Spengler Cup

«Der HCD wertete den Spengler Cup im Gegenteil hoch»

OK-Präsident Marc Gianola bilanziert den Spengler Cup auch aus der Sicht des Geschäftsführers des HC Davos

OK-Präsident Marc Gianola bilanziert den Spengler Cup auch aus der Sicht des Geschäftsführers des HC Davos

Marc Gianola, früher langjähriger Verteidiger des HC Davos, zieht als OK-Präsident des Spengler Cups aber auch als Geschäftsführer des HCD eine Bilanz zur 93. Austragung des Traditionsturniers.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA äussert sich der frühere HCD-Captain Gianola über den Zwiespalt in seiner Gefühlswelt und blickt in die Zukunft.

Ambri mit seinem Einsatzwillen und seinen Fans als Gewinn, Davos und Ufa mit ihrer Schon-Mentalität schonungslos und sieglos gescheitert. Sehen Sie dies auch so?

Marc Gianola: "Grundsätzlich gab es mit Ambri eine unglaublich tolle Mannschaft als Teilnehmer, die sehr viele Emotionen reinbringt. Auf der anderen Seite die Teams von Davos und Ufa, die taktische Überlegungen und Massnahmen mit geschonten Spielern machten, die nicht aufgegangen sind. Diese Massnahmen muss man den Teams überlassen. Wenn es aufgeht, sind alle happy. Schlussendlich ist es nicht aufgegangen."

Als OK-Präsident sehen Sie dies aber ein wenig anders?

"Natürlich will man, dass die Teams in möglichst stärkster Besetzung antreten und hohen sportlichen Gehalt bieten. Also die Teams den Wettbewerb so wertig wie möglich gestalten. Es ist natürlich ein Hochseilakt mit Auflagen auch für Verstärkungsspieler, die beispielsweise nicht an zwei aufeinanderfolgenden Tagen antreten dürfen. Doch Turku oder Trinec haben bewiesen, dass man erfolgreiches Hockey spielen kann, auch wenn man an zwei aufeinanderfolgenden Tagen spielt."

Argumentiert wurde vom HCD auch mit dem vorweihnachtlichen Personal-Engpass. Ambri hatte indes ein noch grösseres Lazarett mit neun verletzten beziehungsweise nicht einsatzfähigen Spielern kurz vor Weihnachten.

"Man muss unterscheiden, dass Ambri am ersten und der HCD am zweiten Spieltag das Turnier begann. Das bedeutet eine grosse Differenz auch für die taktische Ausrichtung. Die sportliche Leitung hatte alles auf den Viertelfinal ausgerichtet. Wenn die Strategie aufgeht, ist man ein 'Siebensiech'. Wenn nicht, ist man der Depp vom Dienst. Es ist nicht einfach zu entschuldigen, aber es ist passiert."

Sind Sie als OK-Präsident nicht der Ansicht, dass genau der Gastgeber den sportlichen Wert untergraben hat?

"Der sportliche Wert wurde im Gegenteil von Davos hoch gewertet mit dem Ziel des Turniersieges. Die Strategie ist einfach nicht aufgegangen. Aber klar, man muss diese Strategie vielleicht nächstes Mal anpassen. Man wird dies nach der Analyse wissen und dann durchaus Anpassungen vornehmen müssen. Es ist der erste Fehler beim HCD in dieser Saison, man muss die Erkenntnisse daraus ziehen und sehen, was man nächstes Mal besser machen kann."

Wird sich dies eines Tages nicht dennoch wiederholen?

"Wenn Davos wieder am ersten Spieltag im Einsatz steht, wäre diese Strategie wieder möglich. Das ist nicht auszuschliessen. Im April oder Mai wird der neue Spengler-Cup-Spielplan festgelegt. Es spielen die Anreisen der Teams, deren Spielpläne und so weiter eine Rolle. Im letzten Jahr hatte der HCD schon am 26. Dezember gespielt. Vielleicht wird dies 2020 wieder der Fall sein."

Ambri hat eine starke Visitenkarte abgegeben. Werden die im Halbfinal gescheiterten Leventiner auch ohne Turniersieg nochmals starten können?

"Jeder Schweizer Klub hat Chancen, am Spengler Cup dabei zu sein. Ambri hat einfach eine unglaublich starke Visitenkarte abgegeben. Wenn Ambri den Spengler Cup gewonnen hätte, hätte es selbst entscheiden können, ob es im nächsten Jahr wieder dabei wäre."

Dass die KHL auch weiter vertreten sein wird, scheint sicher. Eine neuerliche Teilnahme von Ufa ist aber wohl kaum ein Thema für das nächste Jahr?

"Grundsätzlich wollen wir die besten Hockey-Nationen der Welt hier vertreten haben. Die KHL sieht sich selbst als zweitbeste Liga der Welt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass im kommenden Jahr ein KHL-Team wieder dabei sein sollte. Ich werde Mitte Januar das Allstar-Game in der KHL besuchen und dort versuchen, alles aufzugleisen."

Apropos Aufgleisen: Demnächst wird die mittelfristige Zukunft des Spengler Cups geklärt. Die nächsten zwei Spengler Cups werden noch zum hiesigen Liga-Sperrdatum und zu den bisherigen Konditionen ausgetragen.

"Wir sind laufend in Kontakt mit der Liga, dem Fernsehen und dem Team Canada. Dass sind die drei wichtigen Faktoren, die dazu beitragen, ob es die Pause in der Liga weiterhin gibt oder nicht. Wir wollen bis Mitte März einen Entscheid haben, ob wir die Liga-Pause in der Altjahreswoche auch ab 2022 noch haben. Ich bin der Meinung, dass man eine Erfolgsformel nicht ändern sollte. Die Liga ist mehrheitlich mit der finanziellen Abgeltung (total rund 800'000 Franken - Red.) und auch der Beibehaltung des Sperrdatums einverstanden."

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