SCL Tigers
Der wichtigste Sieg der Langnauer

Eishockey ist halt ein Mannschaftssport. Deshalb besiegten die SCL Tigers die Bieler 3:0 und es spielte auch keine Rolle, dass die Ausländer einmal mehr nur Ergänzungsspieler waren.

Klaus Zaugg, Langnau
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Viele Fans murrten. Dieses 3:0 war ein «Knorz». Und doch war es vielleicht der wichtigste Sieg in der laufenden Saison: Bis dahin brauchten die SCL Tigers ein perfektes Spiel für den Sieg. Nun haben sie zum ersten Mal unter John Fust im Werktagskleid des Knorzens drei Punkte geholt.

Gewiss: Dieser EHC Biel hat Sorgen. Gleich sechs Spieler fehlten, die regelmässig zum Zuge kommen würden: Sébastien Bordeleau (und sein Ersatz Eric Beaudoin), Emanuel Peter, Philippe Seydoux, Joel Fröhlicher, Noah Schneeberger und Philippe Wetzel. Der aus Lugano herbeigeeilte und sogleich bis Ende Saison verpflichtete Center Roman Schlagenhauf (der Sohn des Ex-Kloteners Andreas Schlagenhauf) arbeitete als Center der dritten Linie. Aber der 21-Jährige hatte keinen Einfluss aufs Spiel.

Die Bieler holten trotzdem während 40 Minuten (fast) ein Maximum aus ihrem limitierten Potenzial heraus. Sie verhielten sich nie passiv und spielten lange Zeit auf Augenhöhe der fleissigen Langnauer. Aber die vielen Absenzen zeigten Wirkung – die letzten zehn Prozent an Effizienz und Kaltblütigkeit fehlten. Ein durchaus mögliches frühes Tor hätte die Partie in andere Bahnen lenken können. Die Emmentaler sind keineswegs in bester Verfassung. Selbst die Zusammenfassung aller vier kanadischen Ausländer in einem Block (!) zeigte erst im letzten Drittel und nur im Powerplay ein wenig Wirkung: Pascal Pelletier erzielte nach 464 Minuten und 39 Sekunden endlich wieder ein Tor – er hatte letztes Mal am 29. September beim 4:3 gegen die Lakers getroffen. Er legte schliesslich noch einen zweiten Treffer in Überzahl zum 3:0 nach (58. Minute).

Ausländertore neun und zehn

Es waren, die Mouchen in den Penaltyschiessen nicht gerechnet, erst die Ausländertore Nummer neun und zehn. Die Frage, wo denn die Langnauer mit wirklich guten Ausländern stehen würden, ist berechtigt. Aber die Antwort provoziert keine Polemik:

Die Langnauer würden mit ziemlicher Sicherheit auch bei viel besseren Ausländern am gleichen Ort stehen: Über dem Strich. Denn der Ausfall der ausländischen Torproduktion wird durch emsiges einheimisches Schaffen und den einzigen Spieler in Hochform (Torhüter Benjamin Conz) mehr als nur ausgeglichen.

Tigers brauchen mehr solche Siege

Wenn es je einen Beweis dafür gegeben hat, dass Eishockey eben doch ein Mannschaftsport ist, dann wird er durch die SCL Tigers geliefert. Bezeichnenderweise erzielte mit dem kräftigen Adrian Gerber ein waschechter Emmentaler das wegweisende 1:0. Gerber hat nun gleich viele Saisontore wie Pelletier und in seiner ganzen Karriere hat er in 267 Partien erst 14-mal getroffen.

Das Langnauer Handwerk hatte also im besten Sinne goldenen Boden. Entscheidend waren in diesem Derby nicht in erster Linie die spektakulären Einzelleistungen. Sondern die tiefe Fehlerquote, die hohe Disziplin und der Wille jedes Einzelnen, aus seinem oft bescheidenen Talent ein Maximum herauszuholen. Ein Arbeitssieg im besten Sinne des Wortes – und
genau solche Erfolge brauchen die Emmentaler, wenn sie ihren Aufenthalt in den Playoffplätzen verlängern wollen.