«Mir sind Zuriii», rief ZSC-Lions Coach Marc Crawford mit rauer Stimme wenige Minuten vor dem ersten Bully der Playoff-Serie gegen den SC Bern ins weite Rund des Hallenstadions. Der Kanadier stellte sich höchstpersönlich als Anheizer zur Verfügung. Natürlich nicht live, sondern ab Konserve. Es war fast so, als ob er sich genötigt sah, seine Message auf diese Art und Weise noch einmal allen klar zu machen: Die sorgenlose Zeit der Qualifikation, welche man überlegen auf Platz eins abschloss, ist vorbei. Jetzt fängt der Ernst des Lebens an: Die Playoffs.

In den letzten beiden Saisons hatten die Lions als Qualifikationssieger jeweils einen Fehlstart hingelegt. 2014 unterlag man dem HC Lausanne im ersten Viertelfinal vor eigenem Publikum 1:4, letztes Jahr gegen Biel gleich mit 0:5. In beiden Serien setzte sich der haushohe Favorit erst im siebten und letzten Spiel durch. Eine derartige Zitterpartie soll es in diesem Jahr nach dem Gusto der Zürcher nicht mehr geben. Nimmt man aber das erste Duell des aktuellen Playoff-Jahrgangs als Massstab, dann droht den Lions wieder ein Abnützungskampf auf höchstem Niveau. Der Aussenseiter SC Bern gab jedenfalls eine sehr gute Visitenkarte im Hallenstadion ab – und entschied das erste Viertelfinalduell mit 4:3 nach Penaltyschiessen zu seinen Gunsten. Es passte, dass ausgerechnet Superstar Auston Matthews den entscheidenden Penalty vergab. Es war nicht der Abend der talentierten Zürcher.

Der Zürcher Traumstart

Dabei hatte die Partie aus Sicht der Berner denkbar ungünstig begonnen. Schon nach 37 Sekunden traf Ryan Shannon zum 1:0 für die Lions. Doch überraschenderweise sorgte dieses Tor nicht wie erwartet für einen Durchmarsch der Zürcher. Der SCB fand recht schnell zurück ins Spiel und machte den Zürchern fortan das Leben schwer. Die Berner machten die mittlere Zone dicht und liessen die Offensivmaschinerie der Lions kaum mehr zur Entfaltung kommen. Es brauchte einen doppelten Fauxpas von Timo Helbling, damit die ZSC Lions nach dem 1:2-Rückstand wieder ins Spiel zurückfanden. Der SCB-Verteidiger verlor erst als hinterster Mann das Gleichgewicht, und kompensierte seinen Sturz zur Unzeit dann mit einem Stockwurf gegen den enteilten Lions-Stürmer Pius Suter, welcher den folgenden Penalty souverän verwandelte.

Die ZSC Lions bekamen jedoch auch in der Folge keinen Zugriff auf das Spiel. Nicht ganz überraschend hatten sie Mühe mit der körperbetonten Spielweise der Berner, die nach dem Führungstreffer von Sandro Wiedmer, der am Dienstag mit Visp noch das siebte Spiel gegen Olten bestritten und verloren hat, schon wie der sichere Sieger ausgesehen hatten. Es brauchte den einzigen Geniestreich des sonst blassen Auston Matthews, dass die Zürcher sich in die Verlängerung retten konnten. Seine wunderbare Vorlage wuchtete Marc-André Bergeron zum 3:3-Ausgleich ins Berner Tor. Der ansonsten sehr sicher agierende SCB-Goalie Jakub Stepanek war chancenlos.

Zürich agierte zu pomadig

Dieser späte Effort war letztlich aber zu wenig, um das Glück ganz am Schluss auf die Seite der Zürcher zu zwingen. Deren gesamter Auftritt war gegen die mutigen Berner zu pomadig und zu emotionslos. Wie erwartet hatten die Lions grosse Mühe, den Playoff-Gang zu finden. Da nützte auch der flammende Appell Crawfords nichts.

ZSC Lions - Bern 3:4 (1:1, 1:1, 1:1, 0:0) n.P.

10 064 Zuschauer. – SR Vinnerborg/Wehrli, Balazs/Küng. – Tore: 1. (0:39) Shannon (Blindenbacher) 1: 0. 9. Helbling (Alain Berger, Gian-Andrea Randegger) 1:1. 22. Untersander (Roy) 1:2. 31. Suter (Penalty) 2:2. 56. Wiedmer (Bodenmann) 2:3. 57. Bergeron (Matthews) 3:3. - Penaltyschiessen: Matthews -, Conacher 0:1; Bergeron 1:1, Hischier -; Shannon -, Krueger -; Suter, Moser -, Nilsson -, Rüfenacht -; Bodenmann 1:2, Matthews -. – Strafen: je 3-mal 2 Minuten. – PostFinance-Topskorer: Nilsson; Conacher.

ZSC Lions: Schlegel; Blindenbacher, Siegenthaler; Rundblad, Geering; Seger, Bergeron; Nilsson, Matthews, Herzog; Künzle, Shannon, Suter; Patrik Bärtschi, Trachsler, Schäppi; Chris Baltisberger, Cunti, Wick; Jan Neuenschwander.

Bern: Stepanek; Helbling, Beat Gerber; Flurin Randegger, Untersander; Krueger, Kreis; Gian-Andrea Randegger, Wiedmer; Bodenmann, Ebbett, Simon Moser; Scherwey, Martin Plüss, Hischier; Alain Berger, Pascal Berger, Reichert.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne Flüeler, Daniel Schnyder und Dan Fritsche (alle verletzt), Foucault und Keller (überzählige Ausländer) sowie Hächler, Malgin und Karrer (alle überzählig), Bern ohne Kobasew, Bergenheim, Ness, Bührer, Ness, Kousa, Blum und Jobin (alle verletzt). - 51. Pfostenschuss Matthews. – 75. Timeout Bern.