Analyse
Die Champions Hockey League ist ein Etikettenschwindel

Im Fussball ist die Champions League das Ziel aller Träume. Im Eishockey sieht das ganz anders aus, kein Klub will das Turnier wirklich ernst nehmen. Einzig Arno Del Curto vermag die CHL zu begeistern.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Arno Del Curto kann seine Spieler für die Champions Hockey League begeistern.

Arno Del Curto kann seine Spieler für die Champions Hockey League begeistern.

Keystone

Big Business mit globaler Ausstrahlung. Haben Sie je gehört, dass beim FC Basel irgendjemand ausdrücklich erklärt, man nehme die Champions League ernst? Nein. Denn im Fussball ist die Champions League das Ziel aller Träume – und eben Big Business. Nur europäisch ist das grosse Geld zu verdienen. Der FC Basel, wie wir ihn heute kennen, wäre ohne Champions League nicht möglich.

Im Eishockey ist es gerade umgekehrt. Das grosse Geld ist nur in der nationalen Meisterschaft zu holen. Die Champions League ist eine lästige Pflichtübung. Daher sehen sich die Manager schon mal genötigt, öffentlich zu erklären, man nehme die Sache ernst.

Nicht das Format der Champions League macht den Erfolg im Fussball aus. Sondern die Attraktivität des internationalen Klubfussballs. Real Madrid, Barcelona, Bayern München – Namen, die auch jenen geläufig sind, die sich nicht für Sport interessieren. Der europäische Fussball hat mehr als 50 Klubs mit internationaler Strahlkraft.

Fehlende Internationalität der Klubs

Wenn das Format nicht mit grossen Namen belebt werden kann oder wenigstens für die besten Teams, die Champions, reserviert ist, funktioniert es nicht richtig. Eishockey ist in Europa eine nationale Angelegenheit. Es gibt, anders als im Fussball, keine internationale TV-Abdeckung des europäischen Klubhockeys. Deshalb das geringe Interesse an ausländischen Ligen. So gibt es keine europäischen Klubs mit internationaler Ausstrahlung.

Wer als Laie Kärpät Oulu hört, denkt an eine neue Knäckebrot-Sorte von Coop. Die einzigen Klubteams mit Charisma spielen in der NHL – oder in Russland. Weder die NHL noch die grossrussische KHL beteiligen sich an der neuen Champions Hockey League. Und logischerweise fehlt dieser seltsamen Champions Hockey League eine TV-Präsenz, die auch nur annähernd an das Pendant im Fussball herankommt.

Und damit der Sauerstoff fürs grosse Geschäft. Nichts hat das Fehlkonstrukt der neuen Champions Hockey League besser entlarvt als der Start vor einem Jahr. Die ZSC Lions, die Sieger der alten Champions League (Saison 2008/09), begannen den Wettbewerb in Dübendorf. Weil es sich nicht lohnte, für diese Partie eine richtige Hockey-Arena zu mieten.

Verpackung und Inhalt stimmen nicht überein

Die neue Champions Hockey League managt nicht der Dachverband IIHF. Die Klubs haben diese Liga kreiert, ja die Klubs sind selber an der Aktiengesellschaft beteiligt, die diesen kuriosen Wettbewerb organisiert. Diese Beteiligung garantiert diesen Klubs einen Platz im Tableau – unabhängig von der sportlichen Leistungsfähigkeit. Sogar Abstiegsrunden-Teilnehmer aus der Schweiz dürfen mitmachen.

Die Bezeichnung Champions League ist Etikettenschwindel. Das ist die Ursünde. Soll es eine Zukunft geben, muss das Teilnehmerfeld drastisch verkleinert werden und nur Champions dürfen für die Champions League zugelassen werden. Wo Champions League draufsteht, sollte Champions League drin sein.

Arno Del Curto ist der einzige NLA-Trainer, der seine Jungs fürs europäische Hockey zu begeistern vermag – und sein HCD als einziges Schweizer Team noch dabei. Weil er sich diese Saison in den Kopf gesetzt hat, international etwas zu bewegen. Die Champions League weckt keine Träume wie im Fussball. Also braucht es einen Trainer, der seinen Jungs auf dieser Mission vorangeht.

Das ist die Gestaltungskraft eines grossen Trainers.Und es passt ins Bild, dass Arno Del Curto mit Helsinki soeben jenes Team aus dem Wettbewerb geworfen hat, gegen das der SCB mit seinem halbherzig gespielten prähistorischen Schablonen-Hockey chancenlos war.

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