NHL
Der Fluch des Stanley-Cup-Siegers

Diesen Donnerstag beginnt die neue NHL-Saison in Nordamerika. Dabei versucht Chicago, als erstes Team seit 1998 den Meisterschafts-Titel erfolgreich zu verteidigen.

Marcel Kuchta
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Der Fluch des Stanley-Cup-Siegers

Der Fluch des Stanley-Cup-Siegers

Am Donnerstag fällt der Startschuss zur neuen NHL-Saison. Zum dritten Mal in Serie treffen dabei insgesamt sechs Teams in Europa für jeweils zwei Duelle aufeinander: Columbus und San Jose in Stockholm, Phoenix und Boston in Prag sowie Minnesota und Carolina in Helsinki.

Dass diese bei den Teams nur bedingt populären Europareisen durchaus ein gutes Omen sein können, bewiesen die Chicago Blackhawks in der letzten Saison. Sie krönten ihre Spielzeit, die im September 2009 unter anderem mit dem verlorenen Final um den Victoria-Cup gegen die ZSC Lions begann (1:2), im Juni 2010 mit dem Gewinn der NHL-Krone, des Stanley-Cups.

30 Millionen für fünf Spieler

Auch in der neuen Saison gehören die Chicago Blackhawks zu den favorisierten Teams auf den Titelgewinn. Doch es sprechen auch zwei Faktoren gegen eine erfolgreiche Titelverteidigung. Einerseits schafften es zuletzt die Detroit Red Wings, im Jahr 1998, ihren Vorjahrestriumph zu wiederholen.

Andererseits haben die Blackhawks, bedingt durch teure Vertragsverlängerungen mit ihren Starspielern, fast zwei komplette Sturmreihen verloren. Die fünf bestbezahlten Spieler (Jonathan Toews, Pat Kane, Marian Hossa, Brian Campbell und Duncan Keith) verdienen zusammen über 30 Millionen US-Dollar oder die Hälfte der gesamten Team-gehaltsobergrenze (Salary Cap). Auch deshalb mussten die Blackhawks teilweise schmerzhafte Kaderschnitte machen.

Torhüter kehrten Chicago den Rücken

Unter anderem schafften sie es nicht, sich mit Stammgoalie Antti Niemi über eine Vertragsverlängerung zu einigen. Der Finne unterschrieb bei San Jose, während die Hawks den Routinier Marty Turco (von Dallas) zu günstigen Konditionen (1,3 Millionen) unter Vertrag nahmen. Wie sehr man in Chicago mit dem Salary-Cap zu kämpfen hatte, beweist die Tatsache, dass man dem ehemaligen Stammgoalie Cristobal Huet weiterhin 5,6 Millionen US-Dollar pro Jahr bezahlt, obwohl er inzwischen bekanntlich in der Schweiz bei Fribourg-Gottéron das Tor hütet.

«Seit es den Salary-Cap gibt, ist es schwierig, eine Mannschaft zusammenzuhalten», sagt Hawks-Coach Joel Quenneville und fügt an: «Es ist ein unglaubliches Erlebnis, den Cup zu gewinnen, und man kann es kaum erwarten, ihn nochmals zu gewinnen. Aber der Fakt, dass es seit zwölf Jahren keiner Mannschaft gelungen ist, den Titel zu verteidigen, zeigt, wie hart dieses Unterfangen ist.»

Ausgeglichener Westen

Auf jeden Fall werden die Blackhawks ihre personellen Rochaden zu spüren bekommen. Auch deshalb, weil die Konkurrenz – besonders im Westen – sehr hart ist. Teams wie San Jose, Vancouver, Los Angeles, Detroit, Nashville oder Phoenix sind gleich gut oder sogar noch besser einzuschätzen als in der letzten Saison.

Die grossen Teams im Osten, wie die mit Superstars gespickten Pittsburgh Penguins (Malkin, Crosby), Washington Capitals (Owetschkin, Bäckström) oder New Jersey Devils (Parise, Kowaltschuk), gehören ebenfalls schon fast traditionell zum engsten Favoritenkreis.

Dass Stars alleine den Erfolg nicht garantieren, ist hinlänglich bekannt. Gerade in den Playoffs sind solide Arbeiter eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Umso mehr dürfte mit Interesse zu beobachten sein, ob die Teams, die ihr Geld den Stars hinterherschmeissen, erfolgreicher sind als jene, die auf ein ausgeglichen besetztes Kader bauen. Genau so eines, wie es die Chicago Blackhawks in der letzten Saison hatten.