Eishockey

Die Kanadier sorgen für herben Dämpfer der Jagr-Euphorie

Jaromir Jagr scheitert mit seiner Mannschaft im WM-Halbfinal an Kanada.

Jaromir Jagr scheitert mit seiner Mannschaft im WM-Halbfinal an Kanada.

Tschechien hat den Kanada-Express an der Eishockey-WM trotz der Riesenbegeisterung im ganzen Land nicht stoppen können. Mit dem 2:0-Erfolg zementierte hingegen Kanada seine Gold-Ambitionen.

Nach dem 5:3-Sieg von Tschechien im Viertelfinal gegen Finnland hatte die Euphorie im Gastgeberland fast keine Grenzen mehr gekannt. «Jagr ist Gott – und alle anderen sind Helden», titelte die Zeitung «Sport» tags darauf in grossen Lettern. Der 43 Jahre alte Superstar hatte zwei Treffer erzielt, darunter den Game Winner, und einen weiteren vorbereitet.

Selbst Martin Erat zückte vor seinem Teamkollegen den Hut. «Er ist unglaublich, ich finde keine Worte, und man kann es nicht beschreiben, was Jagr für das Team macht und was er für das Team bedeutet», sagte Erat. Und mit Blick auf den Halbfinal meinte er: «Die Kanadier haben Sidney Crosby, wir Jaromir Jagr – die zwei besten Spieler der Welt treffen aufeinander.»

Von den Kanadiern aufmerksam beschattet, setzte Jagr im Halbfinal jedoch keine Zeichen. Es half auch nicht, dass Tomas Plekaec nach seinem Ausscheiden mit den Montreal Canadiens in den NHL-Play-offs sofort nach Prag zurückflog und gestern erstmals als Center neben Jagr stürmte. Jagr gelang nur ein einziger Schuss aufs kanadische Tor. Damit ging die gegnerische Taktik zu 100 Prozent auf, wie Ryan O’Reilly erklärte.

Kanada will Gold...

«Wir wussten, dass Jagr ein Schlüsselspieler ist. Deshalb taten wir alles, um ihn von unserem Tor fernzuhalten», sagte der kanadische Stürmer. «Das gelang uns gut, wenn auch nicht immer. Unsere fünf Jungs, die gegen Jagr jeweils auf dem Eis standen, arbeiteten hart, damit er den Puck nicht zu oft sah.»

Wenig Einfluss aufs Spiel hatte auf der Gegenseite auch Crosby. Er vergab seine grösste Torchance zu Beginn des zweiten Drittels, als er im Powerplay am leeren Tor vorbeischoss. Immerhin leitete er den Führungstreffer mit einem öffnenden Querpass auf Jordan Eberle ein. Dieser liess sich durch einen tschechischen Verteidiger nicht beirren und passte «pfannenfertig» auf Taylor Hall.

Fürs Endresultat sorgte bereits in der 30. Minute Jason Spezza. Der Center, der während des NHL-Lockouts 2012 für die Rapperswil-Jona Lakers gestürmt hatte, führt an der WM die Skorerliste mit 14 Punkten an: 6 Tore/8 Assists. Tschechien sei eine grosse Eishockey-Nation und das Publikum in der Prager Arena grossartig, meinte er nach dem Spiel. «Aber wir sind nicht hierher gekommen, um die Stimmung zu geniessen. Unser Ziel ist WM-Gold. Gegen Tschechien boten wir kein offensives Spektakel. Aber manchmal ist es wichtiger, defensiv solid zu sein. Mit diesem Sieg machten wir einen weiteren Schritt Richtung WM-Titel», so Spezza.

...Tschechien nun Bronze

An der kanadischen Überlegenheit gabs nichts zu rütteln. Das musste auch der tschechische Torhüter Ondrej Pavelec eingestehen, der von den zielstrebigen Überseern mit nicht weniger als 41 Schüssen eingedeckt wurde. «Die Kanadier waren zu gut; wir verloren gegen einen wirklich starken Gegner», sagte Pavelec. «Es war schwierig, gegen sie Druck aufzubauen.» Nach Spielschluss wurden Pavelec, Jakub Voracek und Jagr als die drei besten Tschechen des ganzen WM-Turniers ausgezeichnet. Zu Ende ist die WM für sie aber noch nicht.

Auch das Spiel um Platz 3 bedeute noch eine grosse Herausforderung, betonte Jagr: «Wir wollen diese Partie gewinnen und die Bronzemedaille unserem Publikum schenken, das uns in jeder Begegnung hervorragend unterstützte», so der gestern für einmal etwa blasse Superstar. Kein Zweifel. Jagr wird alles daran setzen, um die Euphorie nochmals aufflammen zu lassen. Ob es gar sein letzter WM-Auftritt überhaupt wird, weiss man beim 43-Jährigen nie. In der NHL stürmt er auf jeden Fall auch nächste Saison für die Florida Panthers.

Den Kanadiern winkt heute Abend nicht nur der erste WM-Titel seit 2007 und die Goldmedaille. Sie erhalten auch die Chance, den neu geschaffenen Jackpot zu knacken. Vermarkter Infront setzte vor dem Turnier eine Million Franken für jene Mannschaft aus, die alle zehn WM-Partien in der regulären Spielzeit gewinnt. Jetzt stehen die Kanadier nur noch 60 Spielminuten von dieser fetten Prämie entfernt.

Crosby kann mit einem Finalsieg noch ein persönliches grosses Ziel verwirklichen: die Aufnahme in den Triple Gold Club. Dazu ist neben dem Gewinn des Stanley Cups und dem Olympiasieg auch ein Weltmeistertitel nötig. Erst 25 Spieler haben in der langen Eishockey-Geschichte dieses Kunststück geschafft.

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