Analyse
Die Kleinen fürchten sich vor den Titanen

Unser Sportredaktor analysiert die vorzeitigen Trainer-Vertragsverlängerungen im Schweizer Eishockey. Ihm ist klar, warum kleinere Vereine wie Lausanne oder der EV Zug schon vor Saisonstart auf Verlängerungen mit den Coaches brannten.

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
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Arno Del Curtos Vertrag in Davos läuft nächstes Jahr aus.

Arno Del Curtos Vertrag in Davos läuft nächstes Jahr aus.

Keystone

Man rieb sich verwundert die Augen: Lausanne verlängert den Vertrag mit seinem Trainer Heinz Ehlers vier Tage vor dem ersten Meisterschaftsspiel. Zwei Tage später folgte der EV Zug, welcher mit Headcoach Harold Kreis eine Verlängerung des Kontrakts um eine weitere Saison fixierte. Doch damit nicht genug: Am Donnerstag preschte auch der HC Lugano vor und band Trainer Patrick Fischer bis 2018.

Wieso diese hektische Aktivität, wenn man doch weiss, wie emotional und kurzlebig das Sportgeschäft ist? Grundsätzlich – und das wurde von den Klubs auch jeweils so kommuniziert – steht über allem die Sehnsucht nach Stabilität. Man ist mit der aktuellen Arbeit der Trainer offensichtlich zufrieden und möchte mit ihnen langfristig etwas aufbauen.

Alles gut und recht – aber im Sportbusiness schon tausendmal gehört. Dabei ist doch sonnenklar: Am Ende des Tages müssen die Resultate auf dem Eis stimmen. Wenns dort nicht passt, dann wird die Harmonie-bedürftigkeit schnell durch Unzufriedenheit ersetzt – besonders bei den ambitionierten Teams wie Zug und Lugano, die viel Geld in ihre Mannschaften investiert haben.

Del Curtos Nachfolger scharren mit den Hufen

Der wahre Grund für die grassierende «Verlängeritis» ist ein anderer: Im kommenden Sommer droht ein Grosskampf auf dem Trainer-Transfermarkt. Es ist sehr gut möglich, dass die «Titanen» des Schweizer Eishockeys – der HC Davos, die ZSC Lions und der SC Bern – einen neuen Headcoach suchen müssen. Gut – ob Arno Del Curto den HCD nach 20 Jahren wirklich verlässt, ist alles andere als sicher – aber auch nicht ganz auszuschliessen. Sein Vertrag läuft 2016 aus.

Ebenso jener von Marc Crawford in Zürich und von Guy Boucher in Bern. Klar, dass diese sportlich und finanziell lukrativen Destinationen bei jedem Trainer ganz oben auf der Wunschliste stehen. Die «Kleinen» haben deshalb mal präventiv ihren Besitzstand gewahrt. Ob das intelligent ist? Die nächsten Wochen und Monate werden es weisen.