Ein Mäzen, was ist das eigentlich? Ein Mäzen unterstützt eine Institution, eine öffentliche Einrichtung oder eine Person bei der Umsetzung eines Vorhabens mit Geld und verlangt dafür keine direkte Gegenleistung. Erfunden haben es die alten Römer. Gaius Cilnius Maecenas sponsorte Dichter wie Vergil, Properz und Horaz.

Heute ist das Mäzenatentum in der Kultur (Theater, Oper, Museen) und im Sport (Fussball, Eishockey) populär. In unserem Sport hat das Eishockey diese Form der Finanzierung populär gemacht.

Jeanin Potin war die erste Mäzenatin unseres Sports. Sie heiratete den gleichnamigen Felix, Eigentümer einer über 400 Läden zählenden Pariser Warenhauskette.

An ihrem Ferienort Villars liess sie auf ihre Kosten eine Kunsteisbahn bauen und finanzierte ein Meisterteam. Villars verliess 1961 die 1. Liga und war 1963 und 1964 Meister.

Ohne das Geld von Madame Potin verschwand Villars wieder von der grossen Bühne. In Biel ermögliche Willy Gassmann den Bau des Eisstadions (das ab nächster Saison einem Neubau weicht) und meisterlichen Ruhm. Der EHC Biel hat das Ende der «Ära Gassmann» überlebt, musste aber 13 Jahre in der NLB darben.

Walter Frey (ZSC Lions), Hans-Ueli Rihs (Lakers), Gennadi Timtschenko (Servette), Samih Sawiris & Freunde (Ambri), Philippe Gaydoul (Kloten) sind die reichen Onkel des 21. Jahrhunderts. Dazu kommt Luganos Hockey-Gotte Vicky Mantegazza.

Die genauen Zahlen über das finanzielle Engagement sind nicht erhältlich. Ja, es ist nicht einmal möglich, die Zahlen der einzelnen Klubs miteinander zu vergleichen. Wir müssen uns auf Schätzungen stützen. Zwar sind alle NLA-Klubs als Aktiengesellschaften konstituiert und unterliegen den gleichen Buchführungsvorschriften. Aber die Voraussetzungen (Stadion, Werbe- und Gastronomie-Rechte) sind überall anders.

Zudem laufen nach wie vor nicht alle Einnahmen und Ausgaben auch über die offizielle Rechnung. Es ist durchaus legal, wenn ein Mäzen einen Spieler (in der Regel teure Ausländer) privat finanziert. Lugano bezahlte einige seiner Stars jahrelang sogar schwarz und die Verantwortlichen büssten dafür mit bedingten Gefängnisstrafen.

Verlust der Selbstständigkeit

Wir unterscheiden bei den Mäzenen zudem zwischen solchen, die einfach Jahresverluste abdecken und jede Chance, dass der Klub einmal auf eigenen Beinen stehen könnte, verhindern. Das gilt für Lugano und Ambri.

Der Milliardär Geo Mantegazza schuf in den 1980er-Jahren das «Grande Lugano». Seine Tochter Vicky ist heute Präsidentin und sichert das finanzielle Überleben. In Ambri ist es die wichtigste Aufgabe des Präsidenten, eine Männerrunde bei Laune zu halten, die Jahr für Jahr den Verlust bezahlt.

Die ZSC Lions, die Lakers und Kloten sind ebenfalls noch auf Mäzene angewiesen. Walter Frey orchestrierte und finanzierte Ende der 1990er- Jahre den Zusammenschluss des ZSC und GC und leistete die Anschubfinanzierung für den Aufbau der ZSC Lions und der grössten Nachwuchsabteilung des Landes.

Ohne Walter Frey gäbe es in der Stadt Zürich kein Spitzenhockey mehr. Inzwischen schreiben der Profibetrieb der ZSC Lions und die Nachwuchsabteilung dank exzellentem Management schwarze Zahlen. In erster Linie braucht das Farmteam GCK Lions Walter Frey als Mäzen.

Philippe Gaydoul hat die auf zu grossem Fuss lebenden Kloten Flyers übernommen und zuletzt einen Betriebsverlust von 6 Millionen eingefahren. Das muss nicht so bleiben.

Aber Kloten, im Selbstverständnis nach wie vor ein Spitzenteam, als Ausbildungsklub mit bescheidenen sportlichen Zielen zu positionieren und die Kosten herunterzufahren, wird Jahre dauern.

Die Chancen, dass die Rapperswil-Jona Lakers auf bescheidenem Niveau den Spielbetrieb in der NLA ohne die siebenstelligen Zuschüsse von Hans-Ueli Rihs finanzieren können, sind intakt. In Genf ist Spitzenhockey erst dann ohne die Millionen von Gennadi Timtschenko möglich, wenn ein neues Stadion gebaut wird.

SC Bern mit Sonderstellung

In Bern, Zug, Fribourg, Davos, Biel und Lausanne ist es inzwischen realistisch, in guten Zeiten ohne Mäzen schwarze Zahlen zu schreiben. Gänzlich unabhängig ist aber erst der SC Bern. Weil die Hälfte des Umsatzes (50 Millionen) nicht mehr mit dem Hockeygeschäft erzielt wird.

Was auffällt: Alle aktuellen Mäzene kann man politisch rechts der Mitte positionieren. Walter Frey politisierte sogar jahrelang erfolgreich auf nationaler Ebene für die SVP. Bis auf Gennadi Timtschenko haben alle den Schweizer Pass. Alle haben eine reine Weste und machten noch nie mit Skandalen Schlagzeilen.

Im Gegensatz zum Fussball, wo die Champions League 20 Millionen Einnahmen garantiert, gibt es im Eishockey kein internationales Geschäft. Eishockey ist ein nationaler, ein vaterländischer Sport. Die Versuchung, als Mäzen einzusteigen und vielleicht doch das grosse internationale Geschäft zu machen, gibt es, im Gegensatz zum Fussball, nicht.

Die Motivation für den Einstieg ins Hockey ist eine andere: Die soziale Stellung in der Gesellschaft sichern, lokale Geschäftsbeziehungen pflegen und Spass haben: Die Emotionen sind im Eishockey intensiver als beim Sponsoring eines Museums.