Wenn die Schweiz am Freitag zum Duell gegen Deutschland antritt, geht es um mehr als «nur» den positiven Start in die Nationalmannschaftssaison, einen Sieg gegen den benachbarten Rivalen oder den ersten Turniersieg seit dem Jahr 2007. Der Deutschland-Cup ist bereits zum fünfzehnten Mal fester Bestandteil der Vorbereitung der Schweizer Nati und der erste Gradmesser nach der langen Pause.

Chance für die jungen Spieler

Das Turnier bietet die Chance, die sich junge Spieler erhoffen, um auch in der Nationalmannschaft Fuss zu fassen. «Ich habe nicht damit gerechnet. Glen hat mich am Morgen angerufen und mir mitgeteilt, dass viele junge Spieler dabei sein werden. Ich freue mich sehr darauf», sagte beispielsweise SCB-Stürmer Christoph Bertschy am Tag seiner Nominierung. Auch Mike Künzle von den ZSC Lions ist stolz über sein Aufgebot: «Die Nati ist ein lang gehegter Traum.»

Mit der Nomination von neun Newcomern folgt Hanlon dem Trend, neue und junge Spieler für den Deutschland-Cup aufzubieten. Die Gegner stammen aus Deutschland, Kanada und der Slowakei. Gespielt wird im traditionellen November Break, in dem der heimische Meisterschaftsbetrieb für eine Woche ruht.

Somit ist klar, dass es sich bei den Aufgebotenen hauptsächlich um Spieler aus der Schweizer Liga handelt. Mit Ausnahme von Martin Gerber (Atlant Mytischtschi, RUS) und Severin Blindenbacher (Färjestads BK, Sd) 2009 sowie Patrick von Gunten (Frölunda Indians, Sd) 2011 spielten alle Akteure der letzten fünf Turnieraufgebote in der Schweiz.

Einer dieser Schweizer ist Dino Wieser vom HC Davos. Er ist in diesem Jahr bereits zum vierten Mal mit dabei in München. Seine neun Länderspiele datieren alle auf Auftritte am Deutschland Cup, an einem grossen Turnier blieb das Aufgebot bisher aus. Neben der Chance auf die Profilierung junger Talente ist Wieser ein Beispiel dafür, wofür der Deutschland-Cup noch steht: eine interne Schlacht um jeden Platz.

Hanlon folgt Simpson, nicht Krueger

Während die Spieler aus der NHL bei grossen Turnieren wie einer WM oder an Olympia gesetzt sind und über ihre Teilnahme je nach sportlichem Abschneiden in der Liga meist selber entscheiden können, geht es bei den Cracks aus der Heimat darum, sich in einem guten Licht präsentieren zu können. Von den Spielern, die in den letzten fünf Jahren im Aufgebot für den Deutschland-Cup gestanden haben, sinkt die Quote der WM-Teilnehmer kontinuierlich. 2009 waren es unter Ralph Krueger noch elf, 2013 unter Sean Simson deren sechs Spieler, die sowohl in Deutschland, als auch an der WM im Aufgebot standen.

Im letzten Amtsjahr von Krueger haben ganze 13 Teilnehmer des Deutschland-Cup ebenfalls am olympischen Turnier in Vancouver teilgenommen sowie deren sechs an allen drei Wettbewerben (an der WM 2010 war allerdings schon Simpson am Runder). 2013 waren es lediglich zwei Spieler, die ebenfalls im Aufgebot für Olympia gestanden haben. Im Aufgebot aller drei Events, also dem Deutschland-Cup, Olympia in Sotschi und der WM in Minsk, stand lediglich Kevin Romy von Servette.

Noch unter Ralph Krueger wurde der Deutschland-Cup als erster richtiger Test für die kommende Nationalmannschaftssaison mit dem möglichen Kader für die grossen Turniere angesehen. Nachfolger Sean Simpson nutzte seinerseits die Gelegenheit, neuen und unerfahrenen Spielern eine Möglichkeit zur Bewährung zu bieten. Dass dieser Vorgang auch erstmals unter der neuen Ägide von Glen Hanlon weitergeführt wird, scheint klar. Für den Neo-Nationaltrainer bildet das Turnier in München die perfekte Gelegenheit, seine neuen Schützlinge besser kennen zu lernen.

Die richtige Mischung ist gefragt

Längerfristig stellt sich aber die Frage, welche der beiden Vorgehensweisen die fruchtbarere ist. In Vancouver und an der WM in Köln erreichte die Schweiz 2010 den Viertelfinal, 2014 schied man jeweils nach der Vorrunde aus dem Turnier aus. Es gilt, die richtige Mischung zu finden zwischen der Sichtung neuer Schützlinge und der Möglichkeit, sich als Team besser kennenlernen zu können.