Eishockey NLA
Die Helden des Transferwühltischs: Welcher Eishockeyclub hat den besten Sportchef?

Wer ist der beste Sportchef der National League? Wir haben die zwölf Klubs der höchsten Schweizer Hockey-Liga bewertet. Der Klassenprimus kommt aus Biel und Arno Del Curto schneidet schlecht ab.

Klaus Zaugg und Marcel Kuchta
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Der EHC Biel hat beim Sportchef-Ranking die Nase vorn.

Der EHC Biel hat beim Sportchef-Ranking die Nase vorn.

KEYSTONE/TI-PRESS/ALESSANDRO CRINARI
1. Martin Steinegger (46 Jahre, Biel, seit 2012) Der gut geerdete, unkomplizierte, freundliche Haudegen war bereits mit 22 Captain in Biel, später Führungsspieler in Bern. Er hat seine Sensibilität für die Vorgänge in der Kabine und das Wesen und Wirken der Spieler bewahrt, ist nahe am Team, und doch wahrt er genug Distanz, um eine allseits respektierte Autoritätsperson zu sein. Die meisten seiner Transfers, ob Talent (Riat, Fuchs, Künzle), Ausländer (Rajala, Salmela) oder Routinier (Hiller, Forster, Brunner), waren Volltreffer. Mit einem sicheren Gespür bei der Trainerwahl (Antti Törmänen) sind ihm die die schwierige Emanzipation von Kevin Schläpfer und die Transformation vom Aussenseiter zum Spitzenteam gelungen.
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2. Sven Leuenberger (49, ZSC Lions, seit 2017) Er war während zehn Jahren beim SC Bern der Architekt von mehreren Meisterteams. In Zürich wurde Leuenberger in einer schwierigen Situation auf Anhieb Meister. Kein anderer Sportchef in der Schweiz hat so viel Erfahrung und so viel Gelassenheit im Krisenmanagement wie der smarte, ehemalige Führungsspieler (SCB, Lugano). Wann zügelt er nach Lugano?
3. Paolo Duca (37, Ambri, seit 2017) Der langjährige Captain des HC Ambri-Piotta hat mit Charisma, Sachverstand und Durchsetzungsvermögen ein folkloristisches Umfeld professionalisiert und mit Trainer Luca Cereda eine neue Kultur und Identität geschaffen. Er realisierte dank exzellentem Scouting kluge Transfers (Zwerger, Müller) und holte gutes ausländisches Personal (Kubalik).
4. Chris McSorley (56, Servette, seit 2001) Der Kanadier hat aus Servette praktisch im Alleingang als Unternehmer, Coach und Sportchef die beste Sportfirma des Welschlandes gemacht und nebst einer konkurrenzfähigen ersten Mannschaft auch eine exzellente Nachwuchsorganisation aufgebaut. 2008 und 2010 stand er im Final, aber die meisterliche Krönung ist ihm versagt geblieben.
5. Reto Kläy (40, Zug, seit 2015) In Langenthal (2010 bis 2017) hat der ehemalige NLB-Verteidiger bereits eindrücklich bewiesen, dass er ein Meisterteam bauen und mit Gelassenheit Krisen erfolgreich managen kann (NLB-Meister 2012). Mit dem Transfer von Leonardo Genoni für die Saison 2019/20 hat der freundliche, smarte Langnauer auch in Zug den Grundstein für ein Meisterteam gelegt.
6. Marco Bayer (46, SCL Tigers, seit 2018) Er ist erst ein paar Monate im Amt. Wir bewerten also an dieser Stelle auch die Arbeit seines Vorgängers Jörg Reber und die kluge Politik von Präsident Peter Jakob: Inzwischen gelingt es, das Wissen der eigenen Kultur zu nützen. Zu den Beratern des Teams gehören Simon Schenk und Alfred Bohren. Das Resultat: Niemand macht aus so wenig Geld so viel.
7. Roger Maier (58, Rapperswil, seit 2015) Nach der «Stunde null» (Abstieg 2015) die Situation zu beruhigen, ein Aufstiegsteam zusammenzustellen und den Aufstiegstrainer zu finden, war schwierig. Jetzt folgt die Stunde der Bewährung. Und zwar: Gelassen bleiben in schwierigen Zeiten im Oberhaus. Die Wahrung des Ligaerhalts wird so hoch zu bewerten sein wie in Zürich der Meistertitel.
8. Christian Dubé (41, Fribourg, seit 2015) Dubé ist ganz der smarte, stets wie aus dem Ei gepellte Businessmann mit hollywoodscher Prägung, der sich selbst vorzüglich zu verkaufen versteht. Er hat Sachlichkeit in die emotionale Klubkultur gebracht – das ist ein erster Schritt zurück nach oben. Aber das ist zu wenig. Seine volkstümlichen Vorgänger waren auf dem Transfermarkt erfolgreicher.
9. Alex Chatelain (40, Bern, seit 2015) Bisher hat der freundliche, unaufgeregte Bündner das meisterliche Erbe seines Vorgängers Sven Leuenberger verwaltet. Mit überschaubarem Erfolg. Ein grosser Transfer ist Alex Chatelain bisher aber noch nicht gelungen. Seine Arbeit können wir allerdings erst bewerten, wenn wir wissen, wie er die Nachfolge von Leonardo Genoni geregelt hat.
10. Jan Alston (49, Lausanne, seit 2011) Hat das (zu) viele Geld in der Transferkasse sein sicheres Gespür für Spieler und Trainer verdorben? Item, er vollbrachte Wunder (Aufstieg, als Aufsteiger in die Playoffs) und inzwischen ist Jan Alston drauf und dran, beim Versuch, aus grossen Salären und grossen Namen eine grosse Mannschaft zu machen, spektakulär zu scheitern.
11. Arno Del Curto (62, Davos, seit 2010) Wir verneigen uns tief vor seinen Verdiensten und dem Ruhm der Vergangenheit, bewerten müssen wir hier aber die Gegenwart. Und da sehen wir einen ruhe- und orientierungslosen «Feuerwehrmann», dem die besten Spieler davonlaufen und der mit einer Torhüter-Alarmübung eine Woche vor Saisonstart die ganze Mannschaft destabilisiert hat.
12. Roland Habisreutinger (45, Lugano, seit 2009) Noch nie hat ein Sportchef so lange so viel Geld mit so wenig Verstand und Konzept ausgeben dürfen. Null Komma null Erfolg und doch im Amt geblieben – das ist eigentlich die grosse Leistung von Habisreutinger. Erst seit sich die kluge Präsidentin Vicky Mantegazza mehr ins Tagesgeschäft einmischt, gibt es sportliche Lichtblicke (Finals 2016 und 2018).

1. Martin Steinegger (46 Jahre, Biel, seit 2012) Der gut geerdete, unkomplizierte, freundliche Haudegen war bereits mit 22 Captain in Biel, später Führungsspieler in Bern. Er hat seine Sensibilität für die Vorgänge in der Kabine und das Wesen und Wirken der Spieler bewahrt, ist nahe am Team, und doch wahrt er genug Distanz, um eine allseits respektierte Autoritätsperson zu sein. Die meisten seiner Transfers, ob Talent (Riat, Fuchs, Künzle), Ausländer (Rajala, Salmela) oder Routinier (Hiller, Forster, Brunner), waren Volltreffer. Mit einem sicheren Gespür bei der Trainerwahl (Antti Törmänen) sind ihm die die schwierige Emanzipation von Kevin Schläpfer und die Transformation vom Aussenseiter zum Spitzenteam gelungen.

Keystone