Eishockey

Die Auferstehung der «Big bad Bears»

Endlich wieder einmal kochte der Berner Hockey Tempel. Genau das braucht der SCB.

Endlich wieder einmal kochte der Berner Hockey Tempel. Genau das braucht der SCB.

Nach einer emotionsgeladenen und Partie rumpelt sich der SC Bern gegen Servette mit 4:1 wieder auf Playoff-Kurs. Es waren genau diese Emotionen, welche der SC Bern braucht, um erfolgreich zu sein.

Bier war das Wasser, das die Auferstehung, den Sieg, die Rückkehr des SC Bern über den Trennstrich weihte. Die Berner waren schon ins Fahrwasser einer erneuten Niederlage geraten, der dritten in Serie, geraten. 0:1 lagen sie zu diesem Zeitpunkt zurück. Sie blieben immer wieder in der gut organisierten Verteidigung der taktisch cleveren Genfer hängen. Das 0:2, das wahrscheinlich die Entscheidung gewesen wäre, lag in der Luft. Da erwischte Rumpelflügel Tim Traber den SCB-Stürmer Thomas Rüfenacht kurz nach Spielmitte mit einem harten Check.

Endlich «brannte» es in der Post Finance Arena

Endlich, endlich, endlich flammten in der grössten Arena Europas Emotionen auf. Ein erboster SCB-Matchbesucher schüttete sein Bier übers Plexiglas auf Servette-Assistent Louis Matte. Die SCB-Ordnungshüter wurden herbeigerufen und geleiteten den Mann aus dem Stadion. Er kehrte übrigens fürs letzte Drittel wieder auf seinen Sitz zurück. Genfs Cheftrainer trocknete seinem Assistenten noch demonstrativ mit dem Frottiertuch den Rücken und jetzt «brannte» es im Berner Hockey-Tempel.

Der Zorn in den Herzen war entfacht, auf den Rängen und auf der Spielerbank. Chris McSorley erzählte hinterher: «Die Leute hinter unserer Spielerbank sind anständig und im Laufe der Jahre habe ich mit denen so etwas wie eine Beziehung aufgebaut. Nur ein Clown sitzt dort und jeder kennt ihn. Er hat das Bier ausgeschüttet». Headschiedsrichter Andreas Fischer wird einen Rapport einreichen und der SCB wird eine Busse zu bezahlen haben.

Genfs Trainer Chris Mcsorley reinigt die Jacke seines Assistenztrainers Louis Matte nach einer Bierdusche aus dem Publikum.

Genfs Trainer Chris Mcsorley reinigt die Jacke seines Assistenztrainers Louis Matte nach einer Bierdusche aus dem Publikum.

Für SCB-Trainer Lars Leuenberger war diese Aufregung ein Wendepunkt im Spiel. «Aber wir waren diesmal von allem Anfang an bereit. Wir liessen uns auch durch den ersten Gegentreffer nicht aus dem Konzept bringen.»

Plüss und Moser waren die überragenden Figuren

Es bedarf der Schilderung solcher Nebensächlichkeiten um das Wesen und Wirken der Berner in diesen schweren Tagen der Zweifel zu erklären. Die Emotionen sind erst durch diese gegnerischen und äusseren Einwirkungen geweckt worden. Eben jene Emotionen, die das SCB-Spiel braucht und die dem SCB-Spiel in den letzten beiden Partien gegen Gottéron (0:4) und in Zürich (2:5) gefehlt hatten.

Berns Martin Pluess, links, jubelt nach seinem Tor zum 4-1 mit seinen Teamkollegen Tristan Scherwey und Pascal Berger.

Berns Martin Pluess, links, jubelt nach seinem Tor zum 4-1 mit seinen Teamkollegen Tristan Scherwey und Pascal Berger.

So gesehen brachte dieser Check von Tim Traber die Wende gegen sein Team. Und die beiden WM-Silberhelden Martin Plüss (Vollstrecker) und Simon Moser (Passgeber) sorgten nun für den Ausgleich. Der 38jährige Leitwolf und der raue Emmentaler waren im Powerplay vereint. Sie waren, ansonsten in getrennten Linien stürmend, die dominierenden Figuren, ja die Titanen im Spiel des SC Bern.

«Der SC Bern wollte den Sieg mehr als wird»

Fortan gibt es keinen Zweifel mehr am Ausgang dieser Partie. Wenn Emotionen die Segel des SCB-Spiels blähen, dann spielt es keine Rolle mehr wie der Gegner heisst. In dieser zweiten Hälfte der Partie erleben die Zuschauer so etwas wie die Auferstehung der «Big Bad Bears». So wie die Berner in dieser zweiten Hälfte aufgetreten sind, hätten sie bereits in den vorangegangenen beiden Partien Gottéron und die ZSC Lions besiegt. Diese Überlegenheit hat auch Chris McSorley anerkannt. «Der Gegner wollte den Sieg mehr als wird. Das kommt selten vor, aber es war so. Ich werde mit ein paar von meinen Spielern ein ernsthaftes Wort reden müssen. Der SCB hat den Sieg verdient.»

«Ich werde mit ein paar von meinen Spielern ein ernsthaftes Wort reden müssen. Der SCB hat den Sieg verdient.»

Chris McSorley

«Ich werde mit ein paar von meinen Spielern ein ernsthaftes Wort reden müssen. Der SCB hat den Sieg verdient.»

Aber ohne Schiedsrichterschelte geht es natürlich nicht beim grossen Servette-Zampano. Er monierte, die Wende sei auch durch die Schiedsrichter verursacht worden, die es – so Chris McSorley – nicht gewagt hätten, im entscheidenden Moment Strafen gegen den SCB zu pfeifen. Das ist barer Unsinn. Aber Schiedsrichterkritik gehört zu einer Servette-Niederlage wie das Glockengeläut zur Alpabfahrt. Im komplizierten Rechenspiel um die Vergabe der letzten beiden Playoff-Plätze gibt es jetzt eine Gewissheit: Wenn der SCB am Freitag gegen Lausanne nach 60 Minuten gewinnt, dann kann Lausanne den SCB nicht mehr überholen. Ob das für die Berner reicht, hängt von den Resultaten Ambris und Klotens ab.

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