Die schwierigste Aufgabe unseres Hockeys im 21. Jahrhundert ist geregelt: die Nachfolge von Arno Del Curto (62). HCD-Präsident Gaudenz Domenig hat in seiner unaufgeregten Art eine gute Lösung getroffen. Der neue Trainer heisst Harijs Witolinsch (50).

Der lettische Feuerkopf kennt das Schweizer Hockey als Spieler und als Trainer. Und er hat zusammen mit seinem Kumpel Olegs Znaroks (55) das russische Hockey national mit zwei Meisterschaften und international mit dem WM-Titel (2014) und Olympiasieg (2018) gerockt.

Der Vertrag mit dem Letten läuft bis Ende Saison. Präsident Domenig sagt: «Es gibt keinerlei vertragliche Optionen. Der Vertrag endet mit Saisonschluss, unabhängig davon, welche Klassierung wir erreichen.» Ende Saison geht auch die Ära Arno Del Curto administrativ und finanziell zu Ende. «Arno hat seinen Vertrag auf den nächstmöglichen Termin per 30. April 2019 gekündigt. Wir akzeptieren das so», sagt der HCD-Vorsitzende. Er geht davon aus, dass Del Curto diese Saison keinen anderen Klub übernimmt.

Ein typähnlicher Trainer

Die Frage war natürlich: Soll Arno Del Curto durch einen typähnlichen Trainer ersetzt werden? Oder eher durch einen im Wesen und Wirken gänzlich anderen Bandengeneral? Mit der Verpflichtung von Witolinsch gibt es eine gewisse Kontinuität. Der Lette mahnt mit seinem Temperament und der Art und Weise, wie er Eishockey lebt, durchaus an Arno Del Curto. Er ist, mit seiner grossen Trainererfahrung in Russland, sozusagen der «Del Curto aus dem wilden Osten». Als Assistent arbeitet Michel Riesen (39). Er hatte die Mannschaft zuletzt interimistisch geführt, dabei aber alle fünf Partien (Championat und Cup) verloren.

Gaudenz Domenig ist mit der Arbeit im HCD-Personalbüro aber noch nicht fertig. «Wir sind daran, neue Strukturen zu schaffen.» Der HCD wird von einem «Einmann-Betrieb» («alles Arno oder was?») zu einer gewöhnlichen Hockeyfirma umgebaut. Mit einem Geschäftsführer, der direkt an den Verwaltungsrat, und einem Sportchef, der an den Geschäftsführer rapportiert.

Wirtschaftliche Folgen der Krise

Die wahrscheinlichste Variante: Marc Gianola (45) wird Geschäftsführer (er kümmert sich aktuell um den Spengler Cup) und Pascal Müller (39) Sportchef. Der Langnauer verteidigte von 2007 bis 2009 für den HCD und hat damit den wichtigen «HCD-Stallgeruch». Zuletzt ist er beim EHC Kloten als Sportchef gefeuert worden.

Die wirtschaftlichen Folgen der Krise dürften nicht dramatisch sein. Gaudenz Domenig sagt: «Das Ziel für diese Saison war eine ausgeglichene Betriebsrechnung. Dieses Ziel werden wir mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht erreichen.»

Aber es gibt genug Männer mit abgeschlossener Vermögensbildung, denen das HCD-Wohl am Herzen liegt und die ein allfälliges Defizit geräuschlos im Rahmen eines gediegenen Nachtessens regeln werden. Auch Domenig hat sich Gedanken über seine Amtszeit gemacht. «Eigentlich wollte ich nach unserem Hundertjahre-Jubiläum 2021 noch die Nachfolge von Arno Del Curto regeln.» Diese Aufgabe hat er nun bereits erledigt. Der grosse HCD-Vorsitzende wird 2021 mit ziemlicher Sicherheit in Rente gehen. Er wird dann 65 Jahre alt sein. Wie Arno Del Curto.