Huttwil Falcons

Die «Falken» werden nie mehr fliegen

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Das Hockey-Sommertheater ist definitiv vorbei, der Aufstiegskampf ist in der juristischen Verlängerung verloren worden: Das Schiedsgericht hat die Klage der Huttwil Falcons abgewiesen und die Huttwiler steigen nicht in die NLB auf.

Das Schiedsgericht brauchte zwei Tage, um zu seinem Urteil zu kommen. Das mag zeigen, dass dieser Fall nicht ganz so einfach war, und die Nationalliga ist zur Zahlung der Hälfte der Gerichtskosten in der Höhe 15000 Franken verdonnert worden. Die Anwaltskosten werden wettgeschlagen. Das heisst, dass die beiden Parteien ihre Anwälte selber zahlen.

Die Huttwil Falcons haben die Amateurmeisterschaft der 1. Liga gewonnen und sind damit sportlich in die NLB aufgestiegen. Aber wegen Formfehlern beim NLB-Aufstiegsgesuch ist den Huttwilern von der Liga beziehungsweise dem Lizenzausschuss der Liga der Aufstieg verweigert worden. Dagegen hat Klubbesitzer Markus Bösiger am 17. Juni nach einem erfolglosen Rekurs bei den
Liga-Instanzen und einem vergeblichen politischen Vorstoss bei der
Liga-Versammlung vor Gericht Klage eingereicht.

Kein Aufstiegsgesuch

Diese Klage ist nun abgewiesen worden. Weil das Schiedsgericht die Ansicht der Liga stützt, dass die Huttwiler beim Aufstiegsgesuch auch nach einer Fristverlängerung derart unvollständige Unterlagen eingereicht haben, dass juristisch nicht von einem Aufstiegsgesuch gesprochen werden könne.

Eine interessante Episode im Zusammenhang mit dem Verfahren vor dem Schiedsgericht ist folgender Umstand: Georges Müller, der Anwalt der Huttwil Falcons, hatte Heinz Schlatter, den Hockey-Kultmanager und heutigen Verwaltungsrat des SC Langenthal, als Zeugen aufgeboten. Schlatter war bei Besprechungen der Huttwiler mit den Verantwortlichen der Liga mit am Tisch gesessen. Müller sagt, Schlatter habe im allerletzten Moment telefonisch abgesagt. «Er hat uns mitgeteilt, der Verwaltungsrat des SC Langenthal habe ihm verboten, in dieser Sache als Zeuge aufzutreten.» Hätte Schlatters Aussage etwas am Urteil geändert? Müller sagt, er hätte ja Schlatter nicht als Zeuge aufgeboten, wenn seine Aussage nicht wichtig gewesen wäre. «Aber ob es matchentscheidend gewesen wäre, sei dahingestellt.»

Reglemente eingehalten

Erstmals in der Geschichte unseres Eishockeys ist also einem Klub aus juristischen Gründen ein Aufstieg verwehrt worden, der sportlich einwandfrei erkämpft worden ist. Es ist ein Sieg der Juristen und eine Niederlage für den Sport. Dem Schweizer Eishockey gehen damit ein Hockeyunternehmen (die Huttwil Falcons) und eine Eishalle verloren: Falcons-Besitzer Markus Bösiger hat als Konsequenz den Klub aufgelöst und die Hockeyarena im Nationalen Sportzentrum Huttwil geschlossen. Auch das ist ein Novum: Ein Meisterteam tritt nicht mehr zur Titelverteidigung an, weil es freiwillig aufgelöst worden ist.

Die Liga-Verantwortlichen kommentieren das Urteil des Schiedsgerichtes nicht. Vize-Geschäftsführer Patrick Reber sagt lediglich, es sei ganz einfach den Reglementen Nachachtung verschafft worden, die seit Jahren gelten und von den Nationalligaklubs eingehalten werden.

Neue Aufgabe für «Notnagel»

Bösiger kommentiert das Urteil so: «Mein Entscheid, mich aus dem Hockey zurückzuziehen und die Eishalle zu schliessen, ist durch diese ganze Angelegenheit bestätigt worden. Es gibt in Huttwil definitiv kein Eis mehr.» Markus Bösiger spekulierte kurze Zeit doch noch mit einer allfälligen Teilnahme an der NLB-Meisterschaft. Dies, falls das Schiedsgericht ihm Recht gegeben hätte. Den für einallfälliges NLB-Team bereits engagierte Trainer Igor Pawlos (letzte Saison Nottrainer bei den Lakers) bleibt unter Vertrag. Bösiger: «Er kann bei uns auch andere Aufgaben übernehmen, als ein Eishockeyteam zu trainieren.»

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