Eishockey
Der Traum der Jung-Hockeyaner ist da – der Absturz aber auch nah

Das primäre Ziel der Schweizer U20-Nationalmannschaft an der WM im russischen Ufa ist der Ligaerhalt. Der eine oder andere will aber mehr. «Ich will eine Medaille gewinnen», sagt der Center Tanner Richard.

Sascha Fey
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Tanner Richard und seine Kollegen haben etwas gutzumachen.

Tanner Richard und seine Kollegen haben etwas gutzumachen.

Keystone

Wie schmal der Grat für die Schweizer an einer U20-WM ist, zeigt das letzte Turnier. Nach starken Leistungen gegen Russland (0:3) und den späteren Weltmeister Schweden (3:4 n.P.) sowie einem 5:3-Sieg gegen Lettland befand sich die SIH-Auswahl gegen die Slowakei bis zum 4:2 (41.) im Fahrplan, ehe sie komplett einbrach und noch 4:6 verlor. Dadurch wurde nichts aus der dritten Viertelfinal-Qualifikation in Serie – 2010 waren die Schweizer gar Vierter geworden. Am Ende mussten sie froh sein, den Ligaerhalt geschafft zu haben, setzten sie sich doch gegen Absteiger Dänemark erst in der Verlängerung (4:3) durch.

«Bei nur zehn Mannschaften ist keine schlecht», sagte Trainerassistent Colin Muller, der zusammen mit Headcoach Sean Simpson die Schweizer Mannschaft in Ufa betreut. «Jeder kann jeden schlagen.» In der Gruppenphase bekommt es das Schweizer Team in diesem Jahr mit Lettland, Schweden, Finnland und Tschechien zu tun. In der anderen (stärkeren) Gruppe treffen Russland, Kanada, die USA, die Slowakei und Deutschland aufeinander.

Teamgeist noch besser

Die Schweizer starten am Donnerstag gleich mit einer Schlüsselpartie in die WM. Die Letten sind auf dem Papier der schwächste Gegner, ein Sieg ist also Pflicht. Muller findet es gut, gleich auf die Osteuropäer zu treffen, umso mehr, als sie am Tag zuvor bereits gegen Finnland spielen. «Der Anfang ist wichtig, um Selbstvertrauen zu holen.» In einem solchen Turnier brauche es einen Lauf, dann sei alles möglich. Im Normalfall kämpfen die Schweizer gegen Tschechien um Rang 3 in der Gruppe A – der Erstplatzierte erreicht die Halbfinals, die Teams auf den Plätzen 2 und 3 sind für die Viertelfinals qualifiziert. Die Tschechen sind am 31. Dezember der letzte Gegner in der Vorrunde.

Die Hälfte der 20 Feldspieler hat bereits eine WM auf dieser Stufe in den Beinen. «Die Erfahrung spielt sicher eine Rolle», sagte Lino Martschini, der im vergangenen Jahr in Calgary dabei war. «Wir wissen, wie es abläuft, was es braucht. Wir wissen auch, an was wir beim letzten Mal gescheitert sind. Wir können sehr viele Impulse weitergeben.»

Martschini gehört in der Offensive neben Tanner Richard, Sven Andrighetto, Alessio Bertaggio und Christoph Bertschy zu den grössten Hoffnungsträgern im Schweizer Team. Der flinke Flügelstürmer spielt beim EV Zug eine starke Saison und erzielte in 24 Spielen vier Tore und sechs Assists. Zudem hat er etwas gutzumachen, blieb er doch in Calgary blass. «Ich war enttäuscht, wie es abgelaufen ist. Von daher bin ich froh, dass ich noch eine Chance bekomme.»

Von der aktuellen U20-Mannschaft hat Martschini einen besseren Eindruck. Zwar sei der Teamgeist auch in der vergangenen Saison gut gewesen, aber diesmal sei er noch einen Tick besser. Das mache vieles einfacher. Zudem hätten sie die Skills, um erfolgreich zu sein. «Wir müssen sie jedoch konstant anwenden. Es nützt nichts, wenn wir nur ein oder zwei Drittel gut spielen.»

Richard will Medaille gewinnen

Der von Tampa Bay Lightning als Nummer 71 gedraftete Richard, einer von acht im Ausland tätigen Spielern in der Equipe, ist positiv überrascht von den Jüngeren in der Mannschaft. «Wir haben schnelle Flügel. Wir müssen einfach unser System spielen, hart arbeiten und kaltblütig sein. Wenn wir in jedem Spiel von A bis Z konsequent unser Konzept umsetzen, kommt es gut», so der Sohn des langjährigen NLA-Spielers Mike Richard. Der Center der Guelph Storms ist am Mittwoch mit grossen Ambitionen ins kalte Ufa gereist. «Ich will eine Medaille gewinnen. Wenn man nicht diese Einstellung hat, ist man im falschen Sport. Man spielt ja nicht, um Zweiter zu werden. Wir müssen schauen, dass wir in die Viertelfinals kommen, dann ist alles möglich.»

Bis zum WM-Start gilt es nun, das System noch zu verfeinern. Für Muller ist entscheidend, dass die Spieler das System übernehmen wollen. Trotz ihres jungen Alters hätten alle bereits ein grosses Ego. Dieses müssten die Trainer zu brechen versuchen. «Das Offensivpotenzial ist sehr gross, aber ohne Scheibe müssen wir viel besser spielen.» Gestern hat die Mannschaft ein Testspiel in Ufa gegen Russland mit 5:7 verloren. Noch besteht also Steigerungspotenzial.

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