Eishockey
Die eine Niederlage zu viel: SCB entlässt Meistertrainer Törmänen

Es ist die eine berühmte Niederlage zu viel: Der SC Bern entlässt nach der deutlichen 1:4-Niederlage gegen Biel Meistertrainer Antti Törmänen. Wer der Nachfolger wird, ist noch unklar.

Marcel Kuchta
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Das Aus für Antti Törmänen als SCB-Coach.

Das Aus für Antti Törmänen als SCB-Coach.

Keystone

Die Situation hatte fast etwas Surreales: SC-Bern-CEO Marc Lüthi betrat nach der 1:4-Niederlage gegen den EHC Biel den Medienraum und verkündete mit ernster Miene die Entlassung von Meistertrainer Antti Törmänen:

«Ich kann nicht die ganze Mannschaft entlassen. Deshalb passiert leider das, was in solchen Momenten immer passiert.»

Sagte er und verschwand ohne weiteren Kommentar so schnell, wie er gekommen war.

Nebst den Journalisten wurden auch noch ein Dutzend Zuschauer Zeuge dieser standrechtlichen Entlassung, die sich ein sogenanntes «SCB-Media-Package» erworben hatten.

Diese Leute bezahlen viel Geld, um vor und nach den Spielen hautnah dabei zu sein, wenn die Spieler und die Verantwortlichen ihre Weisheiten preisgeben.

Diejenigen, die gestern dabei waren, hatten ein wahrlich exklusives Vergnügen.

Es ist aber irgendwie symptomatisch für die grassierende Berner Event-Kultur, dass man es nicht einmal in solchen Momenten für nötig hält, dem Treiben einen Riegel zu schieben.

Wie dem auch sei: Die Entlassung von Antti Törmänen war nach dem vorangegangenen Offenbarungseid der Berner gegen den EHC Biel unvermeidlich.

Zu deutlich war spürbar, dass diese Mannschaft dringend einen neuen Impuls von aussen benötigt.

Auf Spieler-Personalebene waren in den letzten Wochen einige Korrekturen angebracht worden.

Doch auch der erstmals eingesetzte neue Ausländer Rostislav Olesz konnte keinerlei Akzente setzen. Was innerhalb dieser verunsicherten Mannschaft allerdings auch sehr schwierig war.

Heute Abend in Fribourg werden die beiden bisherigen Assistenten Lars Leuenberger und Rupert Meister die Geschicke an der Bande leiten.

Kommentar: Jetzt ist eine charismatische Trainerfigur gefragt

von Klaus Zaugg

Antti Törmänen konnte sich längst nur noch im Amt halten, weil es Marc Lüthis Ego nicht zuliess, einen völlig überforderten Trainer zu entlassen. Der freundliche Finne hatte schon die letzte Saison nur dank der temporären Zuzüge der NHL-Stars überstanden und es dann mit seinem freundlichen Wesen verstanden, die gute Stimmung durch die Playoffs bis zum glückhaften Meistertitel zu retten.
Aber ein Trainer, der eine Krise meistern kann, ist er nicht: Er scheut Konflikte, miserable Leistungen hatten nie Konsequenzen und mit dem sanften Führungsstil war er diese Saison von allem Anfang an verloren. Mitschuldig an seinem Scheitern sind allerdings Marc Lüthi und Sportchef Sven Leuenberger. Lüthi, weil er in seiner Selbstüberschätzung glaubte, es sei nicht nötig, in gute Transfers zu investieren und Leuenberger, weil er die knappen Mittel mit den Transfers von Nullnummern in den Sand setzte und zum wiederholten Male nicht dazu in der Lage war, vier gute Ausländer zu engagieren.
Während des ganzen Herbstes ist die SCB-Leistungskultur verludert. Sparen beim Trainer wäre verhängnisvoll. Der SCB braucht eine charismatische Trainerfigur wie Ralph Krueger oder Slawa Bykow. Sonst gibt es keine Playoffs.