Die ZSC Lions haben es mit der Verpflichtung von Bob Hartley vor drei Jahren vorgemacht und mit dessen Nachfolger Marc Crawford fortgesetzt: Mit der Verpflichtung eines ausgewiesenen NHL-Trainers kam der Erfolg zurück in eine Organisation, die sportlich auf Abwege geraten war.

Nun hofft man auch beim SC Bern ebenfalls auf den NHL-Effekt. Guy Boucher (42) soll erst einmal den akut drohenden Absturz in die Playout-Runde verhindern. Und dann kurz- bis mittelfristig wieder den Erfolg nach Bern zurückbringen.

Der Shooting-Star der NHL-Trainer

Boucher galt bis zu seiner Entlassung bei den Tampa Bay Lightning im vergangenen März als Shooting-Star der Trainerszene in Übersee.

Seine Karriere an der Bande begann bereits im Alter von 26 Jahren. Er arbeitete sich Stufe für Stufe nach oben und hatte praktisch auf allen Levels Erfolg.

2010 wurde er als NHL-Trainerneuling von Tampa Bay verpflichtet und arbeitete dort mir Superstars wie Steven Stamkos, Martin St.Louis oder Vinny Lecavalier zusammen.

Boucher gilt als «moderner» NHL-Coach. Will heissen, dass er durchaus auf gegenseitige Kommunikation mit den Spielern setzt, aber auch kräftig rumpeln kann in der Garderobe, wenn es nicht nach seinen Vorstellungen läuft.

Boucher: Kein Ende der NHL-Karriere

Seinen Wechsel nach Bern will er nicht als Ende seiner NHL-Karriere verstanden wissen: «Ich schliesse dieses Kapitel keinesfalls, aber ich muss einfach wieder coachen. Ich war in einer Situation, in welcher ich dieses Angebot nicht ablehnen konnte. Das ist eine tolle Gelegenheit, bei einem der grössten europäischen Klubs zu arbeiten, wo die Atmosphäre ähnlich wie in der NHL ist.»

Angesichts der fehlenden Aussichten auf einen NHL-Job sei dies der ideale Zeitpunkt für einen Wechsel nach Europa, zumal es ein lang gehegter Traum seiner Frau sei.

«Ich möchte mich und meine Fähigkeiten weiter verbessern», sagte er gestern gegenüber kanadischen Medien.

Beim SC Bern wird Interimstrainer Lars Leuenberger ins zweite Glied rücken und zusammen mit Gary Sheehan als Assistent von Boucher amten.

Leuenberger war nach der Niederlage in Lugano und dem gleichzeitigen Abrutschen unter den Trennstrich von sich aus an die SCB-Klubführung gelangt und hatte einen Wechsel an der Bande vorgeschlagen.

Boucher hätte eigentlich erst im Sommer das Traineramt in Bern übernehmen sollen. Der miserable Lauf der Dinge bei den Bernern hat nun aber alles beschleunigt.