Eishockey
Der EHC Olten hat noch keinen Grund für Feierlichkeiten

Noch ist nichts entschieden und erst ein Sieg im Trockenen. Deshalb will der EHC Olten am Freitagabend in Visp an die starke Leistung des ersten Playoff-Spiels anknüpfen und in der Serie mit 2:0 vorlegen.

Marcel Kuchta
Drucken
Teilen
Der EHCO hat sich mit dem 6:1-Sieg gegen Visp in eine gut Ausgangslage gebracht.

Der EHCO hat sich mit dem 6:1-Sieg gegen Visp in eine gut Ausgangslage gebracht.

André Grossenbacher

Die Szene war symbolträchtig: Captain Stefan Hürlimann schnappte sich das Mikrofon von «Platz-Animateur» Mige Stalder und richtete ein paar Worte an die Fans der Oltner Südkurve.

Seine Message nach dem 6:1-Sieg im ersten Playoff-Viertelfinalduell gegen den EHC Visp war klar: Noch gibt es keinen Grund für übertriebene Feiern. Erst, wenn der Einzug in den Halbfinal geschafft ist, darf man das einigermassen gebührend zelebrieren. Vorher nicht.

Die Balance zwischen Demut und Übermut

Es wird aufseiten der Oltner die grosse Kunst sein, nach dem überzeugenden Auftritt im ersten Playoff-Spiel, nicht den Boden unter den Füssen zu verlieren. Die Balance zwischen Demut und Übermut zu finden. Wie man das schafft? «Ich denke, wir haben genügend erfahrene Spieler in unserer Mannschaft, die wissen, wie man mit so einer Situation umgeht», sagt Hürlimann und fügt an: «Wir dürfen uns nicht zu viel auf diesen Sieg einbilden. Wir alle kennen Visp als Gegner. Und wir wissen auch, wie schwierig es ist, in Visp zu gewinnen. Das sollte für alle Motivation genug sein, dass wir genauso bereit sind, wie im ersten Spiel.»

Stefan Hürlimann, EHCO-Captain «Wir alle kennen Visp als Gegner. Und wir wissen auch, wie schwierig es ist, in Visp zu gewinnen.»

Stefan Hürlimann, EHCO-Captain «Wir alle kennen Visp als Gegner. Und wir wissen auch, wie schwierig es ist, in Visp zu gewinnen.»

Hansruedi Aeschbacher

Man ist sich in den Reihen des EHC Olten bewusst, dass am Freitagabend ein anderer Kontrahent auf dem Eis stehen wird. Aus Visp ist die Message jedenfalls deutlich zu vernehmen. «Wir müssen mit mehr Emotionen auftreten. Wir leben davon, dass wir physisch spielen. Und mit unserer Spielweise müssen wir auch dafür sorgen, dass die Ambiance im Stadion entsprechend laut wird», sagte Visp-Trainer Scott Beattie gegenüber dem «Walliser Boten».

Wegweisendes Spiel für die Oberwalliser

Der ehemalige Oltner Headcoach hatte in der ersten Playoff-Begegnung vor allem ein taktisches Defizit ausgemacht, welches seine Mannschaft immer wieder vor unlösbare Probleme stellte. «Wir haben Olten zu viel Raum gegeben bei der Angriffsauslösung, sodass sie mit zu hohem Tempo in unsere Zone kamen.» Beatties Gegenmittel: «Wir müssen höher stehen und die gegnerischen Verteidiger früher unter Druck setzen.»

Scott Beattie, Trainer von Visp «Wir müssen höher stehen und die gegnerischen Verteidiger früher unter Druck setzen.»

Scott Beattie, Trainer von Visp «Wir müssen höher stehen und die gegnerischen Verteidiger früher unter Druck setzen.»

HR.Aeschbacher

52-mal schossen die Oltner am Dienstag auf das von Matthias Schoder gehütete Tor des EHC Visp. Zu viel Arbeit für den Geschmack des Visper Goalies, der nicht immer eine gute Figur abgab. «Ich bin aber lange genug dabei, um so ein Spiel wegzustecken», gab sich Schoder vor dem heutigen Duell betont gelassen. Aber auch er weiss, dass diese zweite Playoff-Partie für den EHC Visp bereits wegweisenden Charakter hat.

Eine neuerliche Niederlage wäre nur schwer zu verkraften: «Ein Sieg wäre mental sehr wichtig. Wir haben mittlerweile fünf Playoff-Spiele in Serie gegen Olten verloren. Sollten wir erneut verlieren, dann kämen schon wieder Erinnerungen an die letzte Saison auf», sagt der Schlussmann der Walliser mit Blick auf die Viertelfinal-Serie des Vorjahrs, welche der EHCO glatt mit 4:0-Siegen zu seinen Gunsten entschieden hatte.

Ganz: keine guten Aussichten

Für die Visper spricht auf jeden Fall die Situation an der Verletztenfront. Während die Beattie-Truppe personell aus dem Vollen schöpfen kann und am Abend wieder mit dem 17-jährigen Supertalent Nico Hischier antreten wird, müssen die Oltner nach dem Ausfall von Marco Truttmann nun auch noch auf ihren punktbesten Verteidiger verzichten. Fabian Ganz’ Schulter, die er sich beim Torjubel (!) verletzt hatte, wurde gestern per MRI untersucht. Die definitive Diagnose steht noch aus, aber gemäss der ersten Eindrücke rechnet das Oltner Trainerteam nicht mehr mit dem Offensivverteidiger – was sehr bitter wäre.

Ist die Saison für Fabian Ganz bereits nach einem Playoffspiel zu Ende?

Ist die Saison für Fabian Ganz bereits nach einem Playoffspiel zu Ende?

HR.Aeschbacher

In welcher Formation der EHCO in Visp antreten wird, war nach dem gestrigen Training noch nicht ganz klar. Gemäss Trainer Heikki Leime wird man mit 13 Stürmern und sieben Verteidigern ins Wallis reisen. Luca Homberger, der noch unter den Nachwirkungen der Grippe leidet, könnte bei Bedarf für Cyrill Aeschlimann in der vierten Sturmlinie zum Einsatz kommen. Aeschlimann würde dann als achter Verteidiger in die Defensive rücken. Sollte Homberger nicht einsatzbereit sein, würden die Oltner mit sieben Verteidigern spielen.
Ansonsten gilt bei Leime das Motto «Never change a winning team».

Erneut mit Beaudoin statt Wiebe

Wird erneut die zweite Ausländerposition einnehmen: Eric Beaudoin (rechts).

Wird erneut die zweite Ausländerposition einnehmen: Eric Beaudoin (rechts).

Hansruedi Aeschbacher

Das heisst, dass der Kanadier Eric Beaudoin trotz einer einmal mehr diskreten Darbietung am Dienstag erneut spielen und Shayne Wiebe als überzähliger Ausländer zuschauen wird. Angesichts des starken Kollektivs fielen Beaudoins Langsamkeit und Hüftsteifheit nicht so sehr ins Gewicht. Die Ausgeglichenheit dürfte der grosse Trumpf des EHC Olten sein. Und wenn die nominell zweite Formation mit Center Matteo Romanenghi sowie den Flügeln Stefan Hürlimann und Martin Ulmer weiterhin derart gut funktioniert, dann muss den Oltnern erst recht nicht bange sein.

«Unsere Linie hatte einen sehr starken Match – wie die ganze Mannschaft. Das Wichtigste ist, dass wir in Visp an diese Leistung anknüpfen können», betont Hürlimann. Die aufgeschobene Feier mit den Fans soll schliesslich so schnell wie möglich nachgeholt werden.

Aktuelle Nachrichten