Eishockey
Der Bär ist wieder heiss und die harte Arbeit zahlt sich endlich aus

Die Mannschaft hat wieder ein Gesicht: Nachdem der SC Bern in der vergangenen Saison die Playoffs verpasste, ist der Meister von 2013 wieder da, wo er sich selber sieht – Mitten in der Spitzengruppe

Marcel Kuchta
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Der SC Bern gehört in dieser Saison wieder zu den Schweizer Spitzenteams: Christoph Bertschy, Philippe Furrer, Martin Plüss und Tristan Scherwey (v.l.n.r.) beim Torjubel.

Der SC Bern gehört in dieser Saison wieder zu den Schweizer Spitzenteams: Christoph Bertschy, Philippe Furrer, Martin Plüss und Tristan Scherwey (v.l.n.r.) beim Torjubel.

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Kultur, Charakter, System, Qualität, Gesundheit: Mit diesen fünf Schlagworten lässt sich die Genesung des SC Bern am besten umschreiben. Der Bär ist wieder heiss. Trainer Guy Boucher sagt: «Unser Erfolgsrezept? Es gab keine grossartigen Entscheidungen, es gab keine einschneidenden Neuerungen. Es ist das Gegenteil. Wir machen nichts anders als am ersten Tag der Vorbereitung. Aber jetzt zahlt sich die harte Arbeit aus, dass wir dem Prozess folgen.»

Boucher, Assistenzcaptain Martin Plüss (37), Goalie Marco Bührer (35) und Sportchef Sven Leuenberger versuchen, den Prozess anhand der oben genannten fünf Schlagworte zu erklären.

Kultur

Ein (englischer) Begriff, der im Umfeld des SC Bern immer wieder zu hören ist, heisst «deserving culture» – zu Deutsch: Kultur des Verdienstes. Boucher hat nach dem eher liberal coachenden und denkenden Antti Törmänen wieder das Leistungsprinzip eingeführt. Der 43-jährige Kanadier beschreibt es so: «Die Spieler müssen sich ihre Eiszeit verdienen, ebenso wie kürzere Trainings und Freitage. Sie wissen, was ich will. Wir kennen uns alle besser. Jeder weiss, welche Einstellung wir verlangen.»

Auch SCB-Sportchef Sven Leuenberger sieht, dass sein Team in dieser Beziehung einen entscheidenden Fortschritt gemacht hat: «Jeder muss sich seinen Platz in der Mannschaft erkämpfen. Auch ein Ausländer muss mal ‹bänkeln›, wenn er seine Leistung nicht bringt. Namen spielen bei Guy keine Rolle. Die ‹deserving culture› funktioniert.»

Charakter

Eine Eigenschaft, auf die man in Bern bei den Transfers im vergangenen Sommer ein besonderes Augenmerk legte. Neue Spieler wie Marc Reichert, Eric Blum, Bud Holloway oder Chuck Kobasew sind alles profilierte Typen, die der Chemie des Teams guttun. «Das sind Charakterköpfe, die auf und neben dem Eis besser arbeiten. Wenn man solche Leute hat, dann gibt das eine andere Basis. Diese Spieler bringen ihre Leistung auch dann, wenn es mal schlecht läuft», beschreibt Martin Plüss den positiven Effekt.

Marco Bührer bestätigt diese Aussage und sagt: «Unser Spirit macht es aus, dass wir auf dieser Erfolgswelle reiten. Letztes Jahr konnten wir als Gruppe nicht auf Niederlagen reagieren.» Leuenberger sieht sich bei der Umsetzung seiner Transfer-Zielsetzung bestätigt: «Die Mannschaft hat wieder ein Gesicht. Die Teamchemie ist besser. Man merkt, dass die Spieler füreinander durchs Feuer gehen.»

System

Wenn man den SCB bei der Arbeit beobachtet, dann ist vor allem eines augenfällig: Es wird wieder gekämpft und dem Gegner das Leben so schwer wie möglich gemacht. Die Berner sind zwar auch zu Beginn der Saison nicht eben schwungvoll aus den Startlöchern gekommen, haben sich mittlerweile aber auf hohem Niveau stabilisiert.

«Die Situation war heikel. Aber wir haben die Ruhe bewahrt und die nötigen Anpassungen gemacht. Jetzt haben wir ein Grundvertrauen in unser System. Unsere defensive Stabilität ist ausgeprägter. Letztes Jahr hatten wir selten eine gute Balance», unterstreicht Martin Plüss die Fortschritte. Für Sven Leuenberger ist die Handschrift des Trainers klar erkennbar: «Man sieht eine Struktur im Spiel – offensiv wie defensiv.»

Qualität

Die Umwälzungen im SCB-Kader hatten natürlich ihren Preis. Es kamen drei neue Ausländer, dazu noch drei Nationalspieler. Das Lohnvolumen stieg gemäss Insidern um eine Million Franken. Leuenberger weist aber auch darauf hin, dass sich die etablierten Spieler klar gesteigert haben: «Ein Justin Krueger letztes Jahr und dieses Jahr, das sind zwei paar Schuhe.»

In diese Richtung geht auch die Argumentation von Martin Plüss: «Man muss ein wenig vorsichtig sein. Mit einem Grossteil der Spieler, die in der letzten Saison die Playoffs verpassten, sind wir im Jahr zuvor Meister geworden. Es war also sicher nicht alles schlecht.» Und für Bührer spielt ebenfalls eine Rolle, dass «wir alten Spielern beweisen wollen, dass die letzte, frustrierende Saison ein Ausrutscher war».

Gesundheit

Martin Plüss nennt es einen «essenziellen Teil» bei der Analyse des Berner Comebacks: die ausbleibenden Verletzungen von Schlüsselspielern. «Letztes Jahr waren wir von Anfang angeschlagen wegen Verletzungsproblemen», erklärt Leuenberger und sagt auch gleich, was für den langfristigen Erfolg am wichtigsten ist: «Die Gesundheit.» Denn nur gesunde Bären sind bissige und heisse Bären.

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