Eishockey NLA
Der Kaisertransfer – Holt Biel Philippe Furrer von Lugano für die nächste Saison?

Biel war 1983 zum letzten Mal Meister. In einem anderen Jahrhundert. Unter anderen Verhältnissen.

Klaus Zaugg
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Macht Philippe Furrer aus Biel ein Spitzenteam? Noch spielt er für Lugano.

Macht Philippe Furrer aus Biel ein Spitzenteam? Noch spielt er für Lugano.

KEYSTONE/Peter Schneider

Erst nach 13-jähriger Verbannung in die Zweitklassigkeit ist der EHC Biel 2008 unter einem charismatischen Sportchef (Kevin Schläpfer) und einem grantigen Trainer (Heinz Ehlers) in die NLA zurückgekehrt.

Die Bieler behaupten sich seit dem Wiederaufstieg in der höchsten Liga und haben schon mehrmals «geplayofft». Ab und zu – so wie gerade in diesen Tagen – rücken sie im Herbst, wenn die Titanen noch am Justieren der Taktik sind, sogar in die Spitzengruppe auf.

Aber kann der EHC Biel je wieder eine dominante Rolle spielen wie zuletzt zu Beginn der 1980er-Jahre?

Vier Stürmer aus dem Ausland?

Klug und geduldig haben sich die Seeländer seit dem Wiederaufstieg Jahr für Jahr weiterentwickelt. Sogar die Emanzipation von «Hockeygott» Kevin Schläpfer ist gelungen. Trotzdem: Biel ist nach wie vor kein Spitzenteam auf Augenhöhe mit dem SCB, den ZSC Lions oder Davos. Aber es fehlt nur noch wenig. Wenn es gelingen würde, einen charismatischen Verteidigungsminister mit Schweizer Pass zu verpflichten, dann wäre der nächste, grosse Schritt nach oben gemacht. Denn dann könnten alle vier Ausländerpositionen mit Stürmern besetzt werden.

Die Frage ist also: gibt es diesen Verteidigungsminister mit Schweizer Pass? Ja, den gibt es. Philippe Furrer (32), der WM-Silberheld von 2013, dreifacher Meister mit dem SC Bern und jetzt im dritten und letzten Vertragsjahr beim HC Lugano.

Neun Jahre lang hatte Lugano nach dem Titel von 2006 auf einen Triumph in einer Playoff-Serie gewartet. Mit Philippe Furrer kam die Erlösung. 2016 führte er Lugano gleich in den Playoff-Final gegen den SC Bern und letzte Saison immerhin im Viertelfinal zum Triumph über die ZSC Lions. Furrer erzielt nicht nur auf dem Eis Wirkung. Er verändert durch seine Besonnenheit und Professionalität die Chemie jeder Mannschaft.

Zweite «Kaisertransfer»

Philippe Furrer wäre nach Jonas Hiller der zweite «Kaisertransfer» von Sportchef Martin Steinegger. Die Frage geht deshalb an Philippe Furrer: Ist ein Wechsel nach Biel überhaupt denkbar? Er verwirft die Hände. «Ach, muss so eine Frage jetzt schon sein?» Ja, diese Frage muss sein. Schliesslich läuft der Vertrag mit Lugano aus und er hat in der Nähe von Murten ein Haus erworben.

Murten ist der perfekte Wohnort für einen Hockeyprofi. Von hier aus sind es bis Biel 40 Kilometer und 39 Minuten Fahrzeit. Nach Lausanne 82 Kilometer und 55 Minuten. Nach Bern 29 Kilometer und 30 Minuten. Nach Fribourg 16 Kilometer und 23 Minuten. Nach Langnau 64 Kilometer und 55 Minuten. Fünf NLA-Teams im Radius von einer Stunde. Kein Schelm, wer da Transfer-Spekulationen anstellt.

Eine Rückkehr zu seinem Stammklub SCB ist wohl kein Thema. In Lausanne wäre wohl am meisten Geld zu holen. Aber wohin geht dort mit unberechenbaren Investoren die Reise? Bei Gottéron ginge es auch mit Furrer drunter und drüber.

Es bleibt nur Biel

Eigentlich bleibt also nur Biel. Furrer sagt: «Ich habe noch nicht einmal entschieden, ob ich in Lugano bleiben will oder nicht.» Dann lacht er wie ein Lausbub und fragt: «Was würden Sie mir empfehlen?» Nun, die Antwort geht so: Titel braucht er nicht mehr, eigentlich zählt jetzt das Abenteuer. «So, und wo wäre das?» In Langnau. Er sagt: «Neiiiin. Dorthin wechsle ich höchstens mal als Verwaltungsrat.» Also bleibt nur eine Destination: Biel.