Eishockey
Der letzte Vorhang für den «Hockey-Jesus»

Der EV Zug geht in den Playoff-Halbfinals gegen den HCD diskussionslos unter. Das bedeutet auch das EVZ-Ende von «Hockey-Jesus» Paul Di Pietro.

Marcel Kuchta
Merken
Drucken
Teilen
Gänsehaut-Stimmung: Di Pietro geht der Abschied nahe

Gänsehaut-Stimmung: Di Pietro geht der Abschied nahe

Keystone

Es waren emotionale Augenblicke in der Zuger Bossard-Arena. Eben hatte sich der EV Zug mit einer 1:6-Heimniederlage gegen den HC Davos aus dem Meisterrennen verabschiedet. Doch gleichzeitig wurde auf den Tribünen geklatscht und gefeiert. Und zwar zu Ehren eines Mannes, der sich in seiner elf Saisons dauernden Ära bei den Innerschweizern in den Heiligenstatus emporgearbeitet hatte. «Jesus of Hockey» nannten die Zuger Fans Paul Di Pietro. Den Mann, der oft mit hochrotem Kopf übers Eis walzte und besonders durch seinen unermüdlichen Kampfgeist auffiel.

Insgesamt 573 Spiele bestritt der mittlerweile 40-Jährige für den EVZ, sammelte dabei 486 Skorerpunkte und schoss 162 Tore. Er wurde über die Jahre immer langsamer, verlor jedoch erst ganz zum Schluss jene entscheidenden Meter, die er selbst mit seiner Schlauheit nicht mehr zu kompensieren vermochte. Das wurde ihm letztlich zum Verhängnis.

Di Pietro dank Choreografie mit Umfeld im Reinen

Die sportliche Leitung des EV Zug teilte der Kultfigur bereits vor Monaten mit, dass der am Ende dieser Saison auslaufende Vertrag nicht mehr verlängert werde. Für Di Pietro brach damals eine Welt zusammen. Der gebürtige Kanadier – seit sechs Jahren im Besitz des Schweizer Passes und damit auch Schweizer Nationalspieler – beklagte sich öffentlich über den für ihn bitteren Entscheid. Doch spätestens nach der wunderbaren Choreografie, die die Zuger Fans am Dienstag zu seinen Ehren darboten, war er, der in der kommenden Saison beim B-Ligisten Sierre spielen wird, mit sich und seinem Umfeld wieder im Reinen.

Die EVZ-Fans verabschieden Paul Di Pietro

Die EVZ-Fans verabschieden Paul Di Pietro

Keystone

Die Verletzungsflut zur Unzeit

Paul Di Pietros emotionaler Abschied liess auch die EVZ-Verantwortlichen für kurze Zeit das bittere Scheitern gegen den HC Davos vergessen. Zum dritten Mal in Serie bedeutete für die Zuger der Halbfinal die Endstation. Die Titelträume der Zuger zerschellten einerseits an einem starken Gegner, andererseits wurden sie auch von einer eigentlichen Verletzungsflut fortgeschwemmt.

Als Sportchef Patrik Lengwiler wenige Minuten nach der Schlusssirene zu einer ersten Analyse ansetzte, da zählte er erst einmal sämtliche Blessuren der Spieler auf. Neben den Sprunggelenkverletzungen von Damien Brunner (Saisonende) und Josh Holden (spielte stark angeschlagen) plagten sich Glen Metropolit (Bauchmuskelzerrung), Jussi Markkanen (Leiste), Raphael Diaz (Rücken) und Patrick Oppliger (angeknackste Rippe) mit mehr oder weniger gravierenden gesundheitlichen Problemen herum.

Team in der Breite verstärken

«Um gegen Davos bestehen zu können, hätten alle Spieler topfit sein müssen», konstatierte Lengwiler. Und Trainer Doug Shedden bemerkte, «dass Davos den Ausfall von drei bis vier Spielern problemlos verkraften kann. Wir nicht. Das war der Unterschied und daran werden wir arbeiten müssen.»

Der Kanadier forderte damit Lengwiler indirekt auf, die Mannschaft in der Breite zu verstärken. Bisher steht bei den Zugern allerdings erst der Zuzug von Verteidiger Andreas Furrer (Rapperswil) fest. Im Bereich der Ausländer hat sich Lengwiler mit den frühzeitigen Vertragsverlängerungen von Goalie Jussi Markkanen und Verteidiger Andy Wozniewski die Hände selbst gebunden.

Markkanen war auch in seinem zweiten Zuger Jahr nicht in der Lage, die Playoffs ohne Verletzungsprobleme zu bestreiten und war entsprechend ein Schwachpunkt. In Zug wird man Fragen betreffend Markkanens Sommertrainings stellen müssen.

Wozniewski konnte nie an seine gute Frühform anknüpfen und war am Ende nur noch ein Risikofaktor für die eigene Mannschaft. «Wir sind gut genug für die Halbfinals, aber nicht, um weiter- zukommen», befand Shedden. Im kommenden Jahr soll der nächste Schritt trotzdem gemacht werden.