Curto kam 1996 als Trainer des Erstligisten Luzern, den er eben zum Aufstieg in die NLB geführt hatte, nach Davos, wo er als Billiglösung für seinen zu teuer gewordenen Vorgänger Mats Waltin engagiert wurde. Niemand konnte damals ahnen, welche Ära beim Rekordmeister dank der Verpflichtung des heissblütigen Engadiners beginnen würde.

Schon in seiner ersten Saison führte er die junge Mannschaft in den Playoff-Halbfinal, 1998 in den Final, wo man an Zug scheiterte. 2002 feierte Del Curto zusammen mit seinem Team, in welchem er sich auf Schlüsselspieler wie Reto von Arx oder Michel Riesen abstützen konnte, den ersten von insgesamt sechs Meistertiteln. Drei weitere Male stand der HCD im Final, zweimal gewann man den Spengler-Cup.

Nach dem letzten Titelgewinn im Jahr 2015 konnte Arno Del Curto den stetigen Substanzverlust des Kaders nicht mehr kompensieren. Kam dazu, dass er mit seiner extrovertierten Art bei den Spielern je länger, je weniger bewirken konnte. Am Dienstag zog er nun den Schlussstrich und trat freiwillig zurück.

ZSKA Moskau 1976 bis 2004

Viktor Tichonow (Eishockey)

ZSKA Moskau 1976 bis 2004

1976 kam der damals 46-Jährige zum Armeesportklub ZSKA Moskau und übernahm gleichzeitig die sowjetische Nationalmannschaft. Der aufgrund seines stets milde wirkenden Gesichtsausdrucks «Väterchen» genannte Tichonow nutzte seine Machtposition rigoros aus und holte einerseits die besten Spieler der damaligen Sowjetunion zu ZSKA, andererseits trieb er seine «Untergebenen» mit einem brutalen und unmenschlichen Trainingsregime zu Höchstleistungen.

Mit ZSKA gewann er bis 1989 13 Meistertitel in der sowjetischen Liga und 13 Titel im Europapokal. Mit der Nationalmannschaft gewann er acht Weltmeistertitel und drei olympische Goldmedaillen.

Mit der Öffnung gegen Westen Ende der 1980er-Jahre verlor Tichonow nicht nur seine besten Spieler an die NHL, sondern zunehmend auch an Macht und Einfluss. 1992 endete seine Zeit als Nationaltrainer. Bei ZSKA hielt er sich zwölf weitere Jahre im Amt, ohne allerdings an frühere Erfolge anknüpfen zu können. 2004 wurde Tichonow entlassen.

Manchester United 1986 bis 2013

Alex Ferguson (Fussball)

Manchester United 1986 bis 2013

Am Dienstag sass Sir Alex Ferguson im Old Trafford auf der Tribüne und schaute dem Gekicke seiner United gegen YB zu. 76 Jahre ist er mittlerweile alt und seit gut fünf Jahren im Ruhestand. «Was fange ich jetzt bloss mit mir an?», hatte Fergie bei seinem Rücktritt kokettiert.

Nach 26 Jahren war für ihn aber der Zeitpunkt gekommen, sich seiner Frau, den Kindern, Enkeln und Rennpferden zu widmen. Er ging freiwillig, denn niemandem wäre es in den Sinn gekommen, dem erfolgreichsten Trainer ever von Manchester United den Abgang nahezulegen. Zumal er ja wirklich noch alles im Griff gehabt hatte, als er 2013 mit dem 13. Meistertitel der Red Devils unter seiner Leitung Good bye sagte.

Der in 1219 Pflichtspielen auf der Bank sass und sage und schreibe 38 Trophäen für diesen Klub holte. Nach dem 2:1-Sieg in der Champions League gegen Bayern, der verrücktesten Wende mit zwei Toren in der Nachspielzeit, hatte er in seiner rauen Art gesagt: «Football, bloody hell!» – Fussball, verdammte Scheisse!

Auxerre 1961 bis 2005

Guy Roux (Fussball)

Auxerre 1961 bis 2005

Als der 23-jährige Guy Roux 1961 die AJ Auxerre als Spielertrainer übernahm, kickte die Mannschaft noch in der sechsten Liga. Niemand konnte ahnen, wie sich der Klub in den nächsten 44 Jahren unter der Regie des Elsässers entwickeln würde. 19 Jahre später schaffte er den Aufstieg in die Ligue 1, 1993 gab es den ersten von vier Cupsiegen, 1996 gar das Double und 1997 stand der kauzige Trainer mit Auxerre im Viertelfinal der Champions League. Als er, mittlerweile 67-jährig, 2005 mit seinem Team im Cupfinal stand, sagte er vor dem Spiel: «So Gott will, werde ich hier noch lange Trainer bleiben.»

Dann gewann Auxerre gegen Sedan durch ein Tor in der letzten Sekunde – und am nächsten Tag trat Roux zurück. «Man hat mich nicht rausgeworfen, ich gehe von mir aus», sagte er. Auch gesundheitliche Gründe hatten zu seinem Entscheid geführt. Zwei Jahre später gab er beim RC Lens ein überraschendes Comeback, aber nur für sieben Spiele. Mit 895 Ligue-1-Partien ist der heute 80-Jährige Frankreichs Rekordtrainer.

Arsenal London 1996 bis 2018

Arsène Wenger (Fussball)

Arsenal London 1996 bis 2018

Obwohl seit einigen Jahren immer mal wieder über ein Ende von Arsène Wengers Amtszeit bei Arsenal spekuliert worden war, kam sein Abschied im Sommer dann doch etwas überraschend. Denn noch ein Jahr zuvor hatte er seinen Vertrag bis 2019 verlängert, und offenbar wurde nun auch die Führung der Gunners auf dem falschen Fuss erwischt.

Obwohl es von 2006 bis 2018 «nur» noch für drei FA-Cupsiege gereicht hatte, stand der Elsässer bei Arsenal nicht vor der Entlassung. Auch die Spieler respektierten den 67-Jährigen und liessen kein schlechtes Wort über ihn fallen. Ein Teil der Fans aber schon, die seit Jahren seinen Abgang forderten.

Als der Trainer dann in diesem Sommer nach knapp 22 Jahren tatsächlich ging, räumte er ein, sein Entscheid sei von der Stimmung der Fans beeinflusst worden. Nachdem Wenger 1996 aus Japan nach London gekommen war, revolutionierte er den englischen Fussball mit feinem Kombinationsspiel, und 2004 holte Arsenal ungeschlagen einen von drei Meistertiteln unter Wenger.